Marler ist geschockt

Staatsanwalt beantragt zwölf Jahre Haft

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MARL - Vor Gericht zeigte sich ein Vater aus Marl geschockt. Er soll aus Brasilien zwei Kilo Kokain mitgebracht haben. Nun beantragte der Staatsanwalt zwölf Jahre Haft.

Eine Woche lang hatte der Angeklagte in Brasilien Urlaub gemacht. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin. Hin ging es mit Handgepäck, auf dem Rückweg hatte das Paar zwei große Koffer dabei. Darin waren zwei Kilo Kokain versteckt. Vielleicht wäre der Schmuggel ja auch gar nicht aufgeflogen. Doch der Angeklagte hatte in der Marler Drogenszene damit geprahlt, Kokain aus Brasilien zu besitzen. „Er wollte sich wichtig machen“, sagte sein Verteidiger Siegmund Benecken im Prozess vor dem Essener Landgericht. Ein Fehler, wie sich dann auch schnell herausstellen sollte. Bei einer Festnahmeaktion der Polizei wurde die Brasiliengeschichte natürlich auch den Beamten bekannt. Als die Wohnung des 53-Jährigen an der Adolf-Grimme-Straße daraufhin durchsucht wurde, landeten die Fahnder dann sogar gleich noch einen weiteren Treffer. In einem Kellerraum lagerte kiloweise Marihuana – sauber verpackt in Yoghurtbechern. Außerdem stieß die Polizei auf Schusswaffen und knapp 10.000 Euro Bargeld.

Die Staatsanwaltschaft glaubt sogar, dass der Angeklagte noch mehr Geld versteckt haben könnte. Nach ihren Erkenntnissen hat der 53-Jährige sein Geld auf Prepaid-Kreditkarten geschoben. Eine ist auch sichergestellt worden. An das Guthaben kommen die Ermittler aber nicht dran. „Wir haben das Passwort nicht“, so der Staatsanwalt. Luxusgüter gab es in der Wohnung des Angeklagten allerdings nicht. Im Durchsuchungsbericht der Polizei ist von chaotischen Zuständen die Rede. „Er ist ein übriggebliebener Hippie“, so Benecken. „Ihn interessierte immer nur, wie er an seine eigenen Drogen kommt.“

Doch damit soll nun Schluss sein. Deshalb hofft er auch dringend auf eine Strafe von höchstens zehn Jahren Haft. Damit er doch noch mal einen Neuanfang schaffen kann. „Ich bin jetzt einfach zu alt für die Drogen und den ganzen Blödsinn“, sagte er den Richtern. Die Reise nach Brasilien hatte er übrigens kurz vor einer anderen Gerichtsverhandlung angetreten. Auch dabei ging es um Drogengeschäfte. „Ganz schön dreist“, befand der Staatsanwalt. Im damaligen Prozess hatte der Angeklagte aber noch Glück gehabt. Er hatte den Richtern tatsächlich vorgaukeln können, dass seine Rauschgiftkarriere vorbei sei und war deshalb noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Seine mitangeklagte Ex-Freundin, die mit in Brasilien war, soll übrigens auch ins Gefängnis. Für sie hat die Staatsanwaltschaft zweieinhalb Jahre Haft beantragt. Das Urteil wird am 17. August gesprochen.

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