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Prozess um Shisha-Bar-Vorfall

Der Albtraum begann nach einem Filmriss

MARL - Vergewaltigte ein 29-jähriger Marler sein hilfloses Opfer?

Diese Szenen gingen unter die Haut. Im Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung in einer Marler Shisha-Bar hat am Dienstag eine Auszubildende ausgesagt. Sie soll das Opfer gewesen sein. Die Vernehmung hatte kaum begonnen, da flossen auch schon die Tränen. Die 20-Jährige Marlerin war mit ihrer Mutter und mit ihrem Anwalt Jörn Reinhardt ins Gericht gekommen, um den Richtern zu schildern, was sie noch in Erinnerung hat. Viel war es allerdings nicht. Es war der 9. Juli 2017, als sie mit einer Freundin feiern gehen wollte. Erst war man in einer Disco, dann in einer Shisha-Bar in der Innenstadt. Wodka-Mixgetränke und Amphetamin machten die Runde. „Ich weiß noch, dass ich nachts irgendwann von der Toilette gekommen bin“, sagte die 20-Jährige den Richtern. „Dann war plötzlich Sense.“

Die nächste Szene, die sie in Erinnerung hat, ist für die angehende Altenpflegerin bis heute der reinste Albtraum. „Ich lag in der Shisha-Bar auf einer Couch und einer hatte Geschlechtsverkehr mit mir“, sagte sie den Richtern und weinte bitterlich. „Ich habe dann wie irre geschrien – um Hilfe, nach meiner Mama, nach allen.“ Der Mann, den sie gar nicht kannte, habe dann auch sofort von ihr abgelassen. „Er hat sich eine Shisha geraucht und mich dann gefragt, ob alles in Ordnung sei.“ Darauf habe sie ihn erneut angeschrien und sei aus der Bar geflüchtet. „Ich bin komplett durchgedreht.“ Ob der Angeklagte der Täter war, kann sie gar nicht sagen. „Ich habe kein Gesicht vor Augen und auch keine Stimme von ihm im Kopf.“

Bei der Polizei hatte sie später vermutet, dass man ihr K. o.-Tropfen in ein Getränk getan hat. Derartige Filmrisse habe sie vorher nämlich nicht gekannt, obwohl sie regelmäßig Alkohol und Drogen zu sich genommen habe – Amphetamin und Marihuana. „Ich hatte viele Probleme“, sagte sie den Richtern. „Vor allem, nachdem mein leiblicher Vater gestorben ist.“ Von Ritzen war im Prozess die Rede, von einer Bor-derline-Störung und von Mobbing.

Angeklagter bestreitet sexuelle Handlungen

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt nicht bestreiten wollen, dass es in der Shisha-Bar zu sexuellen Handlungen gekommen ist. Von einem Vollrausch der Frau könne aber keine Rede sein. Man habe sich halt angenähert – und auf die Couch habe er sie auch nicht gezerrt. Doch genau das ist umstritten. Die Frage ist, ob die 20-Jährige wirklich völlig „weggetreten“ war, als der 29-jährige Marler sie ausgezogen hat? Hat er ihre hilflose Lage skrupellos ausgenutzt? Davon ist zumindest die Staatsanwaltschaft überzeugt. Die Anklage lautet auf sexuelle Handlungen an einer widerstandsunfähigen Person. Die 20-Jährige war nach der Tat ins Krankenhaus gegangen und hatte sich sofort in psychologische Behandlung gegeben. In einer Verhandlungspause lag sie ihrer Mutter lange weinend in den Armen.

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