Baumschützer sahen es mit Entsetzen: An der Droste-Hülshoff-Straße wurde im Januar eine große Eiche gefällt.
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Baumschützer sahen es mit Entsetzen: An der Droste-Hülshoff-Straße wurde im Januar eine große Eiche gefällt.

Kahlschlag verhindern

Warum die Stadt Marl ihre Baumschutzsatzung ändern soll

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Immer wieder konnten in Straßen Bäume nahe an Wohnhäusern gefällt werden. Vor allem ein Paragraf in der Baumschutzsatzung regt Umweltschützer auf – und jetzt auch die Politiker. Die Stadt hat den Auftrag, die Satzung zu ändern.

  • Stadt Marl hat den Auftrag, die Baumschutzsatzung neu zu fassen
  • Alle Politiker folgen Vorstoß der grünen Wählergemeinschaft
  • Jetzt sollen auch Obst- und Nadelbäume geschützt werden, fordern die Grünen

Mit ihrem Vorstoß für eine neue Baumschutzsatzung rannte die grüne Wählergemeinschaft im Umweltausschuss offene Türen ein: Alle Fraktionen gaben der Stadtverwaltung noch vor den Sommerferien den Auftrag, Änderungen im Sinne des Naturschutzes vorzubereiten. Die Stadtverwaltung habe schon von sich aus damit begonnen, sagte Baudezernentin Andrea Baudek.

Johannes Westermann (Grüne) hatte an die entsetzten Reaktionen 2007 erinnert. Damals hatte der Rat auf Antrag der SPD die Baumschutzsatzung in Marl gelockert und Baumfällungen auf Privatgrundstücken vereinfacht – trotz Warnungen des Umweltamts. Nur die Grünen stimmten dagegen. Seither sind Bäume, die nicht weiter als sechs Meter von Häusern entfernt stehen, nicht mehr geschützt. 

Ganze Straßenzüge in Marl ohne Bäume 

Kurz nach dem Beschluss trennten sich viele Brasserter von Jahrzehnte alten Bäumen. Ganze Straßenzüge in der alten Zechensiedlung waren plötzlich kahl. „Wir waren hell entsetzt, was in Brassert passiert ist“, räumten Sozialdemokraten Jahre später ein. 

2010 ließ die Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten sogar 128 Bäume in der Waldsiedlung fällen, darunter 60 bis 70 Jahre alte Eichen. Begründung: Die Bäume nähmen Anwohnern das Licht. Erneut war der Aufschrei groß – doch mit der Stadt Marl waren alle Fällungen abgesprochen. 

170 Jahre alte Eiche in Marl gefällt

Zuletzt, vor einem halben Jahr, empörten sich Baumschützer über die Fällung einer rund 170 Jahre alten Eiche an der Droste-Hülshoff-Straße. Auch sie stand näher als sechs Meter vor dem Wohnhaus. 

Die grüne Wählergemeinschaft schlägt nun folgende Änderungen der Baumschutzsatzung vor: 

Das wollen die Grünen in Marl ändern

- Innerstädtischer Wald, der zur Erholung dient, soll unter Schutz gestellt werden. 

- Alle Baumarten sollen geschützt werden – auch Obst- und Nadelbäume wegen ihrer Bedeutung für Insekten und Vögel. Bäume, die näher als sechs Meter vor Wohn- oder Gewerbegebäuden stehen, sollen nur in Ausnahmefällen gefällt werden. Antragsteller müssen dies schriftlich ausführlich begründen. 

- Bei Fällungen oder Baumschnitten müssen Auswirkungen auf die verbleibenden Bäume berücksichtigt werden (Freistellung, Rindenbrand durch Sonne). 

- Eingriffe sollen nur erlaubt werden, wenn Bäume den Anwohnern unzumutbar das Licht nehmen (das soll durch Lichtmessungen geklärt werden) und wenn Rückschnitte nicht möglich sind.

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