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Eine Frau bietet am Straßenstrich ihre Dienste an.

Beschwerden nehmen zu

Prostituierte verdrängen Pendler auf Parkplatz an A 52 - Sperrbezirk möglich

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    Heinz-Peter Mohr
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Die Stadtverwaltung Marl soll Straßenstrich-Auswüchse und Dauerprostitution am Pendlerparkplatz an der A 52 verhindern. Nach Beschwerden von Bürgern gab ihr der Rat diesen Auftrag. Aber kann sie verhindern, dass die Damen an andere Orte ausweichen?

  • Prostituierte blockieren Pendlerparkplätze an der A 52
  • Immer mehr Wohnwagen und Freier
  • SPD kritisiert den Vorschlag der CDU.    

Update, 15:30 Uhr, 12. Februar

Die CDU fand im Rat Unterstützung für folgenden Antrag: Die Verwaltung soll prüfen, wie die Nutzung des Pendlerparkplatzes für die Ausübung regelmäßiger Prostitution zu verhindert werden kann. Ohne Gegenstimme, bei zwei Enthaltungen von Bürgerliste und UBP wurde der Antrag angenommen. 

Neuer Vorschlag für den Parkplatz in Marl

Jetzt gibt es eine neue CDU-Initiative: Der Sozialausschuss soll eine Sondersitzung zum Thema organisieren. Inhaltlich liefert die CDU detaillierte Vorschläge, unter anderem Kontakt zu den Frauen aufzunehmen und ihnen und Zugang zu Ausstiegsmöglichkeiten aufzuzeigen. Außerdem sollen Vereinbarung mit den Prostituierten über Regeln und Grenzen getroffen werden. 

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Wenzel, Sandra Wienströer-Gurski, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Marl und Maresa Kallmeier, sachkundige Bürgerin für die SPD kritisieren den Antrag als „ungeeignet und undifferenziert“. Peter Wenzel: „Ohne Fachexpertise ein Verbot am Pendlerparkplatz als Lösung zu deklarieren und Ausstiegsberatung für die Prostituierten als Lösung zu präsentieren, greift zu kurz und ist purer Aktionismus in einer emotional geführten Debatte.“

SPD will Experten für Marl 

Wichtige Fachexpertise könnte aus Sicht der SPD Fraktion durch das Kreisgesundheitsamt erfolgen, das für die medizinische Beratung der Prostituierten zuständig ist. Der Kreis organisiert außerdem regelmäßig einen Runden Tisch Prostitution im Kreisgebiet. Die SPD schlägt weiterhin vor, die Prostituiertenberatungsstelle Madonna e.V. zurate zu ziehen. Sie berät Prostituierte und sucht sie an ihren Arbeitsplätzen auf – auch am Pendlerparkplatz der A52. 

Kreissprecher Jochem Manz bestätigt, dass die zuständigen Ordnungsbehörden auch bei den Frauen an der B225 bereits Kontrollen durchgeführt haben. Auch beim Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen gibt es Angebote für die Betroffenen. Für die Möglichkeit, die Prostitution ganz vom Pendlerparkplatz zu verbannen, in dem der Bereich zum Sperrbezirk erklärt wird, ist die Bezirksregierung Münster zuständig. Den Antrag müssten die Stadt Marl oder der Landesbetrieb Straßen.NRW stellen, dem die Fläche gehört. „Sie ist das letzte Mittel, wenn alles andere nicht funktioniert hat“, erklärt Bezirksregierungssprecher Andreas Winnemöller. „In jedem Einzelfall prüfen wir die Voraussetzungen sehr genau.“

Originalmeldung

Niemand will einen Straßenstrich in der Nachbarschaft haben. Doch verhindern lässt sich Prostitution nicht, nur verdrängen. Das zeigte bereits die

Auseinandersetzung um den Sperrbezirk an der Recklinghäuser Straße

vor neun Jahren. Nun gibt es Ärger um den Park & Ride-Parkplatz für Berufspendler an der Auffahrt zur A 52. Seit mehreren Jahren ist er der neue Standort für den Straßenstrich in Marl. Täglich bieten die Prostituierte dort in Wohnwagen ihre Dienste an. 

Erst standen dort nur zwei oder drei Wohnmobile, doch jetzt sind es wesentlich mehr. In der Spitze parken acht bis neun Wohnwagen und nehmen Pendlern die Plätze weg, berichtete Bürgermeister Werner Arndt in der Ratssitzung.

Dort machte die CDU-Fraktion mit einem Antrag auf das Problem aufmerksam. Der Stadtverwaltung ist es längst bekannt: „Auch bei uns beschweren sich die Bürger“, berichtete Werner Arndt. Deshalb ist Ordnungsdezernent Michael Bach im Gespräch mit dem Eigentümer des Parkplatzes, dem Landesbetrieb Straßen.NRW. Ergebnisse gibt es noch nicht. 

Hygienische Situation auf Parkplatz in Marl "untragbar"

Ziel müsse es sein, den Prostituierten Regeln aufzuzeigen und Grenzen zu ziehen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, sagte Ratsherr Peter Gesser (CDU). Die hygienische Situation auf dem Parkplatz sei für Frauen und Freier untragbar, es gebe weder Toiletten noch Wasser.

Pendler würden den Parkplatz meiden – auch weil sie sich nicht rechtfertigen wollen, wenn sie dort gesehen werden. Dabei sei der Parkplatz doch aus Steuergeldern der Bürger erstellt – so werde öffentlicher Parkraum zweckentfremdet, kritisiert die CDU.

Etliche Wohnwagen nehmen den Parkplatz an der Dorstener Straße ein und verdrängen die Pendler.

 

Ohne Gegenstimme, bei zwei Enthaltungen von Bürgerliste und UBP, beschloss der Rat den CDU-Antrag: Er beauftragte die Stadtverwaltung, zu prüfen, wie die Nutzung des Pendlerparkplatzes für regelmäßige Prostitution verhindert werden kann.

"Wer war schon im Bordell?"

Die sachliche Diskussion nahm groteske Züge an, als Ratsherr Fritz Dechert seine männlichen Kollegen aufforderte, sich zu outen: "Wer von Ihnen war schon im Bordell?" Bei den folgenden Wortbeiträgen war schwer zu erkennen, wie ernst sie gemeint waren...

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