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Proben in der Aula der Scharoun-Schule für die Aufführung AIDA unter Mitwirkung des JBM (Junges Blasorchester Marl) und einem Projektchor.

Oper im Marler Theater

Amateure führen "Aida" auf

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MARL - 90 Chorsänger und 70 Instrumentalisten bringen die weltbekannte Oper "Aida" in Auszügen auf die Bühne. Am Sonntag, 19. Oktober, wird das Projekt der Amateure im Marler Theater zu erleben sein.

Mit diesem Projekt setzt der Marler Musiker, Musiklehrer, Chorleiter und kreative Kopf René Lankeit seine Reihe erlebenswerter Verrücktheiten fort. 2016 schuf er der Rock-Legende Freddy Mercury mit einer temporeichen Bühnenshow ein Denkmal. Im Jahr zuvor hatte er sein junges Blasorchester Marl (jBM) mit Dantes Göttlicher Komödie in die Hölle geschickt. Lankeits Credo: Wer bei den Teilnehmern Begeisterung weckt, der kann sich an alles heranwagen, sogar an Aida und ihre tragische Geschichte.

Gesagt, gesungen: Auch Projektleiter Lankeit steht am Tag der ersten gemeinsamen Probe nicht mehr allein an seinem Pult. An seiner Seite: Laura Metzemacher. Die angehende Gesangspädagogin, war bis zu diesem Abend diejenige, die die Stimmen der Teilnehmer in geordnete Bahnen lenkte. Einige flüchtige Blicke wechseln vom Orchester zum Chor und in Gegenrichtung – dann geht’s los. Zum ersten Mal erleben beide Seiten, wie sich das komplette Klangbild der Oper anhört. Der Saal beginnt förmlich zu beben.

Einige der Sänger wirken erstaunt, fast erschreckt: So laut hatten sie sich die Blasinstrumente nicht vorgestellt. René Lankeit schaut zu seinem Orchester und setzt noch eins drauf: „Wir werden uns heute keine Mühe geben, leise zu spielen. Verdi wollte das nicht.“ Laura Metzemacher gibt den Sängern letzte technische Tipps – und bekommt Unterstützung von Lankeit. Er verrät den Chormitgliedern einen Trick: „Für jede Stimme gibt es einen im Orchester, der das Gleiche spielt. Wer ihn findet, darf ihn behalten.“

Und dann geht’s wirklich los in der Aula der Scharoun-Schule. Sänger und Spieler tasten sich voran, gehen aufeinander zu, lernen, sich gegenseitig zuzuhören und zu unterstützen, sich auch mal zurückzuhalten, damit der andere Teil des Riesen-Ensembles besser zu hören ist. Körperlich anstrengend ist das, vor allem bei den aufflammenden Partien, die wie ein Sturm durch den Saal brausen. Ein Muss bei Aida ist – natürlich – der Triumphmarsch, eine Melodie, die fast jeder schon mal gehört hat, die viele aber nicht zuordnen können. Dass seine Oper eines Tages auf Saxophonen und einem Schlagzeug gespielt werden würde, konnte Guiseppe Verdi zu Lebzeiten nicht wissen – beide Instrumente waren noch nicht erfunden. Es funktioniert.

„Heldenstücke“ heißt das Programm, das am Sonntag, 19. November, ab 17 Uhr im Marler Theater zu sehen ist. Die jBM-Greenhorns spielen an diesem Tag Werke von Bert Appermont und „Die Bürgschaft“ des aus Marl stammenden zeitgenössischen Komponisten Mathis Greiff. Anschließend singen der Projektchor und das junge Blasorchester Marl Auszüge aus Aida auf der Bühne. Moderator ist Helge Salnikau. Karten gibt es im Vorverkauf ab sofort, Erwachsene 12 Euro, ermäßigt 6 Euro, Familien 25 Euro, zu beziehen im i-Punkt (Marler Stern), per Mail über oder bei Orchester-Mitgliedern.

Takt für Takt, Notenblatt für Notenblatt kommt das Ensemble voran. Trotz aller technischen Tipps, die Lankeit und Metzemacher noch verraten, gilt die Devise: Wenn mal ein Sänger einen Ton nicht trifft oder sich ein Instrumentalist vergreift, ist das kein Drama. Die Routiniers am Dirigenten-Pult wissen: So kleine Fehler verzeiht das Publikum – wenn es sie bemerkt. Entscheidend ist etwas Anderes, lernen die Sänger und Spieler: dass ihre Begeisterung, ihr flammender Eifer hörbar und spürbar werden.

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