Strom für 3200 Haushalte

RAG will in Marl achtes Windrad bauen: Worauf der Kreis bei der Genehmigung achtet

  • Heinz-Peter Mohr
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Am Schacht Polsum will die RAG Montan Immobilien ein neues Windrad bauen und 3200 Haushalte mit Strom versorgen. Der Kreis prüft die Pläne.

Gerüchte über ein neues Windrad machen in Polsum längst die Runde. „Man lässt die Bürger im Dunkeln“, kritisiert Ratsherr Maurice Wegener (CDU) und verlangt Informationen auch für die Öffentlichkeit. Wie berichtet, will die RAG Montan Immobilien seit Jahren eine Anlage auf dem ehemaligen Schachtgelände Polsum 1 bauen – in Nähe der beiden bestehenden Windräder. Nun wird das Vorhaben konkret. Im Umweltausschuss präsentierte das Unternehmen seine Pläne. Aber die Politiker tagten wegen der Pandemie unter sich, in einer Videokonferenz.

Das sind die Fakten: Das neue Windrad in Polsum soll sich in einer Höhe von 200 Metern drehen und von einer Tochter der RAG Montan betrieben werden. 3200 Haushalte sollen mit einem Stromertrag von 11,1 Millionen Kilowattstunden versorgt werden. Der Standort an der Straße Im Dörnen ist als Industriefläche bereits erschlossen.

Grünes Vorzeigeprojekt in Marl

Eigentümer des ehemaligen Zechen-Geländes in Polsum ist der Unternehmer Dirk Gratzel (53). Er will die Fläche ökologisch nutzen und in Marl sein Projekt „Green Zero“ umsetzen - ein biologisch vielfältiges Naherholungsgebiet. Den Bau des Windrads habe er mit dem Kauf des Geländes akzeptiert, teilt sein Unternehmen mit.

Jährlich soll die Anlage 7400 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. In der Regel kosten Windräder dieser Art zwischen 5 und 6 Millionen Euro, sagt Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien. Zurzeit prüft die Kreisverwaltung die Voraussetzungen. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, beginnt das eigentliche Genehmigungs-Verfahren, erklärt Tim Deffte von der Pressestelle des Kreises.

Bisher sieben Windräder in Marl

Im konkreten Polsumer Fall muss der Abstand des Windrads zur Wohnbebauung das Zwei- bis Dreifache der Bauhöhe betragen, so die Kreisverwaltung. Das wären also 400 bis 600 Meter. Mehrere hundert Meter vom Schacht entfernt liegen einzelne Höfe und die Häuser der Straße Hilgenort. Die Kreisverwaltung achte als Genehmigungsbehörde zusätzlich darauf, dass die Polsumer nicht durch eine „bedrängende Optik“ oder Geräusche unzumutbar belastet werden, ergänzt der Sprecher.

Die Stadt Marl hat die Präsentation der RAG jetzt ins Netz gestellt. Zurzeit produzieren in Marl sieben Windräder Strom, davon zwei in Polsum. Nicht nur die RAG plant ein Windrad. Die Projektberatungsgesellschaft BBWind und Landwirt Hermann Leineweber wollen zwei neue Anlagen am Alten Hervester Weg in Frentrop bauen.

Rubriklistenbild: © Meike Holz

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