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Martin Skrobek von Individual Automotive präsentiert einen Golf mit 400 PS, der in 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h.

Marler klagen über Raser

Hinweise kommen oft zu spät

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MARL - Immer wieder schreckt ein Anwohner der Breddenkampstraße seit einem halben Jahr nachts auf. „Vor meiner Wohnung lassen Autofahrer den Motor laut aufheulen und rasen mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Langehegge.“

Derartige Vorfälle werden aus vielen Stadtteilen gemeldet, wie eine aktuelle Facebook-Umfrage unserer Zeitung zeigt. Ein knappes Dutzend Straßen, in denen es sehr lautstark zugeht, werden hier von Usern beklagt. Der MZ-Leser von der Breddenkampstraße ist mit den Nerven am Ende: „Obwohl an der Breddenkampstraße Tempo 50 gilt und in der Mitte der Straße eine Verkehrsinsel ist, werden hier Rennen gefahren. Ich höre genau, wann in den nächsten Gang geschaltet wird. An der Heisterkampstraße wird auch gerast.“ Autokennzeichen habe er sich bisher nicht notiert, auch die Polizei rief er bislang nicht an. Das hätte er laut Polizeisprecher Michael Franz aber durchaus tun sollen: „Bürger, die solche Raser sehen, sollten die 110 rufen. Wir bekommen die Hinweise leider oft zu spät.“ Von einer „Raser-Szene“ wie in Köln oder Berlin könne man in Marl jedoch nicht sprechen. „Leute, die sich wie etwa in Köln zu illegalen Rennen verabreden, gibt es in Marl nicht. Hier entstehen eher spontane Situationen an der Ampel, bei denen zwei Fahrer Gas geben und den Nebenmann abhängen wollen. Solche Angelegenheiten sind aber schnell erledigt“, sagt Michael Franz. Er räumt aber ein, dass seit Anfang 2017 in Marl 30 Fahrzeuge sichergestellt werden mussten, weil die Halter durch technische Veränderungen an ihren Autos gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hätten. Oft handelt es sich dabei um überdimensionierte Auspuffanlagen und röhrende Motoren. Franz: „Unsere Kollegen werden geschult, solche Autos zu erkennen. Nach der Sicherstellung werden die Autos einem Prüfdienst vorgeführt, um mögliche Mängel aufzudecken. Wollen die Halter mit ihren Fahrzeugen zurück auf die Straße, müssen sie diese Mängel vorher beseitigen.“ Die Existenz einer großen Raser-Szene in Marl bestreitet auch Martin Skrobek, Kfz-Meister und Geschäftsführer der Marler Tuning-Firma Individual Automotive: „Echte Tuner investieren viel Geld in ihre Autos und pflegen sie. Die meisten fahren nur selten damit. Über Marls kaputte Straßen zu rasen ist auch sicher nicht das, was Tuner wollen.“ Raser seien „Typen, die sich ein Auto mit vier Freunden teilen und bei uns nach gebrauchten Reifen fragen, weil sie wenig Geld haben. Mitte des Monats lassen sie ihre Autos meist stehen, weil sie sich keine Tankfüllung mehr leisten können“. Eine echte Raser-Szene sehen auch Fachberater Oliver Thöle von der Marler ATU-Filiale und Geschäftsführer Olaf Schnetger vom gleichnamigen Autoteilehandel in Lenkerbeck, nicht. „Tieferlegen und Felgen gehen immer, aber die Zeit der großen Spoiler ist vorbei“, sagt Schnetger.

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