Im Schneechaos waren die Marler Straßen am Montagmorgen versunken.
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Tiefdruckgebiet Tristan sorgt auf den Straßen in Marl für Chaos: Viele Strecken sind nur schwer befahrbar.

Es bleibt kalt

Winter in Marl: Streusalz ist das neue Toilettenpapier - Müllabfuhr fällt diese Woche aus

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  • Heinz-Peter Mohr
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Tiefdruckgebiet Tristan sorgte für reichlich Schneefall, Temperaturen unter Null und eisigen Wind. Straßen sind noch voller Schnee, die Müllabfuhr fällt diese Woche aus.

Update, 9. Februar, 18.13 Uhr: Immer noch liegen weite Teile Marls unter einem weißen Teppich. Das wird wohl auch noch einige Tage so bleiben, denn wärmere Temperaturen sind nicht in Sicht. In sozialen Medien, aber auch direkt beim Zentralen Betriebshof (ZBH) beschwerten sich Bürger darüber, dass ihre Straßen nicht freigeräumt wurden. „Wir sind mit 150 Leuten im Dauereinsatz, können aber leider nicht überall sein“, erklärt Michael Lauche auf Nachfrage. Der ZBH-Leiter bittet um Verständnis dafür, dass seine Teams eine Prioritätenliste abarbeiten müssen.

Marl: Betriebshof arbeitet Prioritäten ab

Ganz oben stehen darauf wichtige Kreuzungen und Verkehrsachsen. Danach folgen sogenannte Wohnsiedlungs-Sammelstraßen wie beispielsweise die Breddenkampstraße, erklärt Michael Lauche. „Außerdem kümmern wir uns um Feuerwehrwachen, Bushaltestellen oder Versorger wie Supermärkte.“ Erst dann sind die Nebenstraßen an der Reihe.

Marl: Private Firmen unterstützen den Betriebshof

Dafür sind derzeit nicht nur alle verfügbaren ZBH-Mitarbeiter im Dienst, sondern zusätzlich vier private Firmen. Die übernehmen teilweise die Nachtschicht Ein Problem sei weiter die etwa zwei Zentimeter dicke Eisschicht unter dem Schnee. „Diese Situation ist eine Mammutaufgabe für die Bürger und unseren Betrieb, die wir gemeinsam bewältigen müssen“, sagt Michael Lauche. Damit spielt er auch auf die Müllabfuhr an.

Marl: Müllabfuhr fällt aus

Weil am Dienstagmorgen gleich zwei Müllfahrzeuge auf ihren Touren im Schnee stecken blieben und weitere Versuche wenig Erfolg versprechen, entfällt die Abfuhr in dieser Woche sicherheitsbedingt gleich ganz. Wer dringend Restmüll entsorgen muss, kann ihn entweder kostenpflichtig zum Wertstoffhof an der Zechenstraße 20 bringen, oder in einen blauen Müllsack auslagern, und ihn bei der nächsten Leerung neben die Tonne stellen – ohne Mehrkosten.

Update, 8. Februar, 17.42 Uhr: Entwarnung geben die Betreiber in vier von uns befragten Supermärkten. Sowohl die Edeka-Filialen am Bachacker- und Dümmerweg sowie die Rewe-Läden an der Liegnitzer- und der Kolpingstraße bleiben trotz Schnee geöffnet. Neue Ware kam bei Edeka am Montag wie gewohnt an, bei Rewe wird mit einem Tag Verspätung gerechnet. Die Lebensmittelversorgung sei aber gesichert, teilen sowohl Silke Koppers (Rewe Te-Ko) als auch Hans-Günter Zutz (Edeka) mit. In allen vier Geschäften nahezu ausverkauft war aber bereits am Samstag das Streusalz. Nachschub sei aber unterwegs, sagt Marcel Zutz, Leiter des Edeka-Markts in der Waldsiedlung.

Krankenfahrten haben Vorrang

Update, 8. Februar, 17.35 Uhr: „Wir fahren, so lange es geht und niemand gefährdet wird“, teilt Funker Hans-Peter Schäfer vom Taxiunternehmen Lewandowski mit: „Aktuell ist mehr los als an Silvester“. Krankenfahrten hätten Vorrang, Termine könnten derzeit aber nur schwer bis gar nicht eingehalten werden. Problematisch seien auch nicht geräumte Stichstraßen, so Hans-Peter Schäfer. Den Betrieb aufrecht halten auch die die Taxifirmen Jakubiak, Wolf sowie die Funk-Taxi-Zentrale (FTZ). Fahrten innerorts seien kein Problem, Kunden müssen aber mit Wartezeiten rechnen.

