Palliativ- und Hospizversorgung

In Geborgenheit sterben

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MARL - Um Menschen in ihrer letzten Lebensphase gut zu versorgen, braucht es geschulte Mediziner und Pflegekräfte, aber auch ganz viel ehrenamtliche Unterstützung. In Marl gibt es seit mehr als zehn Jahren ein Netzwerk für die Betroffenen und für ihre Angehörigen. Zum Welthospiztag stellen wir engagierte Menschen vor, für die der Tod kein Tabuthema ist

Jüngstes Mitglied in diesem Netzwerk ist der Förderverein Klara Hospiz, der an der Paracelsusklinik, Lipper Weg, ein stationäres Hospiz bauen will. „Für uns ist es wichtig, dass alle Marler Akteure der Palliativ- und Hospizversorgung zusammenarbeiten“, sagt Manfred Rosenberg, einer der beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer der Klara Hospiz gGmbh.

Zu den Helfern der ersten Stunde gehören die Mitarbeiter des ambulanten Hospizvereins in Marl. Wer zum Verein in der Martin-Luther-Straße in Brassert kommt, findet Beratung und praktische Hilfen. Die Begleitung für Sterbende und ihre Angehörigen dauert oft Monate und über den Tod des Patienten hinaus. „Bei uns sind Menschen länger als im Hospiz“, sagt Susanne Wittstamm. Ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen sie zu Hause, entlasten Angehörige, stehen als Gesprächspartner bereit. Beim Hospizverein wird über alle Hilfsmöglichkeiten informiert, die Sterbenden und ihren Familien zur Verfügung stehen.

Wenn alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und keine Hoffnung mehr auf Heilung besteht, wünschen sich viele keine Schmerzen zu erleiden und menschliche Nähe zu erfahren. Hans-Georg Katzmarzik brachte seine Ehefrau vor neun Jahren ins stationäre Hospiz zum Hl. Franziskus in Recklinghausen. Sie starb an einem Hirntumor. „Es war so menschlich dort“, sagt er heute. „Man wird aufgefangen. Ich war zu Hause.“ Heute hält Hans-Georg Katzmarzik Vorträge darüber, wie er das Hospiz erlebt hat, und spendet den Erlös für die Hospizarbeit. „90 Prozent der Menschen sterben immer noch zu Hause“, sagt Dr. Jan-Gerrit Voigt vom ärztlichen Palliativdienst (PKD) Marl-Herten-Dorsten. „Aber es gibt immer wieder Patienten, die einen Hospizplatz brauchen, weil es keine sozialen Netzwerke gibt.“ Die bevölkerungsreiche Emscher-Lippe-Region ist aus seiner Sicht derzeit unterversorgt.

Dr. Iris Borchmeyer leitet die Palliativstation im Marler Marien-Hospital. Hierher kommen Patienten, damit Begleiterscheinungen ihrer Krankheit wie Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen gelindert werden. Sie bleiben so lange, bis Symptome sich so weit gebessert haben, dass sie wieder nach Hause, in die Senioreneinrichtung oder in ein Hospiz entlassen werden können. „Manche kommen immer wieder, weil es ihnen guttut“, sagt Iris Borchmeyer. „Viele halten so bis zum Schluss durch und können zu Hause sterben.“ Neben medizinischer Behandlung gehören Physiotherapie, viele Gespräche und viel menschliche Nähe zum Alltag. Es gibt Platz und Ruhe für die Angehörigen. „Wir sind keine normale Krankenstation“, sagt Iris Borchmeyer.

Im Alltag vieler Menschen sei der Tod immer noch ein Tabu, erklärt die Marler Ärztin Dr. Ulrike Bertlich. Sie brachte mit Pfarrer Ulrich Müller die Initiative für das stationäre Klara Hospiz ins Rollen. Im nächsten Jahr soll der Bau beginnen. Unter dem Dach des stationären Hospizes sollen sich alle wiederfinden, die sich für Hospizarbeit in Marl starkmachen.

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