Auch der Wirkstoff Astrazeneca wird in den Praxen in Marl verimpft.
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Auch der Wirkstoff Astrazeneca wird in den Praxen in Marl verimpft.

Weniger Dosen als geplant

Wie Ärzte in Marl die Impfungen organisieren: In dieser Woche geht es los

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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In den ersten Marler Arztpraxen sind die Impfungen angelaufen. Chronisch Kranke haben Vorrang.

Am Donnerstag setzt Hausärztin Dr. Ulrike Bertlich den ersten 15 Patientinnen und Patienten einen Pikser in den Oberarm. Den gefriergetrockneten Impfstoff von Biontech bekam sie schon vor ein paar Tagen. Aber sobald sie den Inhalt aus dem Glasfläschchen in Kochsalz auflöst, muss sie ihn innerhalb von zwei Stunden verimpfen. Deshalb will sie alle Patienten zeitsparend an einem Tag immunisieren.

Ulrike Bertlichs Helferinnen haben sie angerufen, mit ihnen Termine abgestimmt. Die Ärztin aus Marl hält sich an die Prioritätenliste: Chronisch Erkrankte haben Vorrang – deshalb kommen zunächst Diabetiker, schwer Lungenkranke, Menschen mit Demenz, Leber- und Nierenkrankheiten oder Krebs an die Reihe.

Telefone der Arztpraxen in Marl stehen nicht still

Obwohl die Praxis die Termine initiativ vergibt, stehen dort die Telefone nicht still. Ulrike Bertlich: „Jeden Tag fragen 40 Patienten, wann sie mit einer Impfung rechnen können.“ Seit Corona gebe es keinen normalen Praxisalltag mehr. Die Praxis hat eigens eine Helferin abgestellt, die auf dem Parkplatz an der Rappaportstraße auf die Patienten zugeht, sie nach ihren Symptomen fragt: „Das ist wahnsinnig aufwendig“, erklärt Ulrike Bertlich, die sich dem Ärztenetz für Marl angeschlossen hat. „Aber wir müssen uns und unsere Patienten schützen.“

2400 Patienten suchen sie und ihren Mann Frank pro Quartal in der gemeinsamen Hausarztpraxis auf. Da sind 30 Impfdosen pro Woche viel weniger als erwartet. Zum Glück können nun auch 100 Dosen Astrazeneca verimpft werden – sie werden über das Impfzentrum des Kreises einmalig an die Praxen in Marl weiterverteilt.

Praxen in Marl entscheiden über Terminvergabe

Internist Dr. Markus Böddeker, Sprecher des Marler Arztnetzes, und seine Frau Angelika haben bereits am Mittwoch mit ihrem Team zwei Überstunden gemacht und die ersten 20 Patienten geimpft. Ihre Hülser Praxis bekommt von den Apotheken die gleiche Menge an Impfdosen wie das Ehepaar Bertlich im Stadtkern zugeteilt. Aber wie sie in ihren Räumen eine Impfstraße hinbekommt, muss jede Praxis für sich entscheiden. Das Ehepaar Böddeker impft direkt im Anschluss an die Morgensprechstunde und beobachtet die Patienten noch eine Weile: „Wir können keinen Impfstoff horten, sondern müssen ihn in den Tagesablauf einplanen“, sagt Markus Böddeker. Das Biontech-Präparat könne fünf Tage gelagert werden.

Wer schon einen Termin im Impfzentrum des Kreises hat, wird nicht vom Hausarzt geimpft. Alle Marler Ärzte hoffen auf größere Lieferungen in den nächsten Wochen, damit endlich genügend Impfstoff zur Verfügung steht und bald alle wieder ein normales Leben führen können. Bis dahin appelliert Ulrike Bertlich eindringlich: „Lasst euch alle impfen!“

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