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Der Weg in den Schulalltag: Auch mit dem gesetzlichen Anspruch auf gemeinsamen Unterricht besuchen viele Kinder mit Förderbedarf immer noch eine Förderschule.

Richtungswechsel der Landespolitik

Förderschule wird nicht zum Auslaufmodell

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MARL - Wird die Förderschule zum Auslaufmodell, weil Kinder mit Behinderungen den gemeinsamen Unterricht besuchen?

Gut vier Jahre nach dem Stichtag für die Inklusion an Schulen in NRW können Susanne Nastula, Leiterin der Glückauf-Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Brassert, und Manfred Bothorn, Amtskollege an der Heinrich-Kielhorn-Schule in Alt-Marl (Schwerpunkte Lernen, Sprache, Emotionale und Soziale Entwicklung), diese Frage mit einem klaren Nein beantworten. Das liegt unter anderem am Richtungswechsel der Landespolitik. Wollte die SPD-geführte Landesregierung, dass die Förderschulen im Zuge der Inklusion nach und nach verschwinden, stärkt die CDU-Bildungsministerin Yvonne Gebauer ihnen jetzt den Rücken.

In diesem Schuljahr sind an den beiden Marler Förderschulen 297 Kinder und Jugendliche angemeldet. „Die Entscheidung, ob ihr Kind eine Förderschule besuchen soll, treffen die Eltern“, sagt Susanne Nastula. „Viele ziehen die Überschaubarkeit der Förderschule größeren Regelschulen vor.“ Acht bis 13 Schülerinnen und Schüler sind an der Glückauf-Schule in einer Klasse, zwölf bis 14 an der Heinrich-Kielhorn-Schule.

Wieder für die Zukunft planen

Derzeit sind alle Stellen für Sonderpädagogen an beiden Schulen besetzt. Schulleiter Manfred Bothorn kann angesichts der aktuellen Situation wieder für die Zukunft planen. Das war vor zwei Jahren noch anders: Nachdem 2014 bereits die Wilhelm-Raabe-Schule in Marl-Hamm aufgegeben worden war, stand die Kielhorn-Schule vor einer ungewissen Zukunft, weil sie die für Förderschulen verlangte Schülerzahl von 144 nur knapp erreichte. Jetzt ist sie auf 112 gesenkt worden.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 haben Kinder mit Behinderung in NRW einen Rechtsanspruch auf Unterricht an einer Regelschule. Laut einer Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm nimmt der Anteil der Förderschulen ab, insbesondere wenn es um den Förderschwerpunkt Lernen geht. An der Marler Heinrich-Kielhorn-Schule gibt es keinen Schülerschwund. „Die neue Situation gibt uns und dem Schulträger Stadt Marl wieder Planungssicherheit“, sagt Manfred Bothorn. 2020 soll die Schule mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Gute Schule“ ein neues Dach und neue Fenster bekommen.

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