Strafanzeige gegen RAG

Bürgerinitiative Marl-Hamm zieht vor Gericht

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MARL - Die Bürgerinitiative Marl-Hamm, die gegen die Bauschutt-Deponie auf der Halde Brinkfortsheide Erweiterung kämpft, stellte mit Anwohnern vom Rebhuhnweg Strafanzeige gegen Verantwortliche des Bergbaukonzerns RAG.

Sie hätten es versäumt, die Halde mit Erde abzudecken. Dazu seien sie seit Ende der Schüttung aber verpflichtet gewesen. Durch die mangelnde Abdeckung seien die Anlieger einer Luftverschmutzung mit Staub und Aluminium ausgesetzt. Die Initiative spricht von Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Essen prüft die Anzeige, als Delikt komme zumindest Luftverunreinigung infrage. Die RAG will sich dazu erst äußern, wenn ihr die Strafanzeige schriftlich vorliegt.

Umstritten sind Behauptungen der Hammer Initiative, dass Anwohner durch Radioaktivität gefährdet seien. Zuletzt zitierte die Initiative aus Akten, die sie bei der Bergaufsicht der Bezirksregierung in Arnsberg einsah: An der Haldenböschung wurde im letzten Jahr ein Spitzenwert von 1350 Nanosievert pro Stunde gemessen.

Experten empfehlen Messung in der Siedlung

Andreas Nörthen, Sprecher und Experte für Bergaufsicht bei der Bezirksregierung, spricht von geringer Belastung. Am Silvertbach hätten sich Ablagerungen aus Grubenwassereinleitungen festgesetzt. Natürliche Radioaktivität aus Karbon (= Kohlegestein) reichere sich darin an. Die Bezirksregierung habe deshalb vorsorglich die kontinuierliche Überwachung des Silvertbachs angeordnet.

Im Februar dieses Jahres waren Experten von RAG und Bergaufsicht erneut mit Messgeräten an verschiedenen Stellen der Halde und Einleitstellen am Silvertbach. Sie hätten Werte zwischen 68 und 120 Nanosievert pro Stunde festgestellt, so das NRW-Umweltministerium. Es spricht von „einer natürlichen Hintergrundbelastung“. Die Behörden müssten deshalb nicht eingreifen.

Kann eine Gefährdung ausgeschlossen werden? Wir befragten Experten vom Bundesamt für Strahlenschutz. Ihnen reichten die bisherigen Informationen nicht für eine Festlegung. Der Spitzenwert von 1350 Nanosievert pro Stunde entspräche 13 Millisievert pro Jahr und liege am oberen Spektrum der natürlichen Radioaktivität, erklärte Sprecher Jan Lauer. Bei einer Ganzkörpertomografie seien Patienten einer Strahlenbelastung von 10 bis 20 Millisievert ausgesetzt. Vorschlag der Experten: Um sicher zu gehen, sollte man direkt an den ersten Häusern der Siedlung messen. Dort müsste die Dosis wesentlich niedriger sein.

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