Nach der Verkündung des Sterbehilfe-Urteils im Februar gab Helmut Feldmann in seinem Wohnzimmer viele Interviews
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Nach der Verkündung des Sterbehilfe-Urteils im Februar gab Helmut Feldmann in seinem Wohnzimmer viele Interviews

Wofür Helmut Feldmann kämpft

Sterbehilfe soll klar geregelt werden - Marler gewinnt Karl Lauterbach als Mitstreiter

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Jahrelang kämpfte der Marler Helmut Feldmann (74) für das Recht auf Sterbehilfe. Nach dem wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts im letzten Jahr schien dieses Ziel erreicht. Doch seither hat sich nicht viel geändert. Dafür, dass dieses Recht jetzt Wirklichkeit wird, will ein Mitstreiter sorgen: der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

Die Medien berichteten bundesweit über Helmut Feldmann, nachdem er 2020 vor dem Bundesverfassungsgericht Recht bekommen hatte: Unter strengen Voraussetzungen haben die Richter die geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid erlaubt. Der Marler, der an der Lungenkrankheit COPD leidet, hat lange dafür gekämpft: Er will nicht qualvoll ersticken, sondern einen würdevollen Tod sterben.

Doch seit dem Urteil riefen mehr als 100 Menschen, überwiegend Senioren, bei Helmut Feldmann in Marl an. Sie berichteten, dass ihr Arzt Angst habe, schmerzstillende Medikamente zu verschreiben. Die Anrufer seien hilflos gewesen, einige hätten geweint, erzählt der Marler.

Weiter bleibt es Ärzten verboten, „Patientinnen oder Patienten auf deren Verlangen zu töten. Sie sollen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“ So steht es in den Statuten der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Deshalb sieht Helmut Feldmann sich gezwungen, für klare Richtlinien zu kämpfen: Unter welchen Bedingungen dürfen Ärzte schmerzstillende Medikamente verschreiben, ohne sich strafbar zu machen?

Ermutigenden Brief nach Marl geschickt

Das wollen einige Bundestagsabgeordnete nun klar regeln. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat dem Marler einen ermutigenden Brief geschrieben und ihm für sein außergewöhnliches Engagement gedankt. Wörtlich schreibt Lauterbach: „Es gibt eine größer werdende Bereitschaft, das am Lebensende nicht vermeidbare Leid in die Hände der Betroffenen selbst zu geben und dabei Hilfe von Ärzten nicht zu verwehren.“

Lauterbach fand bei Abgeordneten der FDP und den Linken Verbündete. Ihr interfraktioneller Gesetzentwurf sieht ein „Recht auf Hilfe zur Selbsttötung“ und ein „Recht zur Hilfeleistung“, aber ausdrücklich keine Verpflichtung dazu vor. Für den Willen zum Suizid werden Bedingungen formuliert: Er muss „ohne unzulässige Einflussnahmen oder Druck“ gebildet worden und „von einer gewissen Dauerhaftigkeit und inneren Festigkeit getragen“ sein. Staatlich organisierte Beratungsstellen sollen eingebunden werden, damit Suizidhilfe nicht für psychisch Kranke infrage kommt. Auch Minderjährige sollen ausgeschlossen sein. Die Gruppe will nun um Unterstützung bei Abgeordneten werben und strebt eine Entscheidung noch in dieser Legislaturperiode an.

Auch die Grünen-Abgeordnete Renate Künast verfasste mit einer Kollegin einen Gesetzentwurf „zum Schutz des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben“: Menschen mit schweren Erkrankungen sollen unter klaren Kriterien Zugang zu bestimmten Betäubungsmitteln bekommen. Der Grünen-Entwurf sieht ebenfalls eine Beratungspflicht vor.

Marler wird vom ZDF interviewt

Helmut Feldmann hofft nun auf eine Mehrheit für ein Gesetz. Auch ihm sind Anhörungen mit ärztlicher und psychologischer Begleitung wichtig. Menschen mit Demenz und Depressionen sollten von der Suizidhilfe ausgeschlossen sein: „Es geht mir um schwer und unheilbar Kranke, die Schmerzen leiden und denen nicht mehr geholfen werden kann.“

Auch das ZDF-Magazin „Volle Kanne“ berichtet über Helmut Feldmann. Die Sendung ist am Freitag um 9.05 Uhr zu sehen – und danach in der ZDF-Mediathek.

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