Ein Luftbild der Halde Brinkfortsheide und der Waldsiedlung (links neben der Halde). Salze aus dem aufgeschütteten Material dringen dort ins Bodenwasser.
+
Ein Luftbild der Waldsiedlung und Silvertsiedlung (links neben den Halden Brinkfortsheide und Brinkfortsheide-Erweiterung). Hier hat der Kreis das Wasser in 20 Brunnen gemessen

Ergebnisse liegen vor

Welche Schadstoffe die Kreisverwaltung in den Brunnen in Marl gefunden hat

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
    schließen

Nach Klagen von Anwohnern über Chemikalien-Gerüche aus ihren Brunnen und Schadstoff-Messungen an der nahe gelegenen Halde hat die Kreisverwaltung das Wasser von 20 Brunnen in Marl-Hamm untersucht. Wir fragten nach den Ergebnissen.

14 Brunnen aus der Silvert- und Waldsiedlung in Marl sind nicht mit den krebserregenden Kohlenwasserstoffen Benzol und PAK belastet. Bei fünf weiteren Brunnen wurden „unbedenkliche“ Spuren dieser Stoffe entdeckt. Bei einem Brunnen wurden aber starke Gehalte nachgewiesen – für PAK fast 2800 Mal so hoch wie der in Richtlinien festgelegte Schwellenwert. Die Ursachen sind unklar. Die Kreisverwaltung versucht, sie herauszufinden und kündigt weitere Messungen für 2021 an.

Eine Gefahr für die Öffentlichkeit sieht sie nicht. „Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind aus unserer Sicht beruhigend“, teilt Svenja Küchmeister, Sprecherin der Kreisverwaltung, mit.

Keine Erklärung für hohe Werte in einem Brunnen in Marl

Bei dem „Ausreißer“-Brunnen wurden sehr hohe Schadstoffgehalte nachgewiesen – für PAK 559 µg/l (Mikrogramm pro Liter) und für Benzol 74 µg/l. Zum Vergleich: Der Schwellenwert für PAK im Grundwasser liegt bei 0,2 µg/l, für Benzol bei 1 µg/l. Für die hohen Werte gibt es bisher keine Erklärung. Im Gespräch mit dem Brunnenbesitzer versuche die Kreisverwaltung, die Ursache herauszufinden, erklärte Svenja Küchmeister.

Das gesundheitsgefährdende Schwermetall Cadmium wurde in zwei Proben nachgewiesen. In einer Probe sei der Grenzwert der Trinkwasserverordnung leicht überschritten worden. Im Silvertbach wurden keine Belastungen gefunden.

Anwohner aus Marl klagen über Chemikalien-Gerüche

Die untere Bodenschutzbehörde empfiehlt dem Besitzer des Brunnens, in dem die hohen Schadstoffgehalte gemessen wurden, das Brunnenwasser nicht mehr zu nutzen. Wo sich der belastete Brunnen befindet, sagt die Kreisverwaltung aus Datenschutzgründen nicht. Sie will die Messergebnisse absichern und 2021 weitere Proben nehmen.

Anlass der Untersuchung sind Klagen von Anwohnern. Ihre Brunnen riechen muffig oder nach Chemikalien. Die Siedler fürchten, dass ihr Brauchwasser mit gesundheitsgefährdenden Stoffen aus dem Umfeld der Halde belastet ist. Denn die Bürgerinitiative Marl-Hamm hatte Akten der Bezirksregierung ausgewertet: Danach war 2018 im Grundwasser die „Geringfügigkeitsschwelle“ (Konzentration, bei der keine schädlichen Wirkungen auftreten) für Cadmium, Benzol und PAK an mehreren Stellen deutlich überschritten. Der Bezirksregierung zufolge geht derzeit von der Bergehalde keine Gefahr aus. Das bestätigte sie jetzt nochmals in einem Schreiben an die Bürgerinitiative Marl-Hamm.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Treiben Betrüger aus Irland in Marl ihr Unwesen?
Treiben Betrüger aus Irland in Marl ihr Unwesen?
Treiben Betrüger aus Irland in Marl ihr Unwesen?
Coronavirus in Marl: Zahlen steigen ungebremst weiter
Coronavirus in Marl: Zahlen steigen ungebremst weiter
Coronavirus in Marl: Zahlen steigen ungebremst weiter
Mofa-Fahrerin (75) wartet fünf Stunden lang auf Hilfe
Mofa-Fahrerin (75) wartet fünf Stunden lang auf Hilfe
Mofa-Fahrerin (75) wartet fünf Stunden lang auf Hilfe
Mann liegt tot im Bach
Mann liegt tot im Bach
Mann liegt tot im Bach
Vermisst: Wer hat dieses Mädchen aus Marl gesehen?
Vermisst: Wer hat dieses Mädchen aus Marl gesehen?
Vermisst: Wer hat dieses Mädchen aus Marl gesehen?

Kommentare