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Urteil folgt im Dezember

Anklage: Drogenhandel

MARL - Konspirative Treffen und kiloschwere Drogentaschen: Zwei Halbbrüder aus Marl-Hamm und Haltern führten jahrelang ein heimliches Doppelleben.

Seit Donnerstag stehen sie in Essen vor Gericht. Alles begann mit einem „Turnschuh-Geschäft“. Im Sommer 2015 hatte der 29-jährige Angeklagte aus Haltern einem Schwergewicht aus der Drogenszene ein paar Sportschuhe verkauft. So kam man ins Gespräch. Kurze Zeit später waren die beiden dann auch schon Kompagnons. „Er hat mich gefragt, ob ich mir etwas dazu verdienen will“, sagte der 29-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Essener Landgericht. Da habe er nicht lange nachgedacht. Schließlich sei er nach einer Bandscheiben-OP gerade ohne Arbeit gewesen, was ihn ärgerte. „Ich wollte nicht als der Arbeitslose dastehen, der kein Geld nach Hause bringt.“

Und so habe er sich bereit erklärt, als eine Art Zwischenhändler zu fungieren. Später sei dann auch sein mitangeklagter, zehn Jahre älterer Halbbruder aus Marl eingestiegen. In dessen Wohnung waren bei einer Razzia im Januar 2018 ebenfalls kiloweise Drogen und fast zehntausend Euro Bargeld gefunden worden. Auch zwischenzeitliche Festnahmen im Umkreis der Angeklagten ließen keine Ruhe einkehren. „Ich habe nur das Geld gesehen“, sagte einer von ihnen vor Gericht. Außerdem habe er einen seiner bereits inhaftierten Komplizen unterstützen wollen.

Umfeld blieb lange ahnungslos

„Ich habe ihm einen Fernseher und ein Radio gekauft - fürs Gefängnis.“ Einer der Hintermänner soll ein bereits im Sommer zu neun Jahren Haft verurteilter Mann aus Marl-Mitte gewesen sein. Er hatte in seinem eigenen Prozess gestanden, aus seiner Wohnung an der Adolf-Grimme-Straße heraus massenhaft Drogen verkauft und selbst zwei Kilo Kokain aus Brasilien geschmuggelt zu haben. Seine anderen Lieferungen sollen unter anderem von den beiden nun angeklagten Halbbrüdern gekommen sein. Dass aus dem Umfeld der Angeklagten lange Zeit niemand Verdacht schöpfte, lag möglicherweise auch daran, dass beide ansonsten offenbar ein ganz normales Leben geführt haben – mit Jobs und praktisch ohne Vorstrafen.

Am 4. Januar 2018 war dann jedoch endgültig Schluss. Nach einer groß angelegten Razzia wurde der Marler und Halterner Drogenring gesprengt. Die Urteile sollen noch im Dezember gesprochen werden.

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