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Die Frage, die viele Marler beschäftigt: Wie teuer wird die Sanierung des Rathauses tatsächlich?

Stadt warnt vor Stillstand

Entscheidung über teure Rathaussanierung verschoben

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MARL - Die Marler Politik ist sich uneins darüber, wie es mit dem Rathaus weitergehen soll: 70 Millionen Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ausgeben oder neu bauen? Der Bauausschuss vertagte eine Entscheidung am Donnerstag. Dabei drängt die Zeit.

Egal, was beschlossen wird – ich werde damit beginnen, das Rathaus leerzuziehen“, kündigte Bürgermeister Werner Arndt im Ausschuss an. Das Arbeiten im Rathaus sei „gefährlich, den Mitarbeitern nicht mehr zuzumuten. Jeden Monat gibt es hier einen Wasserrohrbruch, bei Stürmen eingedrückte Fenster.“

Jahrelang hatte der Stadtrat keine Mittel für eine Rathaussanierung bereitgestellt. Deshalb wird sie immer teurer. Vor drei Jahren schätzten Gutachter die Sanierungskosten noch auf 39 Millionen Euro, die Kosten für einen Neubau auf 50 bis 58 Millionen Euro. Bei einer Online-Umfrage unserer Zeitung hatten sich damals drei Viertel von 3245 Lesern für einen Neubau ausgesprochen. Der Rat lehnte es zweimal mit breiter Mehrheit ab, das Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen. Doch der Kreis als Aufsichtsbehörde ordnete die Eintragung in die Denkmalliste an. Die Stadt hätte dagegen vor dem Verwaltungsgericht klagen können. Aber die Politiker scheuten das langwierige Verfahren mit ungewissem Ausgang. Sie verzichteten auf eine Klage, die keine aufschiebende Wirkung gehabt hätte, und beschlossen die Sanierung.

2017 sollte sie losgehen. Neue Ideen kamen hinzu. Mit den Bürgern wurde ein Handlungskonzept für eine lebendige Stadtmitte diskutiert: Durch den Umzug des Glaskastens ins neue Kulturzentrum Marschall 66 wird Platz frei für ein soziales Rathaus mit Café, Stadtteiltreff und Spieliothek.

"Hinter jede Wand geguckt"

Vor einem Jahr ermittelte das mit der Planung der Rathaussanierung beauftragte Düsseldorfer Architekturbüro HPP eine Kostensteigerung auf fast 55 Millionen Euro. Jetzt hat es die Zahl erneut nach oben korrigiert: auf 70 Millionen Euro. Der Bürgermeister hält die Schätzung für gesichert, der Gutachter habe „hinter jede Wand geguckt“. Unklar ist aber, wie Kämmerer Michael Dinklage die Mehrausgaben von 15 Millionen Euro im Haushalt auffangen kann. Das will er am Dienstag im Finanzausschuss erklären (16 Uhr, Ratsstube).

HPP-Architekt Sebastian Helm errechnete im Vergleich zum alten Gutachten Mehrausgaben von elf Millionen Euro für Brandschutz, Statik, Sanierung der Turmfassaden und die Entsorgung von Schadstoffen. Zusätzliche 6,7 Millionen Euro koste der Umbau zum Sozialen Rathaus. Hinzu kommen „erhebliche Baupreissteigerungen der letzten Jahre“. Die Kosten für Sanierungen im Sinne des Denkmalschutzes beziffert Helm auf eine Million Euro. Das Rathaus sei ein architektonisch beeindruckendes Gebäude von hoher Qualität, schwärmt der Architekt.

Bis zum 12. Oktober müsste die Stadt Fördermittel für den ersten Bauabschnitt der Sanierung beantragen. Sie hofft auf rund 20 Millionen Euro. Doch die Politiker sträuben sich. Viele fürchten inzwischen ein Fass ohne Boden. WIR für Marl und UBP fordern Diskussionen über einen Neubau, die Bündnisgrünen stellen den Denkmalschutz infrage: Gerichte hätten entschieden, dass es für Kommunen unzumutbar sein kann, Gebäude unter Denkmalschutz zu erhalten. Die SPD warnt vor weiterem Stillstand, 900 Verwaltungsmitarbeiter bräuchten vernünftige Arbeitsplätze. CDU, bum und FDP wollen weitere Zahlen zu Neben- und Umzugskosten sehen. Arndt zufolge sind alle bisherigen Erkenntnisse auf dem Tisch, die Verwaltung habe stets informiert. Eine Sanierung sei ein Prozess. Es werde immer neue Risiken geben.

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