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Polizei will nachforschen

Wurde Obdachloser in der Wache verprügelt?

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MARL - Das Polizeipräsidium plant, die Anschuldigung eines 24-jährigen Marlers zu untersuchen.

Am 15. Januar nahm die Polizei abends vor der Hauptwache einen 24-jährigen Marler fest. Sie legt ihm zur Last, an zwei Tagen Eier auf die Wache und Einsatzwagen geworfen zu haben. Der junge Mann bestreitet das. Fest steht aber: Er hatte zwei Eier in der Tasche. Unserer Redaktion sagte er, dass er sie schmeißen wollte. Dazu sei es aber nicht gekommen. Ein Polizist habe ihn auf die Motorhaube eines Autos gedrückt und ihm Handschellen angelegt. Der 24-Jährige wurde in eine Zelle gebracht. Dort seien vier Polizisten aufgetaucht: „Einer hat mich festgehalten.“ Ein Polizist habe ihn viermal mit Lederhandschuhen gegen den Kopf geschlagen. Außerdem habe er zwei Tritte in den Magen bekommen. Der 24-Jährige war nach seiner Freilassung im Krankenhaus. Ein Arzt habe Prellungen im Gesicht und eine leichte Gehirnerschütterung dokumentiert.

Drohungen an der Tür

Im Obdachlosenheim am Lipper Weg, erzählt der junge Marler weiter, hätten ihn Polizisten später aufgesucht und bedroht: „Sie sagten, ich soll aufpassen, wo ich hingehe, sonst werden sie mich im Kanal versenken. Ich soll aus Marl wegziehen.“ Ein Freund habe diese Drohungen am Telefon mitgehört. Der junge Marler hatte gerade mit ihm gesprochen und das Handy auf dem Tisch abgelegt, als die Polizei sich ankündigte. Der 24-Jährige will nun einen Anwalt aufsuchen und mit ihm Strafanzeige erstatten. Bisher liegt der Polizei keine Anzeige vor. Sie werde den Anschuldigungen nachgehen und die Staatsanwaltschaft einschalten, sagt Sprecher Andreas Wilming-Weber. Der 24-Jährige erhebe den Vorwurf der Körperverletzung im Amt. Dieses Delikt wird mit einer Geld- oder Haftstrafe geahndet. In schweren Fällen droht Amtsträgern eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Aber auch eine bewusst falsche Verdächtigung ist eine Straftat. Täter müssen mit einer Geld- oder Haftstrafe bis zu fünf Jahren rechnen. Falls sich die Anschuldigungen des 24-Jährigen als falsch herausstellen, würde die Polizei prüfen, ob sie ein Strafverfahren einleitet. Wie geht es jetzt weiter? Möglicherweise wird die Staatsanwaltschaft anordnen, dass der 24-Jährige vernommen wird und seine Aussagen, die er gegenüber unserer Redaktion gemacht hat, schriftlich bestätigt. Dann würde wahrscheinlich eine andere Polizeidienststelle in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft ermitteln – damit die Neutralität gewahrt bleibt. Dieses Verfahren ist üblich, wenn Vorwürfe gegen Polizeibeamte bekannt werden.

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