Planungsbüro präsentiert Konzept

Bürger machen Frust über Zerstörungswut in Hüls Luft

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Marl - Eine begrünte, beleuchtete Fußgängerzone, ein Markt mit Cafés und Wasserlandschaft – das neue Handlungskonzept für Hüls steckt voller Ideen. Aber einige Bürger wollten davon nichts hören...

Insgesamt 28 Lösungsvorschläge entwickelte das familienfreundliche Planungsbüro Stadt-Kinder im Auftrag der Stadt für einen lebendigen Ortskern. „Integriertes Handlungskonzept für die Ortsmitte Marl-Hüls“ heißt seine Präsentation, die am Dienstagabend 30 Bürgerinnen und Bürger im Gymnasium im Loekamp (GiL) zu sehen bekamen.

Das Konzept ist so neu, dass nicht mal Bürgermeister Werner Arndt es kannte – wie er in seiner Begrüßung verriet. Und es ist die Voraussetzung dafür, dass die Stadt Fördermittel abrufen kann. Viele Hülser wünschen mehr Leben in ihrem Ortsteil. Das wurde im vergangenen Jahr bereits beim Talk am Brunnen mit unserer Redaktion deutlich.

Es zeigte sich auch in der GiL-Aula: „Die Hülsstraße braucht mehr Gastronomie, damit hier auch abends etwas los“, sagt Hubert Huthmacher, der vor zehn Jahren aus Polsum nach Hüls gezogen ist: „Das Kino ist schon ein Anfang, aber allein noch kein Magnet.“

Udo Janczyk vermisst ebenfalls Cafés und Biergärten: „Hier wäre Kaufkraft. Wenn man die Fußgängerzone attraktiver macht, dann kommt auch Einzelhandel mit Qualität und Leben in den Stadtteil.“ Heinz-Gerd Paschke, Eigentümer eines Hauses in der Hülsstraße, hofft zudem darauf, dass die Arkaden verschönert und gereinigt werden.

Die Planer haben die Wünsche der Hülser aufgegriffen (Wie berichtet, wurden die Bürger schon mal in einer Werkstatt im Gemeindezentrum Herz Jesu beteiligt): Peter Apel, Geschäftsführer von Stadtkinder stellte die besten Ideen vor. Die Bürger sollen an der Diskussion darüber weiter beteiligt werden, auch damit sie sich mit dem Stadtteil stärker identifizieren.

Frust über Zerstörungswut

Einige Besucher haben allerdings ein Problem mit Hüls. Sie unterbrachen die Präsentation, um von demolierten Autos, zerschnittenen Reifen und Urinieren in Geschäftseingängen zu erzählen: „Wir fühlen uns allein gelassen, werden nicht mehr polizeilich geschützt.“ Ordnungshüter und Polizei konnten dazu nicht Stellung nehmen, sie waren nicht vor Ort. Mitdiskutieren, wie man Hüls verbessern könnte, wollten die Zwischenrufer aber nicht. Sie verließen, sichtlich mit Wut im Bauch, die Aula.

Das Büro Stadt-Kinder hatte die Probleme des Ortsteils nicht verschwiegen: Fast jeder sechste Hülser müsse von Sozialleistungen leben. Projektmitarbeiter Jan Lassen nannte in seiner Analyse viele Leerstände, Ein-Euro-Läden und Spielhallen, die nicht gerade für Aufenthaltsqualität sorgen. „Aber nur über diese Qualität ändern wir etwas“, meinte Peter Apel. „Dann halten sich auch Menschen im öffentlichen Raum auf – und gehen anders damit um.“

Was die Planer in Hüls ändern wollen:

-Fußgängerzone und Trogemannstraße sollen begrünt, durch beleuchtete Gründerzeit-Fassaden und die Neugestaltung von Brunnen und Wasserläufen aufgewertet werden. -Der Marktplatz soll ein Ort der Begegnung werden, durch Begrünung, Wasserlandschaft, Spielmöglichkeiten für Kinder und einen Feierabendmarkt. Wenn er eine neue Qualität erhält, werde sich auch Außengastronomie ansiedeln, meint Peter Apel: „Vermieter müssen überzeugt werden, dass es sinnvoller ist, Immobilien an Cafés zu vergeben als an Wettbüros, Spielhallen und Bars.“ -Mehr Kulturveranstaltungen und mehr Feste sollen mehr Leben bringen. -Neue Wege sollen Hüls an den Loemühlenbach und den Gänsebrink-Park anbinden. Ein grünes Band soll sich als durchgängige Naherholung durch den Ort ziehen. -Der Gänsebrink-Park, aus Sicht der Planer „ein Juwel“, soll teils seinen verwunschenen Charakter behalten, teils durch Spielflächen und Angebote von Sportvereinen belebt werden. -Überhaupt soll es mehr und schönere Spielplätze geben, zum Beispiel im Fischerwäldchen und an der August-Schmidt-Straße. -Die Victoriastraße und das Römerquartier sollen verbunden werden. -Ein Einzelhandels- und Leerstandsmanagement soll das Profil des Ortsteils schärfen.

Rubriklistenbild: © Heinz-Peter Mohr

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