+
Das reicht nicht: Wenn Straßen so zugeparkt sind, dass die Feuerwehr nicht durchkommt, darf sie sich Platz schaffen.

Menschen retten

Feuerwehr hat keine Zeit zu verlieren

  • schließen

MARL - Stellen Sie sich vor, in Ihrer Wohnung sei ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr ist unterwegs, kommt aber nicht so recht vorwärts. Die Straße ist zugeparkt - was nun? Dann muss alles sehr schnell gehen....

Am letzten Mittwoch wurde die Feuerwehr abends alarmiert. Die Rede war von einem Küchenbrand, ein Rauchmelder hatte angeschlagen. Tatsächlich brannte nur Essen in einem Topf. Augenzeugen berichten, die Feuerwehrkräfte seien schwer in die Dormagener Straße hinein und noch schwerer wieder herausgekommen. Es habe lange Zeit gedauert, bis Anwohner auf Blaulicht und Martinshorn reagiert und ihre Autos weggefahren hätten.

Und wenn sie gar nicht reagiert hätten? Oder, wenn ein weiterer Notfall ihnen nicht die Zeit zum Warten gelassen hätte? Dann hätten die Wehrmänner vermutlich zur Schaufel greifen müssen. Zur... Schaufel? Ein Feuerwehrsprecher verriet unser Redaktion den Trick. Mit etwas Ruckelei schieben die Wehrmänner unter jedes Rad des parkenden Wagens eine ganz normale Schaufel – und können ihn dann einfach zur Seite hieven, weil die Reibung zwischen Blech und Asphalt leicht zu überwinden ist.

Für den Autobesitzer, der gerade nicht zu Hause ist, der das Martinshorn nicht hört und seinen Wagen nicht sofort zur Seite fahren kann, ist das ein Glücksfall: Sein Gefährt wird bei diesem Manöver nur leicht oder gar nicht beschädigt. Doch, was geschieht, wenn auch dafür keine Zeit bleibt? Wie ist die Rechtslage?

Sehr eindeutig, sagt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Da gäbe es nicht viel zu diskutieren: Wenn Menschenleben in Gefahr sind, hat das höchste Priorität – auch wenn ein parkendes Auto mit einer Beule zurückbleibt.

Falls bei einem Feuerwehr-Einsatz Sachschäden entstehen, muss irgendjemand dafür aufkommen – aber wer? Die Besitzer zerbeulter Autos würden sich wohl zu Recht dagegen wehren, hier zur Kasse gebeten zu werden. Stadtsprecher Rainer Kohl klärt auf: Es gebe sowohl eine Haftpflichtversicherung für jedes Feuerwehr-Fahrzeug als auch für die städtischen Beschäftigten im Einsatz. Eine von beiden komme – nach Einzelfallprüfung – in der Regel für solche Schäden auf. Kohl legt Wert auf die Feststellung, dass die Wehrleute auch im Einsatzfall so schonend wie möglich mit geparkten Autos umgingen.

Wenn Menschen gerettet werden müssten, hätten die herbeieilenden Feuerwehrleute deshalb auch das Recht, parkende Autos einfach zur Seite zu schieben. Bleibt die Frage: Wer trägt die Kosten tragen – der Autobesitzer, obwohl er sich korrekt verhalten hat? Das wollten wir bei der Stadt in Erfahrung bringen. Eines ist klar: Verwarnungs- oder Bußgelder kann das Ordnungsamt nur verhängen, wenn jemand gegen Gesetze oder Verordnungen verstoßen hat – was bei einem korrekt geparkten Auto nicht der Fall ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Lobeshymnen aus England für Schalke-Neuzugang - selbst BVB-Boss Watzke optimistisch
Lobeshymnen aus England für Schalke-Neuzugang - selbst BVB-Boss Watzke optimistisch
Oer-Erkenschwicker (29) liegt auf einer Wiese - was er dort macht, schockiert Zeugen und Polizei
Oer-Erkenschwicker (29) liegt auf einer Wiese - was er dort macht, schockiert Zeugen und Polizei
NRW bittet Steuerzahler zur Kasse - das müssen wir im Kreis Recklinghausen bezahlen
NRW bittet Steuerzahler zur Kasse - das müssen wir im Kreis Recklinghausen bezahlen
Bottroper Ehepaar tot in Wohnung gefunden - es gibt neue Erkenntnisse
Bottroper Ehepaar tot in Wohnung gefunden - es gibt neue Erkenntnisse
Bahnübergang in Herten ohne Ankündigung gesperrt - diesmal nicht nur für drei Tage
Bahnübergang in Herten ohne Ankündigung gesperrt - diesmal nicht nur für drei Tage

Kommentare