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Anzeige erst Jahre später

Schwierige Beweisfindung nach Missbrauchs-Vorwurf in Marl - wie das Gericht urteilte 

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Zwischen 2011 und 2012 soll ein Hertener seinen damals 16-jährigen Kollegen in einem Marler Betrieb sexuell genötigt haben. Ein schwieriger Fall für die Justiz.

Denn erst jetzt kam es zur Anklage. Der Marler, heute 24 Jahre alt, sagte vor dem Marler Schöffengericht, er habe lange gebraucht, das Geschehen zu verarbeiten. Erst Jahre später habe er sich seiner Schwester anvertraut und Anzeige erstattet.

So musste sich der Hertener (heute 45) wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und sexueller Übergriffe verantworten. Er ist bei einem Unternehmen in der Metallverarbeitung beschäftigt. Dort wurde der junge Marler ausgebildet. 

Durch den Overall in die Hose gegriffen

Anfangs half er seinem Hertener Kollegen, Stahlmaterial aus einem Container zu holen und in die Werkshalle zu bringen. Dabei soll der Arbeiter den Auszubildenden öfter von hinten am Arm gepackt und hochgehoben haben. Training habe er das genannt. Bald darauf, so der Kläger, endete das „Training“ damit, dass der Mitarbeiter sich an ihm gerieben habe. Einmal habe er ihm durch den Overall in die Hose gegriffen und an seinem Glied masturbiert: „Ich hatte Angst, wusste nicht, was ich tun sollte. Ich dachte, lass es über dich ergehen, umso schneller kommst du da raus.“ Als der Angeklagte beim nächsten Mal zudringlich geworden sei und ihn festhielt, habe er sich mit viel Kraft losgerissen. 

Lange, so der junge Mann, habe er sich geschämt und wertlos gefühlt. Aber seine Ausbildung schloss er ab, arbeitete drei weitere Jahre für den Betrieb. „Ich wollte nicht, dass meine Eltern enttäuscht sind. Irgendwann brauchte ich auch kein Material mehr zu holen...“ Doch irgendwann hätten die Gefühle überhand genommen, erzählte der Marler vor Gericht. Er habe sich eine andere Arbeit gesucht, gekündigt, sei zu Psychologen gegangen.  

Kollege in Marl war nichts aufgefallen 

Ganz anders stellte der Angeklagte im Amtsgericht Marl die Vorfälle dar: Er sei verheiratet, habe nie einen Menschen belästigt, nie mit der Polizei zu tun gehabt. Anfangs sei er gut mit dem Angeklagten ausgekommen, habe oft mit ihm im Container eine Zigarette geraucht. Dann habe ihm der junge Marler ein gesperrtes Handy verkauft, aber behauptet, alles sei damit in Ordnung. Daraufhin habe er den Kollegen beschimpft: „Da hat er gesagt, >ich werde dich in den Knast schicken<.“ 

Ein anderer Mitarbeiter, der mit beiden gut klar kam, half dem Gericht kaum weiter: Ihm sei nie etwas aufgefallen. 

Schwierige Entwicklungsphase

Staatsanwältin Petra Härtel-Breß konnte schwer nachvollziehen, weshalb der Kläger sich nicht weiteren Situationen im Container entzogen hatte. Und weshalb sich der Täter der Gefahr aussetzte, dort von anderen Kollegen ertappt zu werden. Wie der Verteidiger des Angeklagten, Thomas Böhmer aus Recklinghausen, plädierte sie für Freispruch. 

Julia Donnepp, die Anwältin des jungen Marlers, betonte, dass ihr Mandant zur Tatzeit 16 Jahre alt und in einer schwierigen Entwicklungsphase gewesen sei. Sie schenke ihm Glauben, stelle das Urteil aber ins Ermessen des Gerichts. 

Zweifel führen zu Freispruch

Das sprach den Hertener frei. Es fand seine Schilderung glaubhaft, die des Nebenklägers aber ebenso schlüssig. „Den letzten Zweifel können wir nicht ausräumen“, sagte Strafrichterin Sabrina Martin Lopez. Deshalb entschied das Gericht im Zweifel für den Angeklagten.

Über einen Prozess um angeblichen sexuellen Missbrauch in einer Shisha-Bar berichteten wir im vergangenen Jahr.

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