Unendliche Geschichte

Warum landet Müll immer wieder neben der Tonne?

  • Patrick Köllner
    vonPatrick Köllner
    schließen

Wilde Müllkippen bleiben ein Dauerthema. An der Rappaportstraße in Drewer scheint das Problem besonders groß zu sein.

Sandra Rossius hat die Nase voll. Seit Anfang des Jahres beobachtet die Mieterin eines Wohnhauses an der Rappaportstraße in Marl-Drewer verstärkt Hausmüll an Stellen, an denen der nicht hingehört. Rund um die Gebäude mit den Hausnummern 39 bis 45 entdeckt die Marlerin immer wieder aufgerissene Plastiksäcke und Tüten. „Der Müll daraus verteilt sich dann in den Anlagen um die Häuser herum und sogar bis auf die Straße“, berichtet Sandra Rossius.

Sie findet, dass das kein Zustand sein kann und befürchtet sogar einen Image-Schaden für die Stadt. „Die Rappaportstraße ist doch eine der großen Hauptverkehrsadern in Marl. Was sollen denn Leute denken, die hier vorbeifahren und den herumfliegenden Müll sehen?“ Weil auch Lebensmittelreste auf der Straße liegen, seien sogar schon Ratten gesichtet worden, sagt Sandra Rossius.

Problemzone Rappaportstraße?

Die betroffenen Häuser entlang der Straße werden von der in Berlin ansässigen Immobilienfirma WVB Centuria verwaltet. Und die ist unter den Mietern keine Unbekannte, was Probleme dieser Art betrifft. Rückblick: Bereits im Januar meldeten sich Anwohner der Rappaportstraße bei unserer Redaktion. Sie schilderten sehr ähnliche Probleme rund um die Hausnummern 31 und 33. Auch damals türmten sich Müllsäcke mit Speiseresten neben überfüllten Tonnen, aus denen sich Ratten bedienten.

Wer Altglas abholt, nimmt vielleicht auch eine vergammelte Matratze mit, dachten sie wohl die Schöpfer dieses Arrangements am Uranusweg.

Auch diese Häuser werden von der WVB Centuria verwaltet. Nachdem sich unsere Zeitung mit der Firma in Verbindung setzte, änderte sich offenbar einiges zum Guten. Auf Nachfrage teilt eine Nachbarin mit, dass es in dem einst regelmäßig vermüllten Bereich jetzt wesentlich sauberer aussehe.

Den Grund dafür erläutert Centuria-Geschäftsführer Thomas Buntrock: „Wir haben den Leerungsturnus von zweiwöchentlich auf einmal pro Woche geändert. Außerdem sieht ein Hauswart jede Woche vor Ort nach dem Rechten. Liegt Müll herum, beseitigt er ihn gleich.“

Das Problem sei der WVB Centuria durchaus bewusst und auch ein Dorn im Auge. Thomas Buntrock spricht von einer „gemischten Mieterklientel“, bei der es manchmal schwer sei, ein Bewusstsein für korrekte Mülltrennung zu wecken. Gespräche mit Mietern seien diesbezüglich aber geführt worden. Außerdem gebe es mehrsprachige Mitteilungen mit Hinweisen auf die Probleme. Auch Sonderabfuhren durch den Entsorger Remondis seien schon organisiert worden. „Das erfolgt aber meist nicht sofort nach Entdeckung des Mülls, sondern erst ein oder zwei Tage später“, sagt Buntrock.

Seit Jahren können sich Passanten am Marsweg über den Anblick von Sperrmüll freuen. In dieser Woche mit dabei: große scharfe Glasscherben.

Problematisch wird das allerdings, wenn Mieter ihren Müll über Wochen und Monate rücksichtslos auf die Straßen werfen. Ein fest angestellter Hausmeister vor Ort sei jedenfalls keine Option. „Das war früher ein tolles, heute aber auslaufendes Modell“, so Thomas Buntrock. Außerdem sei eine solche Personalie auch eine Kostenfrage. Mieter sollten sich bei Problemen direkt an die WVB Centuria wenden.

Sandra Rossius kann also nur hoffen, dass sich ihr Hausverwalter den Problemen in ihrer Nachbarschaft bald ebenfalls so stellt, wie bei den Häusern zu Beginn des Jahres. Denn: Für die Abfuhr des Mülls auf Privatgelände ist der Eigentümer verantwortlich. Das bestätigt Michael Lauche, Leiter des Zentralen Betriebshofs (ZBH) in Marl: „Auf Privatgelände darf die Stadt nicht aktiv werden.“

Das Problem wilder Müllkippen in Marl hält die ZBH-Mitarbeiter das ganze Jahr lang auf Trab. „Wir rücken dafür jährlich knapp 800 Mal aus“, sagt Michael Lauche. Dabei beobachte er einen Trend zur sogenannten Mediterranisierung. Das bedeutet, dass Menschen beispielsweise bei warmem Wetter ihre Freizeit immer mehr im Freien verbringen. Inklusive Ess- und Trinkgewohnheiten. Das habe mehr Müll zur Folge, den Leute dann in der Öffentlichkeit zurücklassen.

Marl: Zeche für wilde Müllkippen zahlen alle

Weitere Gründe für überfüllte Mülltonnen seien laut Michael Lauche die coronabedingten Umstände, dass Menschen nicht mehr in Restaurants oder Imbissbuden essen können, sondern Speisen – und Verpackungen – mit nach Hause nehmen. Dazu arbeiten viele Leute im Homeoffice und produzieren dementsprechend mehr Müll. Die Kosten für die Beseitigung wilder Müllkippen in Marl beziffert Michael Lauche auf etwa 100.000 Euro im Jahr. Eine Summe, die wir alle bezahlen müssen: Sie wird auf die Müllgebühren aufgeschlagen.

Abfall auf mehreren Straßen in Marl

Davon, dass reichlich Müll auf Marls Straßen herumliegt, konnten wir uns bei einer Rundreise durch die Stadt selbst ein Bild machen. Schnell fündig wurden wir in der Siedlung Am Alten Sportplatz, an der Dormagener Straße, an der Pommernstraße sowie im Stadtkern am Uranus- und Marsweg. Auffällig ist, dass der Müll verstärkt in Siedlungen mit Mehrfamilienmietshäusern zu finden ist. Gegenden mit Ein- und Zweifamilienhäusern wirken wesentlich sauberer.

Rubriklistenbild: © Julia Dziatzko

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Fashion Outlet im Marler Stern wird vergrößert
Fashion Outlet im Marler Stern wird vergrößert
Fashion Outlet im Marler Stern wird vergrößert
Marl: Inzidenzwert steigt weiter, 20 neue Infektionen
Marl: Inzidenzwert steigt weiter, 20 neue Infektionen
Marl: Inzidenzwert steigt weiter, 20 neue Infektionen
Sturmtief Eugen zerstört Corona-Testzentrum
Sturmtief Eugen zerstört Corona-Testzentrum
Sturmtief Eugen zerstört Corona-Testzentrum
Radlerin und Autofahrer müssen verletzt ins Krankenhaus
Radlerin und Autofahrer müssen verletzt ins Krankenhaus
Radlerin und Autofahrer müssen verletzt ins Krankenhaus
Wohnhaus in Marl nach Brand unbewohnbar - Familien konnten sich retten
Wohnhaus in Marl nach Brand unbewohnbar - Familien konnten sich retten
Wohnhaus in Marl nach Brand unbewohnbar - Familien konnten sich retten

Kommentare