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Angelika Müller, Historikerin aus Marl, beschäftigt sich mit Zuwanderung. Foto: Möller

Vortrag am Montag

Was Gebetsvereine und Moscheegemeinden eint

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MARL - Es war der Glaube, der sie in der Fremde zusammenhielt, dessen Gemeinschaft ihnen Sicherheit gab. Ab 1885 gründeten protestantische, polnisch sprechende Masuren im Ruhrgebiet – auch in Marl – Gebetsvereine.

Bei der Erforschung der Geschichte stieß die Marler Historikerin Angelika Müller auf Parallelen zu den türkischen Moscheevereinen von heute. Am Montag, 3. Juni, stellt sie das Thema, zu dem die Forschung bisher wenig zu sagen hatte, beim Bildervortrag im Gemeindehaus der Kulturen vor. Mehr als zehn Jahre hat sie die Geschichte der Masuren im Ruhrgebiet erforscht.

„Für jemanden, der religiös geprägt ist, ist die Religion in der Fremde überlebensnotwendig“, sagt die Historikerin. Das sieht sie als Parallele zu den Einwanderern, die in den 1960er-Jahren ihre Religion aus der Türkei mit nach Deutschland brachten. Einwanderer aus Masuren wie später auch die Zuwanderer aus der Türkei wurden als Gastarbeiter angeworben. Viele stammten aus entlegenen Gegenden ihrer Heimatländer, wo sie sich lange zuvor als Glaubensflüchtlinge niedergelassen hatten.

Abschottung nach außen

Alte Fotos zeigen ganz in Schwarz gehüllte Frauen mit Kopftüchern. In den evangelischen Gebetsvereinen herrschten strenge Regeln. „Sie waren konservativ, fundamental und legten die Bibel buchstabengetreu aus“, so Angelika Müller. Die Gebetsvereine boten lange Zeit Schutz vor der fremden Welt. „Sie waren der Identitätsanker für die Menschen“, erklärt die Historikerin.

Abschottung nach außen wird heute auch den Moscheegemeinden häufig vorgeworfen. „Diese Bunkermentalität muss nach außen sichtbar aufgebrochen werden“, betont Angelika Müller. „Viele Muslime, die hier leben, verhalten sich konservativer als die Menschen in der Türkei. Kritisch sieht sie die Abhängigkeit der DITIB-Moscheen vom „Tropf des Präsidiums für Religiosität“ in Ankara.

„Zuwanderung als Glaubenssache“ – evangelische Gebetsvereine und türkische Moscheevereine. Montag, 3, Juni. 19.30 Uhr, Gemeindehaus der Kulturen, Römerstraße 57.

Ihre Hoffnung für die Zukunft setzt sie auf die jungen Generationen und auf Imame, die Deutschland islamische Theologie studieren. An der Universität Münster steht der erste Studentenjahrgang kurz vor dem Abschluss. Unverzichtbar für das Zusammenleben der Religionen sei aber vor allem eins, so die Historikerin: „Wir müssen mit Wertschätzung aufeinander zugehen.“

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