Unterflur-Hydranten verschwinden unter weißen Bergen

Update, 8. Februar, 17.31 Uhr: Mit Widrigkeiten hat aktuell auch die Feuerwehr zu kämpfen. Dabei hat Rainald Pöter, Leiter der Marler Feuerwehr beim Schneeräumgeschehen einen Aspekt im Blick, auf den man als Otto Normalbürger erst einmal kommen muss. Überall in Marl verschwinden die sogenannten Unterflur-Hydranten unter weißen Bergen. Dabei sind sie für die Feuerwehr von existenzieller Bedeutung. „Ich kann nur daran appellieren, die Hydranten nicht zuzuschaufeln“, sagt Pöter. „Es gibt ja manchen, der weiß, dass vor seinem Haus ein Hydrant ist. Auch wenn mir klar ist, dass man mit dem Schnee irgendwo hinmuss, kann ich nur dringend darum bitten, dass wir im Einsatz nicht erst einen Meter Schnee beiseite räumen müssen.“ Auch ohne Schnee sind die runden Metallabdeckscheiben von Hydranten z.B. im Gewheg unscheinbar – an Laternen z.B. liefern rot-weiße Hinweisschilder mit einem „H“ und Entfernungsangaben Hinweise auf Hydranten im Boden. Bei einem kokelnden Essen in der Küche oder einem Mülltonnenbrand kommen die Einsatzkräfte mit den ca. 2000 Litern Wasser klar , die sie im ersten Angriff mitführen, bei einem Dachstuhlbrand muss aber so schnell wie möglich

Winterdienst des Zentralen Betriebshofes im Dauereinsatz

Update, 8. Februar, 17.27 Uhr: Seit Samstagabend hat der Winterdienst des Zentralen Betriebshofes (ZBH) keine ruhige Minute mehr erlebt etwa 150 Mitarbeiter und Leute von Lohnunternehmen sind mit mehreren Dutzend Fahrzeugen im Einsatz, um Straßen und Plätze von Schnee und Eis zu räumen. „Alles was irgendwie mit einem Räumschild ausgerüstet werden kann, ist unterwegs. Und trotzdem sehen wir angesichts dieser Schneemassen kein Land“, erklärt ZBH-Leiter Michael Lauche. „Uns bleibt nur, zu schieben, zu schieben und zu schieben. Wir haben die Situation, dass sich auf den Straßen eine Eisschicht gebildet hat. Darauf fällt Schnee und immer wieder Schnee. Mit Sole – einem Salz-Wasser-Gemisch – richten wir nichts aus. Selbst man Unmengen Salz streut, räumt man das bei nächsten Schieben wieder einfach ab.“ Was sich schon am Sonntag abgezeichnet hat, ist am Montagmorgen Gewissheit geworden – die Müllabfuhr musste eine Zwangspause einlegen. „Alles andere wäre unverantwortlich“, so Lauche. „Wenn ein viele Tonnen schwerer Müllwagen erst einmal ins Rutschen kommt, gibt es kein Halten mehr.

Schneeschieber restlos ausverkauft

Schnee und Eis haben die Stadt im Griff

Auf Höhe des Finanzamtes Marl entfernt die Firma Vortmann Schnee von der Fahrbahn.
Auch am Dienstagabend muss immer noch reichlich Winterdienst geleistet werden. Hier ein Bild von der Hervester Straße in Marl: Auf Höhe des Finanzamtes entfernt die Firma Vortmann Schnee von der Fahrbahn.  © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl
Wintereinbruch in Marl
Wintereinbruch in Marl. © Ralf Deinl

Update, 8. Februar, 16.59 Uhr: Darüber dürften sich Händler freuen, die Kunden weniger: In den Marler Baumärkten werden die Regale mit Winterwaren deutlich leerer. Die Nachfrage nach nützlichen Helfern habe seit Sonntag spürbar zugenommen, berichtet Tanja Helling-Geidies, Marktleiterin des Toom-Baumarktes an der Zechenstraße. „Am Sonntag saßen viele vor den Rechnern und haben die Waren online bestellt.“ Die Nachfrage nach Schneeschiebern und Streusalz sei ebenso hoch wie die nach Schlitten, führt sie fort. Die Nachfrage nach einem Produkt überrascht die Marktleiterin ein wenig: „Schneeketten sind gerade der Renner.“ Lange werde es nicht mehr dauern, bis die begehrten Waren vergriffen sind, führte Tanja Helling-Geidies am Montagvormittag fort. Interessierten Kunden musste Nobert Zöllner, Leiter des Raiffeisen-Marktes an der Hochstraße, schon in den Mittagsstunden eine Absage erteilen. „Ein paar 100 Schneeschieber“ hatten die Marler am Morgen noch auf Lager. Wenig später war alles vergriffen. „Wer früh aufgestanden ist, hatte noch Glück“, so Zöllner. Auch die letzten Schlitten waren schnell ausverkauft.Prinzipiell seien Nachbestellungen möglich, beteuern die Marktleiter. Dennoch müssen sie ihre Kunden vertrösten, weil LKW aktuell nicht fahren dürfen.

