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Veranstaltungen wie der beliebte Biergarten von St. Barbara sind demnächst nicht mehr steuerfrei.

Neues Steuergesetz

Gemeinden steht viel Arbeit bevor

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MARL - Kirchen werden ab dem 1. Januar 2021 wie Unternehmen besteuert. Wir fragten nach, wie sich Marls Verantwortliche darauf vorbereiten.

Mit einem kurzen Satz bringt es Pfarrer Martin Giesler auf den Punkt: „Da müssen wir durch“, sagt der Vorsitzende der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Marl (esm). Giesler beschreibt damit die Aufgaben, die den Marler Gemeinden wegen des neuen Gesetzes zur Besteuerung von Kirchenfesten, Basaren oder Kaffeekränzen bevorsteht. „Das neue Gesetz ist eine große Herausforderung, die mit viel Arbeit verbunden ist“, sagt Giesler und erklärt: „Wir werden eine Art Check-Liste aufstellen, die von der Bastelgruppe bis zur Skandinavien-Freizeit alles aufführt, was bei uns stattfindet.“ Das Gesetz basiert wie berichtet auf einer im November 2006 erlassenen Richtlinie der Europäischen Union. Im September 2015 wurde sie in deutsches Recht umgesetzt und tritt am 1. Januar 2021 in Kraft. Dann werden katholische und evangelische Gemeinden durch den neuen Paragrafen 2b des Umsatzsteuergesetzes als juristische Personen des öffentlichen Rechts betrachtet und somit steuerrechtlich wie ein Unternehmen behandelt.

Claus Althoff, Pfarreiratsvorsitzender der Gemeinde Heilige Edith Stein, sieht in dieser Frage den Kirchenvorstand gefordert, der verantwortlich für die Finanzen ist. Claus Althoffs eigene Meinung zum Thema: „Wir müssen spitz gegenrechnen, ob durch die Besteuerung von Kirchenfesten ein Minusgeschäft rauskommt. Dann muss man es lassen. Vergessen wird nur, dass wir bei Pfarrfesten nach Abzug der Kosten den Rohgewinn spenden – an die Caritas oder andere Einrichtungen.“ Diese Einrichtungen treffe letztendlich die Besteuerung von Kirchenfesten.

Austausch in WhatsApp-Gruppe

Pfarrer Marius Mirt von der Gemeinde St. Bonifatius war das Thema bereits im Vorfeld bekannt, von den möglichen Auswirkungen ist er aber dennoch etwas überrascht. „Welche Folgen das haben wird, müssen wir abwarten. Wir werden das auch im Pfarreirat besprechen“, sagt Mirt. In einer WhatsApp-Gruppe der Kolpingsfamilie tauschen sich die Teilnehmer bereits per Handy darüber aus, berichtet Marius Mirt. Umsatzsteuerpflichtig wird eine Gemeinde übrigens erst, wenn deren Einnahmen die Höhe von 17.500 Euro übersteigen. Darin enthalten sind alle Angebote und Aktionen der Gemeinde – ausgenommen sind selbstständige Vereine. Ein Umstand, über den Marls Gemeinden vielleicht nachdenken sollten.

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