Die Paracelsus-Klinik in Marl.
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Die Paracelsus-Klinik in Marl.

Krankenhaus entschuldigt sich

Zehnjähriger wird in Paracelsus-Klinik Marl nicht untersucht - Stand er vor dem Koma?

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
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Vom Notdienst der Paracelsus-Klinik Marl wurde ein zehnjähriger Junge nicht ärztlich untersucht und versorgt – trotz schwerer Schmerzen. Seine Familie rief daraufhin den Rettungsdienst.

  • Zehnjähriger wird vom ärztlichen Notdienst in Paracelsus-Klinik nicht behandelt
  • Er muss auf die Intensivstation der Kinderklinik Datteln
  • Ärzte stellen starke Überzuckerung fest

Nicole Joswig bangte eine ganze Nacht um ihrem Sohn Lennard Matheo (10). Am späten Samstagabend krümmte er sich vor Bauchschmerzen, hatte dreimal erbrochen. Nicole Joswig fuhr mit Lennard zur Notfallaufnahme. Sie bat darum, dass er behandelt, dass sein Blutzucker gemessen wird. Möglicherweise sei ihr Sohn Diabetiker

Der Mitarbeiter der Notaufnahme in der Paracelsus-Klinik Marl telefonierte mit dem Nachtdienst. Dann habe er gesagt, Lennard könne nicht aufgenommen werden, weil er keine 16 Jahre alt sei, erzählt Nicole Joswig. Am besten fahre sie mit ihrem Sohn in die Kinderklinik Datteln oder Gelsenkirchen. 

Rettungsdienst in Marl gerufen

Zu Hause rief Dominik Joswig (33) den Rettungsdienst: Die Sanitäter stellten einen Blutzuckerwert von 585 Milligramm pro Deziliter fest, berichtet er. Sie fuhren den Jungen sofort zur Vestischen Kinderklinik Datteln, gaben ihm Schmerzmittel und viel Flüssigkeit. In Datteln wurde Lennard auf der Intensivstation behandelt. Festgestellt wurde eine Ketoazidose: eine im fortgeschrittenen Verlauf lebensbedrohliche Übersäuerung des Blutes bei Insulinmangel. Der Verdacht auf Diabetes, Typ I, bestätigte sich.

Mittlerweile ist Lennards Zustand wieder stabil. „Er hätte ins Koma fallen können, daran will ich gar nicht denken“, sagt Nicole Joswig: „Die Ärzte hätten ihn sich anschauen müssen.“ 

Klinik in Marl bittet Familie um Entschuldigung

Die Paracelsus-Klinik bittet die Familie um Entschuldigung. Als Nicole Joswig mit Lennard eintraf, sei ein reanimationspflichtiger Patient zeitintensiv betreut worden, so das Krankenhaus. Trotzdem hätte das Kind ärztlich betreut werden müssen, ergänzt die Klinik. „Laut Dienstanweisung ist klar geregelt, dass alle Patienten, selbstverständlich auch Minderjährige, die in die Notaufnahme kommen, ärztlich untersucht werden müssen“, sagt Prof. Dr. Hans-Georg Bone, Ärztlicher Direktor des Klinikums Vest. „In diesem speziellen Fall hätte der Blutzucker überprüft und nach der Erstuntersuchung und Notfallversorgung die Verlegung in eine Kinderklinik organisiert werden müssen.“ 

Selbstverständlich sollen Patienten jedes Alters in akuten Notfällen sofort und ohne Anmeldung in die Notaufnahme kommen, betont Pflegedirektorin Sabine Keysberg: „Mit den Mitarbeitern haben wir bereits intensive Gespräche geführt, um die Geschehnisse aufzuarbeiten und in Zukunft ähnliche Fälle auszuschließen.“ Die Klinik spricht Lennard herzliche Genesungswünsche aus und steht der Familie jederzeit für Gespräche zur Verfügung.

Nach Vorfall in Marl: Nachdenken über Strafanzeige

Das finden Nicole und Dominik Joswig gut. Trotzdem überlegen sie, Strafanzeige zu stellen. Nicole Joswig: „Wir möchten, dass derjenige, der die Entscheidung traf, zur Rechenschaft gezogen wird.“

Im November berichtete unsere Zeitung über eine Mutter, die mit ihrer Tochter in der Unfallchirurgie abgewiesen wurde. 

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