Nach Schulschluss ist das Gedränge groß am Busbahnhof in Recklinghausen.
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Nach Schulschluss ist das Gedränge groß. Abstand wird hier kaum eingehalten. Das Bild entstand am Busbahnhof in Recklinghausen.

Förderangebot wird nicht genutzt

Marl sieht trotz voller Schulbusse keine Notwendigkeit für Zusatzfahrten

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Hat Marl keinen Bedarf an zusätzlichen Schulbussen? Ein Förderangebot des Landes wird jedenfalls nicht abgerufen. Viele unserer Leser sind allerdings in Sorge wegen überfüllter Linien.

„30 bis 40 fremde Menschen stehen zusammengepresst Arm an Arm in einem Bus, mit geschlossenen Fenstern und beschlagenen Scheiben. Keiner hat seine Adresse oder Unterschrift hinterlassen. Hört sich sicherer an, als im Restaurant zu sitzen.“ So sarkastisch kommentiert eine Leserin unserer Facebook-Seite unseren Bericht über volle Busse zu Stoßzeiten.

Warum fahren in Marl nicht mehr Schulbusse, fragt auch Unternehmer Johannes-Gerd Overhoff junior aus Lenkerbeck. Täglich sind ein Linienbus und sieben Kleinbusse von GBB – dem Betrieb seiner Mutter Roswitha Overhoff – unterwegs und bringen Schüler aus Marl, Haltern, Herten und Dorsten zum Unterricht.

Stadt Marl nimmt Angebot nicht an

Das Land NRW hat angeboten, bei Bedarf zusätzliche Schulbusfahrten mit 13,5 Millionen Euro zu finanzieren. Wie unsere Redaktion am Dienstag kommentiert auch Johannes-Gerd Overhoff kritisch, dass die Stadt Marl dieses Angebot nicht annimmt. „Düsseldorf und Ratingen haben sich dadurch gut verstärkt“, sagt der Busunternehmer. Overhoff sagte, er habe das Schulverwaltungsamt Marl bereits im August angeschrieben und gebeten, diese Möglichkeit abzurufen: „Ich verstehe nicht, warum das nicht gemacht wird. Es ist doch äußerst bedenklich, wie voll die Busse sind..“

Auf unsere Nachfrage, warum die Stadt Marl das Angebot des Landes nicht nutze, sagte Stadtsprecher Daniel Rustemeyer, das Schulverwaltungsamt habe nur punktuell an der Katholischen Hauptschule Bedarf gesehen – und die Vestische darauf aufmerksam gemacht.

Leser aus Marl schreiben viele Kommentare

Aus Sicht vieler Leser sind in Corona-Zeiten zu wenige Busse unterwegs. 38 Kommentare erreichten uns zu unserem letzten Bericht. MZ-Leserin Monika V. (58) beunruhigt eine Nachricht ihrer Corona-Warn-App, sie habe vier Risiko-Begegnungen gehabt. Am Tag zuvor wartete sie an der Bushaltestelle. Dass Bus und Bahn keine Gefahrenherde seien, wie es die Vestische darstellt, bezweifelt sie: „Welche Studien belegen das?“

Im epidemiologischen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom September spielen Busse nur eine geringe Rolle bei Ausbrüchen und Infektionen. Das Institut ordnete ihnen 13 Ausbrüche und 66 Infektionen zu. Andererseits ist die Identität eines Kontaktes im Bus kaum festzustellen.

Auch in Marl keine Desinfektionsmittelspender in Bussen

Warum gibt es keine Möglichkeit, sich die Hände im Bus zu desinfizieren, fragt Monika V.? Jan Große-Geldermann betont, dass alle Busse täglich gründlich mit einer Seifenlösung gereinigt werden, die das Virus zerstört. Schmierinfektionen würden bei Ansteckungen „eine – wenn überhaupt – nur sehr geringe Rolle“ spielen. Der Aufwand für den Einbau von Desinfektionsmittelspendern wäre bei 242 eigenen Bussen und 130 Fahrzeugen anderer Unternehmen enorm. „Wir sorgen über Klimaanlagen und die Öffnung von Türen für einen ordentlichen Luftaustausch.“ Hilfreich fände der Vestische-Sprecher einen Schulbeginn zu unterschiedlichen Zeiten. So würden sich frühmorgens weniger Fahrgäste drängen.

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