Melanie Albrecht am Strand auf Mallorca.
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Melanie Albrecht am Strand auf Mallorca.

„Wer nicht arbeitet, bekommt nichts“

Wie die aus Marl ausgewanderte Melanie Albrecht die Corona-Krise auf Mallorca erlebt

  • Patrick Köllner
    vonPatrick Köllner
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Die Pferdeklopse vermisst sie zwar in ihrer neuen Heimat. Aber sonst fühlt sich Melanie Albrecht auf Mallorca wohl - trotz fehlender sozialer Absicherung.

Bei Temperaturen von bis zu 18 Grad und einer Regenwahrscheinlichkeit unter 20 Prozent lässt es sich aushalten im Dezember: Diese Wetterlage herrschte zuletzt in Cala Millor (deutsch: „beste Bucht“), einem bei Touristen beliebten Ort an der Ostküste der Baleareninsel Mallorca. Hierhin zog es Melanie Albrecht aus Marl vor gut dreieinhalb Jahren. „Ich bin ausgewandert, weil ich hier einen tollen Job bekommen habe“, sagt die ehemalige Marlerin. Zunächst arbeitete sie in einer Filiale der Modemarke Camp David, später wechselte sie die Arbeitsstelle. Aktuell ist Melanie Albrecht in einem Restaurant beschäftigt. Das darf derzeit übrigens geöffnet bleiben – trotz der zweiten Corona-Welle in Europa.

Die Pandemie traf auch die Menschen auf der Mittelmeerinsel hart. „Ab dem 15. März waren wir acht Wochen lang eingesperrt“, blickt Melanie Albrecht zurück. Vor die Tür durften die Leute nur noch, wenn sie einkaufen oder zum Arzt mussten. Ohnehin waren bis auf Supermärkte und Apotheken nahezu alle Geschäfte geschlossen. „Jeden Abend fuhr gegen 20 Uhr ein Wagen durch die Stadt, der die Straßen mit einem Mittel besprüht hat“, sagt Melanie Albrecht.

Marlerin gewöhnte sich schnell an das Inselleben

An das Leben auf der Insel hat sich die Mutter von zwei erwachsenen Kindern schnell gewöhnt. „Es war nicht schwer, sich hier einzuleben. Die Menschen auf Mallorca und in Cala Millor sind sehr herzlich. Sie helfen einem, wo sie nur können. Selbst wenn man der Sprache noch nicht mächtig ist“, erklärt Melanie Albrecht.

Ein wenig Spanisch spricht sie mittlerweile, zur Not findet die Verständigung aber auch auf Englisch statt. Das Leben im vermeintlichen Paradies hat aber auch Nachteile. „Eine soziale Absicherung wie Hartz IV in Deutschland gibt es nicht. Wer nicht arbeitet, bekommt auch nichts“, so die Ex-Marlerin.

Die Familie lebt in Marl

Lebensmittel aus der Heimat sind übrigens auch im Supermarkt erhältlich. „Die sind dann halt nur ein wenig teurer.“ Insgesamt überwiegen nach der Auswanderung die Vorteile. „Wenn ich morgens mit dem Meer vor der Tür und der Sonne am Himmel aufstehe, habe ich gleich gute Laune“, sagt Melanie Albrecht. Diese Atmosphäre sei ansteckend. „Die Menschen laufen hier alle mit einem Lächeln auf den Lippen herum.“

Kontakt nach Marl besteht für die Ausgewanderte noch immer. Ihre Familie – zwei Kinder und zwei Enkelsöhne – leben in Marl. Ab und an kommt Melanie Albrecht zu Besuch, die Kinder waren auch schon mal auf Mallorca. Was vermisst die ehemalige Marlerin in der Wahlheimat am meisten? „Unsere leckeren Pferdeklopse. Wenn möglich, lasse ich mir die von Freunden oder der Familie mitbringen.“

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