Tausende Lkw schaffen Erde heran

Warum Evonik Flächen auf dem Industriepark-Gelände gate.ruhr in Marl kauft

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Der große Nachbar Evonik kauft Land auf Auguste Victoria 3/7. Dadurch hat das Großprojekt gate.ruhr, das Marl dort 1000 Arbeitsplätze bringen soll, jetzt einen starken Partner.

Evonik kauft eine gut zwei Hektar große Fläche in Marl für die Errichtung neuer Gleisanlagen. Der Chemiepark braucht mehr Platz für seine Züge. Nach Angaben von gate.ruhr-Geschäftsführer Volker Duddek baut Evonik am Westrand des AV-Geländes eine Rangieranlage mit sechs parallelen Gleisen auf einer Länge von etwa 700 Metern. „Das ist ein Glücksfall für uns“, sagt Duddek. Die Errichtung und Instandhaltung von Gleisen sei „extrem teuer“. Jetzt kann gate.ruhr künftigen Investoren einen perfekten Anschluss anbieten.

Der Chemiepark braucht dringend neue Rangier- und Aufstellflächen. „Schon aus Umweltgründen verschiebt sich der Lkw-Verkehr auf die Bahn“, betont Standortleiter Dr. Jörg Harren und ergänzt: „Die Tendenz im Bahnverkehr geht zu sogenannten Ganzzügen. Diese sind etwa 700 Meter lang. Nach Erweiterung des Chemiepark-Bahnhofs hätten wir dann dafür auch genügend Kapazität.“

Abgerissen wurde auf AV 3/7 in Marl die alte Kohlenwäsche, von der schon nichts mehr zu sehen ist. RAG Sprecher Stephan Conrad führte uns über das Gelände.

Förderturm Schacht 7 und Kohleverladung in Marl vor dem Abriss

Abgeräumt wurde inzwischen die alte Kohlenwäsche, von der schon nichts mehr zu sehen ist. Und der Abriss geht weiter. Als Nächstes ist der Förderturm von Schacht 7 an der Reihe, auch die alte Kohleverladung muss weichen. Weitere Bandbrücken werden niedergerissen. Methangasaustritt wird den Abriss des Förderturms aus Sicherheitsgründen verzögern. Geplant ist hier, aus der Not eine Tugend zu machen und damit ein mobiles 2-KW-Gaskraftwerk zu speisen. Im Fokus steht jetzt die etwa 15 Hektar große Fläche des ehemaligen BASF-Kraftwerks, die schon aus dem Bergrecht entlassen ist. Hier soll im Juli die Bodenaufbereitung beginnen mit dem Ziel, das Terrain ab Ende 2022 für Investoren nutzbar machen zu können.

Bevor es aber so weit ist, werden die Anwohner der Carl-Duisberg-Straße zwischen Autobahn-Anschluss A 52 und AV 3/7 eine bittere Pille schlucken müssen. Für die Aufbereitung, Einebnung, Verdichtung und Anhebung der Fläche um 2,5 Meter werden 300.000 Kubikmeter Erde benötigt – und die sollen per Lkw herangeschafft werden. Das wären insgesamt 12.000 große Muldenkipper, die an den Wohnhäusern vorbeidonnern würden. „Wir arbeiten zurzeit an Alternativen, etwa über den Kanal“, sagt Volker Duddek und hofft, mit einem cleveren Zeit-Management die Belästigung in Grenzen halten zu können.

Investitionsvolumen in Marl liegt bei 60 Millionen Euro

Voran geht es auch bei der riesigen Kohlensortierhalle. Sie bekommt eine Betonbodenplatte, wird an der offenen Flanke geschlossen und tausende asbestbelastete Eternitplatten auf der Nordseite werden ersetzt. „Das dauert locker noch ein Jahr“, sagt Duddek. Genutzt werden könnte das Bauwerk möglicherweise als Biomasse-Lager für einen Biomasse-Kraftwerksbetreiber, meint Stephan Conrad, Sprecher der RAG Montan Immobilien.

Conrad schätzt, dass im Zuge von Abriss, Sanierung und Neubau auf dem gate.ruhr-Gelände insgesamt etwa 60 Millionen Euro investiert werden. 1000 neue Arbeitsplätze sollen so entstehen. Doch das wird Zeit brauchen. Conrad: „Von der Zechenstilllegung bis zur Geschäftseröffnung des letzten Investors dürften etwa 15 Jahre vergehen.“

Rubriklistenbild: © Thomas Brysch

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