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Wer nah an den Gleisen wohnt, bekommt wie hier am Sinsener Bahnhof auch nachts keine Ruhe.

Bau in Sinsen verzögert sich

Lärmschutzwand ist ein Bummelzug

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MARL - Auch in den kommenden drei Jahren brauchen Anwohner der Bahnstrecke Münster-Essen nicht auf Ruhe hoffen. Der Bau von Lärmschutzwänden verzögert sich mal wieder.

Rückblick: Anfang 2016 hatte ein Vertreter der Bahn den lärmgeplagten Sinsener Anwohnern den Bau von bis zu drei Meter hohen Schallschutzwänden angekündigt. Die Sinsener hatten zuvor gezählt, dass mehr als 300 Züge täglich nah an ihren Häusern und Gärten vorbeifahren. Bis zu 100 Dezibel erreicht der Lärmpegel, wenn Züge vorbeirauschen. Durch die geplanten Aluminium-Wände könne der Wert halbiert werden, stellte der Bahnvertreter in Aussicht. Dann kam die erste Verzögerung beim Bauvorhaben. Im Herbst 2016 wurde an den Bahndämmen eine große Eidechsen-Population entdeckt. Die geschützten Tiere mussten auf eine Ersatzfläche umgesiedelt werden. Der Baubeginn für die Lärmschutzwände wurde für November 2017 angekündigt. Bis jetzt ist aber noch immer nichts passiert.

Mitte 2017 hatte das Eisenbahn-Bundesamt die Genehmigung für den Bau noch nicht erteilt. Die Begründung aus Düsseldorf: Es werde noch geprüft, ob ein (zeit-) aufwendiges Planfeststellungsverfahren für den Bau nötig sei, oder ein einfaches Genehmigungsverfahren reicht. Je nach Verfahren sei das Baurecht 2018 oder 2019 zu erlangen. Auch wenn dem Bau nun rein rechtlich nichts mehr im Weg steht: Baulärmgutachten und die Maßnahmen in Bezug auf den Artenschutz haben das Verfahren verzögert, so eine Bahnsprecherin. Und das hatte letztlich eine fatale Auswirkung: Denn um Lärmschutzwände zu bauen, sind gelegentliche Sperrungen der Bahnstrecken erforderlich. Und diese Sperrungen müssen mit einem sehr großen zeitlichen Vorlauf beantragt werden.

Das war auch ordnungsgemäß geschehen, doch die angesetzten Sperrfristen konnten wegen des noch laufenden Genehmigungsverfahrens nicht genutzt werden. Also mussten neue Sperrungen beantragt werden, und das dauert: In der Regel drei Jahre, weil diese landes- und teilweise auch bundesweit mit anderen Maßnahmen und Bautätigkeiten abgestimmt werden müssen.

Was bedeutet: Vor dem Jahr 2021 wird auch in Marl wohl keine Lärmschutzwand entlang der Bahnlinien errichtet. Für die Anwohner heißt es, sich weiter in Geduld zu üben. Bei den Lärmschutzmaßnahmen handelt es sich im Übrigen um ein freiwilliges Programm der Deutschen Bahn, in das seit 2001 bundesweit bereits über 230 Millionen Euro geflossen sind.

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