Homeoffice bei Pflegediensten unmöglich

Bleiben Sie zu Hause. Diesem Appell können viele Arbeitnehmer folgen. Homeoffice ist in ambulanten Pflegediensten jedoch nicht möglich. Die Mitarbeiter stehen wegen Schneeverwehungen und glatter Straßen vor großen Herausforderungen. Nicole Schley von der Marler Pflegezentrale in Hüls hat etwa am frühen Montagmorgen damit leidvolle Erfahrungen gemacht. „Ich steckte mit dem Auto fest“, stöhnt sie.Ihre Patienten wurden über die Verspätung informiert. „Alle haben Verständnis“, sagt Nicole Schley. In einigen Fällen boten die zu Pflegenden an, das Treffen einmal ausfallen zu lassen. Das ist aber nicht immer möglich und erfordert nun viel Improvisationstalent. „Wir versuchen die Touren so zu legen, dass wir nicht hin- und herfahren müssen“, erklärt sie. Schwierig gestaltet sich auch beim D&G-Pflegeteam mit Sitz an der Westfalenstraße der Wochenstart. Einige Male blieben die Pflegekräfte auf verschneiten Nebenstraßen oder Parkplätzen stecken. „Eine Katastrophe.“ Das sorgte zwar für Verzögerungen, worauf die Patienten aber besonnen reagierten. Auch bei der Diakoniestation Marl ist die Patientenversorgung gesichert, wie die Pflegedienstleitung betont. Die schwierigen Straßenverhältnisse stellten auch das Team von der Brassertstraße vor Probleme. Doch egal wie, alle Termine werden eingehalten. „Zur Not auch zu Fuß.“

Update, 8. Februar, 11.40 Uhr: Von Samstagabend bis Montagvormittag gingen bei der Polizei-Leitstelle im Kreis Recklinghausen 30 witterungsbedingte Einsätze ein. Sechs davon fanden in Marl statt. Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt, krachte es am Sonntag um 14 Uhr an der Lipphöfestraße, um 16.30 Uhr an der Ecke Carl-Duisberg- und Knappenstraße, um 19 Uhr auf dem Lipper Weg und um 22.45 Uhr an der Kreuzung Herzlia Allee/Hertener Straße. Dazu kamen zwei Meldungen, bei denen Autofahrer Hilfe anforderten, weil sie auf der Straße nicht weiterfahren konnten.

Personen wurden bei den Unfällen nicht verletzt, es blieb jeweils bei Sachschäden. Angesichts der Situation auf den Straßen empfiehlt die Polizei, das Auto möglichst stehen zu lassen. Wer trotzdem unterwegs sein muss, sollte besonders vorsichtig fahren.

Unsere bisherige Berichterstattung: Am Sonntagmorgen haben viele Kinder in Marl wahrscheinlich Bauklötze gestaunt, als sie aus dem Fenster geschaut haben – und dann gejubelt. Kaum hatten sie die Schneemassen auf Straßen und in den Gärten gesehen, waren sie nicht mehr zu halten. Papis und Mamis holten die Schlitten raus und ab ging’s. Andere versuchten Schneemänner zu bauen – was bei der Schnee-Konsistenz allerdings nicht ganz so einfach war.

Für alle, die morgens aber mit dem Auto unterwegs sein mussten, begann der Tag mit harter Arbeit. Fahrzeuge mussten von einer zehn bis zwanzig Zentimeter dicken Schicht der weißen Pracht befreit werden. Mit dem Schneeschieber waren auch viele Hausbesitzer und Wohnungsinhaber schon frühmorgens zu sehen. Dick vermummt machten sie Gehwege und Zugänge frei.

Der Winterdienst des Zentralen Betriebshofes war seit Samstagabend im Dauereinsatz, wie ZBH-Leiter Michael Lauche gestern Morgen mitteilte. Doch letztlich war es ein Kampf gegen Windmühlen, wie er selbst zugeben musste. „Wir sind mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, haben sogar Leute aus dem Frei geholt und auch noch einen Lohnunternehmer beauftragt.“ Doch viele Straßen waren auch am Nachmittag noch nicht geräumt – oder wieder zugeschneit. Für Montag kündigte Lauche an, dass es aufgrund der Wetterverhältnisse auch zu Problemen bei der Müllabfuhr kommen könnte.

Die Vestische stellte den Betrieb am Sonntag gleich ganz ein. Alle Busse blieben im Depot, weil auf vielen Straßen eine dicke Eisschicht unter dem Schnee lag. Wenn es die Wetterlage zulässt, fahren die Busse ab Betriebsbeginn am heutigen Montagmorgen wieder, teilte Vestische-Sprecher Christoph von Bürk mit.

Das Gymnasium im Loekamp entschied sich Sonntagnachmittag in Abstimmung mit dem Albert-Schweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasium, das Schulgebäude am Montag geschlossen zu halten. Auch die Notbetreuung der Kinder soll erst am Dienstag wieder aufgenommen werden.

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