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Marls Bibliotheken und Buchhandlungen versorgen trotz Online-Konkurrenz auch weiterhin alle Marler Leseratten. Seit 40 Jahren arbeitet Maria Poll in der Kinder- und Familienbibliothek „Türmchen“

Verändertes Leseverhalten

Bücher an Jugend anpassen

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MARL - Seit 40 Jahren arbeitet Maria Poll im Türmchen. Ein gesunkenes Interesse junger Menschen an Büchern stellt sie nicht fest. Jedoch ein verändertes Leseverhalten.

Ohne genaue Zahlen nennen zu können, erklärt Maria Poll, dass die Ausleihzahlen trotz geändertem Freizeitverhalten bei Kindern und Jugendlichen konstant geblieben sei. Deutlich geändert hätte sich allerdings das Leseverhalten der Stammkundschaft. „Früher lasen Kinder auch Romane von Charles Dickens, Jules Verne oder ,Die Schatzinsel‘ von Robert Louis Stevenson. Diese Klassiker wurden aber in einer Sprache geschrieben, die heute nicht mehr kindgerecht ist. Die Bücher werden dafür in überarbeiteten und gekürzten Fassungen neu aufgelegt“, sagt Maria Poll.

Selbst die Werke von Astrid Lindgren oder Erich Kästner, die ursprünglich ja bereits für jugendliche Zielgruppen verfasst wurden, würden mittlerweile an modernes Leseverhalten angepasst. „Um Kinder mit diesen Geschichten zu erreichen, findet eine textliche Glättung statt. Außerdem gibt es bebilderte Versionen von Klassikern, die teilweise wie Comics aussehen. Verleger merken, dass Kinder solche Versionen brauchen“, erklärt Poll. Großen Einfluss auf das Leseverhalten haben laut Maria Poll auch die digitalen Medien. „Dinge, die Kinder im Fernsehen sehen, wollen sie im Buch dann möglichst genauso erleben. Viele Kinder finden Harry Potter toll und würden auch gerne die Bücher lesen. Über die erste Seite kommen sie dann aber meist nicht hinaus“, sagt Poll.

Stark verkürzt habe sich auch die Zeitspanne, in der Hits und Serien angesagt sind. „Der Wechsel zum nächsten spannenden Thema geht heute sehr schnell“, bestätigt Maria Poll. Weiterhin viel ausgeliehen wird auch in der insel-Stadtbibliothek. Bibliothekarin Eva Gorges schätzt den Anteil an Büchern dabei auf 50 Prozent. „Das Publikum beginnt bei uns ab 13 Jahren, die meisten Leser sind aber über 50. Gerne geliehen werden leichtere Romane von Caroline Link. Dazu geht alles gut, was auf Bestseller-Listen steht und einen entsprechenden Werbeaufkleber auf dem Cover hat“, sagt Gorges.

Ein Umstand, den Heike Thelen von der Buchhandlung Kottmann bestätigt: „Leser greifen gerne zu Bestsellern. Erwachsene mögen Bücher wie ,50 Shades of Grey‘, aber auch die Fantasy-Romane der Reihe ,Das Lied von Eis und Feuer‘, auf denen die TV-Serie ,Games of Thrones‘ basiert“, erklärt Thelen. Für sinkende Umsätze im Einzelhandel macht Heike Thelen den Online-Handel verantwortlich: „Wir können unsere Stadt selbst gestalten und sollten entscheiden, ob wir bequem online kaufen oder den Einzelhandel vor Ort unterstützen. Liefern können wir genauso schnell, wie Online-Händler.“

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