Der Standortleiter des Chemieparks Marl, Dr. Jörg Harren.
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Der Standortleiter des Chemieparks Marl, Dr. Jörg Harren.

Interview

Wie sicher ist die Zukunft des Chemieparks Marl? Der Standortleiter gibt Auskunft

  • Martina Möller
    vonMartina Möller
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In diesem Jahr starteten Großprojekte, die die Zukunft des Standorts sichern sollen. Dr. Jörg Harren erläutert, wie es 2020 weitergeht.

In der vergangenen Woche wurde ein Gerüst am Kraftwerk II im Chemiepark gesprengt. Standortbetreiber Evonik hat einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Energiewende getan. Die Kohlekraftwerke haben ausgedient. An ihrer Stelle werden Gas- und Dampfkraftwerke Energie für die Unternehmen am Standort liefern.

Welche Folgen ergeben sich darüber hinaus aus der Umstellung?

Mit dem Abriss der Steinkohlekraftwerke hat der Chemiepark Marl auch eine Möglichkeit verloren, Rückstände aus chemischen Produktionen zu verbrennen, erklärt Standortleiter Dr. Jörg Harren im Gespräch mit unserer Zeitung. Ab 2020 übernimmt das Unternehmen Veolia diese Aufgabe. Dazu werden bestehende Verbrennungsanlagen im Osten des Industriegeländes nahe des Güterbahnhofs erweitert. Die Arbeiten sollen im Januar beginnen.

Welche Stoffe werden dort verbrannt?

Es geht um hochkalorische Stoffe in wässrigen Lösungen aus dem Chemiepark, die nicht in Kläranlagen ausgefiltert werden können. Beim Spezialunternehmen Veolia kommen aber nicht nur diese Spezialabfälle aus den Chemieparkunternehmen in die Verbrennung, sondern auch Sonderabfälle, sogenannte niederkalorische Substanzen aus Unternehmen in der näheren Umgebung. „Einen Sondermüll-Tourismus wird es aber nicht geben“, betont Standortleiter Dr. Jörg Harren. Er geht von zehn bis 20 Lkw-Lieferungen pro Tag aus. Derzeit wird der Chemiepark täglich etwa von 800 Lkw angesteuert. Die Anlage wird online von der Bezirksregierung in Münster überwacht.

Mit der Sprengung am Kraftwerk II macht der Chemiepark einen weiteren Schritt auf dem Weg aus der Kohleverstromung.

Mit der Sprengung am Kraftwerk II macht der Chemiepark einen weiteren Schritt auf dem Weg aus der Kohleverstromung.

Warum werden die chemischen Reststoffe im Chemiepark entsorgt? 

Aus Sicht des Chemiepark-Chefs birgt es einen entscheidenden Vorteil, die chemischen Reststoffe im Chemiepark zu entsorgen. „Wir haben einen professionellen Partner an unserer Seite und die Stoffe bleiben dort, wo Experten sind, die damit umgehen können.“

Stichwort Abfall – Wie ist der aktuelle Stand beim Recycling-Unternehmen Alba im Chemiepark? 

Im Januar wird die Anlage voraussichtlich wieder ans Netz gehen. Die Alba-Gruppe hat für Millionen Euro nachgebessert. Dr. Jörg Harren: „Es wird kein Wiederanfahren geben, wenn nicht alle Anlagen genehmigt und alle Auflagen erfüllt sind.“ 

Wie ist der aktuelle Stand bei den Großprojekten im Chemiepark Marl?

Die 400 Millionen Euro teure Erweiterung der Anlage für den Hochleistungskunststoff Polyamid 12 hat begonnen. „Der Zeitplan wird gehalten“, so Dr. Jörg Harren. Für die Cumol-Anlage des Unternehmens Ineos Phenol wird derzeit noch das Baufeld vorbereitet. Die Projekte haben riesige Dimensionen. So waren zum Beispiel am 4. Oktober 350 Betonmischer im Einsatz, um Bodenplatten für die Polyamid-12-Erweiterung zu gießen. Täglich sind derzeit 300 Fremdarbeiter im Chemiepark unterwegs, im kommenden Sommer werden es mehr als 1000 sein. „Es war eine kluge Entscheidung, die Koordination der Projekte an einen externen Experten zu vergeben“, sagt Dr. Jörg Harren heute.

Zum Spatenstich für die 400-Millionen-Euro teure Polyamid-12-Anlage der Evonik im September wurden mehr als 200 magentafarbene Spaten bereitgestellt. 

Zum Spatenstich für die 400-Millionen-Euro teure Polyamid-12-Anlage der Evonik im September wurden mehr als 200 magentafarbene Spaten bereitgestellt.

Gibt es weitere neue Projekte?

2020 wird eine neue Pipeline zu den Raffinerien in Gelsenkirchen-Scholven gebaut. Von dort bezieht der Chemiepark viele Rohstoffe. Außerdem wird mit dem Bau einer weiteren Pipeline noch ein Projekt für die Energiewende im Chemiepark realisiert. Geplant ist eine „grüne“ Wasserstoff-Fernleitung in den Norden, um von dort Energie aus den Windparks nach Marl zu holen. 

Was bedeuten all diese Bauprojekte für den Alltag im Chemiepark? 

Was bedeuten all diese Bauprojekte für den Alltag im Chemiepark?
Zurzeit vor allem, dass der Werksschutz und die externen Baulogistiker zusätzlich viel zu tun haben. Nur angemeldete Fremdarbeiter haben Zugang zum Chemiepark. Sie müssen unter anderem eine Arbeitsgenehmigung vorweisen. Lkw, die Material anliefern, werden über ein elektronisches System geleitet. Sie bekommen für die Anlieferung ein Zeitfenster und eine Route auf dem Werksgelände zugewiesen.
„Die Routen für die Zulieferer können sich wegen der Baustellen täglich ändern“, erklärt Jörg Harren. Als problemlos erweist sich bislang die Unterbringung der zusätzlichen Arbeitskräfte. Sie kommen über das Ruhrgebiet verteilt unter und bleiben nicht alle in Marl, so der Chemieparkleiter.
Unsere Video-Kollegen von cityInfo.TV haben uns bei dem Interview begleitet und das gesamte Interview festgehalten:

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