Opfer wäre fast gestorben

Gericht spricht Marler nach Messerattacke frei

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MARL - Obwohl er bei einem blutigen „Kneipen-Drama“ in Dorsten einen anderen Mann durch einen Brust-Stich fast getötet hat, ist ein 37-jähriger Messerstecher aus Hüls nicht bestraft worden.

„Wir können nicht ausschließen, dass der Angeklagte in Notwehr gehandelt hat“, hieß es im Freispruch-Urteil des Essener Schwurgerichts. Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt machte in der Urteilsbegründung keinen Hehl daraus, dass für die Richter der Freispruch ein „sehr unbefriedigendes“ Ergebnis ist. Nach intensiver rechtlicher Überprüfung sei jedoch kein anderes Urteil möglich gewesen.

Man sei aufseiten der Richter zwar auch ganz klar davon überzeugt, dass der Vater aus Hüls bei der von ihm abgegebenen Tatschilderung „in einigen Punkten gelogen“ habe. Einem Angeklagten dürfe man das aber letztlich nicht übel nehmen. Dazu muss man wissen: Angeklagte dürfen vor Gericht zu ihrer Verteidigung lügen – Zeugen dagegen unterliegen der Wahrheitspflicht.

Unterm Strich, so die Essener Richter, habe man jedoch vor allem auch von der Opferseite dermaßen unzuverlässige Angaben zum Tatablauf erhalten, dass im Zweifel für den Angeklagten eine Notwehr-Lage infolge des gemeinsamen, körperlichen Angehens durch das spätere Opfer (31) und dessen Bruder vorgelegen haben kann. „Es ist nicht auszuschließen, dass der Angeklagte mit den Worten ‚Ich bringe Dich um‘ angegangen wurde“, so Richter Jörg Schmitt. „Und sich dann mit einem Messer zur Wehr gesetzt hat.“ So hatte es eine Zeugin erinnert.

Mit dem Freispruch-Urteil folgten die Essener Richter dem Antrag von Verteidiger Tim F. Schubert. Sogar die Staatsanwaltschaft war am Ende von dem ursprünglichen Anklagevorwurf (versuchter Totschlag) abgerückt und hatte einen Freispruch beantragt. Allein Nebenklage-Anwalt Dr. Norbert Drees hatte auch zum Schluss noch eine Verurteilung des Messerstechers gefordert.

Die Bluttat war in den frühen Morgenstunden des 12. Februar 2017 in Dorsten-Holsterhausen passiert. Den genauen Auslöser und Hergang für die Messerattacke zu rekonstruieren, war für das Gericht laut Urteil unmöglich. Dafür hätten sich insbesondere auch das Opfer und sein Bruder in ihren Aussagen zu widersprüchlich und zu auffällig angepasst verhalten, hieß es. Fest stehe letztlich nur, dass es irgendwann zu einer Zwei-gegen-Einen-Situation gekommen sei und der Hülser dann irgendwann mit einem Messer zugestochen hat. Den Stich in die Brust hatte der 37-Jährige gleich zum Prozessauftakt zugegeben, sich aber auf Notwehr berufen: „Einer hat mich vorher festgehalten, einer getreten.“ Dass der niedergestochene Mann überlebt hat, hatte er offenbar nur den sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen und einer Not-Operation zu verdanken. Schlusswort von Richter Jörg Schmitt an den Angeklagten: „Sie können wirklich froh sein, dass der Mann überlebt hat.“

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen (dpa-Zentralbild)

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