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Einsatzbereit: Auf dem Hof der Feuerwehr stellen sich einige der Männer zum Gruppenfoto auf, die bei den Großereignissen im April immer dabei waren (v. li. Felix Lelgemann, Michael Dolega, Carsten Scheper und Rainer Plichter). Rechts Stadtbrandmeister Rainald Pöter.

Routine reicht nicht

Emotionen erst nach dem Einsatz

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MARL - Wie gehen Feuerwehrleute mit dem Erlebnis schwerer Unglücke wie in der Osterwoche um? Wir haben nachgefragt.

Da hilft auch die größte Routine nicht. „Dieser Unfall war das Schlimmste, was ich in 38 Jahren bei der Berufsfeuerwehr erlebt habe“, sagt Rainer Plichta. Er war am Ostersonntag dabei, als die Feuerwehr zu dem Unfall auf der Victoriastraße gerufen wurde, bei dem drei junge Männer ums Leben kamen. „Wir haben danach einfach zusammengesessen, Kaffee getrunken und geredet“, sagt Carsten Schipper. Er ist bei der städtischen Feuerwehr für Psychosoziale Unterstützung (PSU) der Einsatzkräfte zuständig.

So wie Rainer Plichta hatte auch Felix Lelgemann immer Dienst, wenn die Feuerwehr in der Woche vor und nach Ostern zum Großeinsatz gerufen wurde. Der 24-Jährige befindet sich noch in der Ausbildung zum Brandmeister. Er war auch am Tag vor dem Unfall im Einsatz, als die städtische Feuerwehr half, den Brand beim Müllsortierer Alba im Chemiepark zu löschen. Und er rückte am Freitag nach Ostern mit aus, als an der Gladiolenstraße in Drewer der Bauernhof brannte. Zu Beginn wusste niemand, ob sich der Besitzer noch im Gebäude befand. Weil überall Gasflaschen herumstanden, durfte sich keiner der Feuerwehrleute dem Haus nähern, bevor die Explosionsgefahr nicht durch Löschwasser gebannt war. Insgesamt 20 Stunden waren die Retter vor Ort. Der Bauernhof brannte zwar ab, aber der Besitzer war zum Glück nicht zu Hause.

Emotionen müssen außen vor bleiben

In der Ausbildung zum Brandmeister werden die Anwärter zwar auf extreme Situationen vorbereitet. „Aber Felix hat hier in einer Woche mehr erlebt als viele im ganzen Berufsfeuerwehrleben“, sagt Brandeinsatzleiter Michael Dolega. Er war bei allen drei Ereignissen für die Koordination vor Ort zuständig. Nach mehr als 25 Jahren Berufserfahrung weiß er, dass gerade Einsätze unter besonders schweren Bedingungen professionell abgearbeitet werden müssen. „Emotionen müssen außen vor bleiben“, betont er. „Aber dafür bleibt ja auch beim Einsatz kaum Zeit.“ Bei der Arbeit vor Ort achtet er auf sein Team. „Da lässt man nicht den jungen unerfahrenen Kollegen ganz vorn arbeiten.“ Aber besonders der Unfall auf der Victoriastraße hat bei ihm wie bei allen Einsatzkräften Spuren hinterlassen. „Man nimmt auf jeden Fall etwas mit nach Hause. Der Ostersonntag ist bei mir jetzt für immer mit dieser Erinnerung verbunden“, sagt der Marler. Noch schlimmer sei nur der Gedanke an einen Autounfall in Marl, bei dem vor Jahren ein Kind getötet wurde.

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