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Jedes Kind hat ab dem neuen Schuljahr den Anspruch, in eine Regelschule aufgenommen zu werden. Auch alle weiterführenden Schulen in Marl wollen den Einstieg in die Inklusion versuchen und Förderschüler einbinden und unterstützen. Foto: dpa (Archiv)

Schulen setzen Inklusion um

Trotz Lernschwäche aufs Gymnasium

MARL - In den Grundschulen gibt es bereits „eine Kultur der Inklusion“, sagt Schuldezernentin Dr. Barbara Duka. Und auch alle weiterführenden Schulen in Marl seien bereit, lernschwache Kinder aufzunehmen und zu fördern.

Laut Dr. Duka können deshalb im neuen Schuljahr auch alle 30 Kinder, die einen anerkannten sonderpädagogischen Förderbedarf haben, in eine weiterführende Schule wechseln – sie würden dann auf die Hauptschule, die Realschule, die Gesamtschulen und die Gymnasien verteilt.

Damit ist die Umsetzung der sogenannten Inklusion (das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Schülern) in Marl theoretisch zum Stichtag möglich.

Praktisch gibt es allerdings nach wie vor viele Fragezeichen. Das wichtigste: Ungeklärt ist nach wie vor die Finanzierung. Bisher weiß niemand so genau, was die Umsetzung der vom Gesetzgeber geforderten Regelung tatsächlich kostet und wer dafür bezahlt. .Die Städte verweisen auf das Land und wollen zur Not auch klagen. In Marl schätzt die Schulverwaltung die Kosten für die Umsetzung des Landesgesetzes auf etwa vier Millionen Euro. Die Hälfte davon sind jährliche Personalkosten.

Woher kommen Sonderpädagogen?

Für die Förderung von Kindern, die im Lernen und ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind, werden zusätzliche Lehrerstunden berechnet. Noch ist allerdings ebenfalls unklar, woher die Sonderpädagogen für den Förderunterricht kommen sollen.

Die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen beginnen im Februar. Für die Stadt sei es deshalb wichtig gewesen, vor der Klärung aller offenen Fragen den Eltern Angebote zu machen, betonte Dr. Duka im Schulausschuss. „Dass sich keine Schule drückt und alle mit im Boot sind, ist ein guter Einstieg.“ Skeptisch äußerte sich dennoch der Leiter des Gymnasiums im Loekamp, Joachim Posanski: „Ich habe ernste Bedenken, ob das für die Kinder eine gute Lösung ist.“ Dennoch: Auch das GiL ist wie die anderen weiterführende Schule bereit, versuchsweise zum neuen Schuljahr jeweils fünf Förderschüler aufzunehmen.

Nach wie vor bleibt den Eltern allerdings auch die Möglichkeit, ihre Kinder weiter an einer klassischen Förderschule unterrichten zu lassen. Weil durch die Inklusion auf Dauer aber die Zahl der Förderschüler zurückgehen wird, werden zum neuen Schuljahr die Wilhelm-Raabe-Schule und die Heinrich-Kielhorn-Schule am Standort Riegestraße zusammen gelegt.

Glück-Auf-Schule hat Bestand

Beide Schulen haben den Förderschwerpunkt Lernen, Sprache und emotionale und soziale Entwicklung. Die Schulverwaltung geht davon aus, dass voraussichtlich auch weiterhin etwa 200 Schülerinnen und Schüler die Heinrich-Kielhorn-Schule besuchen werden.

Bestand hat in Marl auf jeden Fall auch die Glück-Auf-Schule. Sie hat den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

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