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Umfeldmanager Sami Naoui, Gülistan und Kwestan kamen mit Organisatorin Christin Lechtenböhmer ins Gemeindezentrum St. Josef.

Zimmer sind nicht abzuschließen

Wie zwei junge Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft in Marl leben

Wie sieht der Alltag in der Flüchtlingsunterkunft am Lehmbecker Pfad in Marl aus? Zwei junge Frauen aus Syrien und dem Irak erzählen, mit wie vielen Menschen sie in einem Zimmer leben und was sie in ihrem Leben vermissen.

In der Veranstaltung „Am Achten um acht“ der Pfarrei Heilige Edith Stein und des Caritasverbands berichten Menschen, die in Marl etwas bewegen, aus ihrem Leben. Den Auftakt in diesem Jahr machten die Syrerin Gülistan und die Irakerin Kwestan. 

Gülistan ist 34 Jahre alt und lebt seit zwei Monaten in der  Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) am Lehmbecker Pfad. Sie flüchtete vor dem Krieg in Syrien zunächst in die Türkei, dann nach Deutschland. Ihre Familie blieb in ihrer Heimat zurück. „Ich habe meine Situation akzeptiert und bin für den Frieden nach Deutschland gekommen. Trotzdem fühle ich mich oft einsam und allein unter Fremden“, erzählte Gülistan bedrückt. „Telefonkontakt zu meiner Familie besteht selten“.

Der Traum, als Dolmetscherin zu arbeiten

Auch die 34-jährige Kwestan ließ vor vier Monaten ihre Eltern und ihre beiden Kinder im Irak zurück. Sie flüchtete aufgrund von Familienproblemen nach Deutschland und lebt seit anderthalb Monaten in der Unterbringungseinrichtung in Marl. „Ich liebe Sport und würde gerne in einem Beruf arbeiten, in dem ich mich sportlich betätigen muss“, sagte Kwestan begeistert. 

Gülistan spricht vier Sprachen: Türkisch, Arabisch, Englisch und Kurdisch. „In meiner Heimat habe ich einen Master in Wirtschaft absolviert“, erzählte sie stolz. „Mein größter Wunsch ist es, als Dolmetscherin in Deutschland arbeiten zu können“. In der Unterbringung engagiert sie sich ehrenamtlich, vermittelt zwischen Geflüchteten. Was sie sagte, übersetzte Umfeldmanager Sami Naoui für die Besucher von „Am Achten um Acht“ ins Deutsche. 

Arbeitsverbot auch für Ärzte und Anwälte 

Zurzeit leben in der Unterkunft am Lehmbecker Pfad 120 Menschen, die auf ihr Asyl warten. „Geflüchtet sind die Bewohner aus Ländern wie der Türkei, dem Iran, Syrien und Somali“, berichtete Umfeldmanager Sami Naoui. „Viele haben abgeschlossene schulische und praktische Ausbildungen, zum Beispiel zum Anwalt, Journalisten oder Arzt. Es macht mich traurig, dass für sie erst einmal ein Arbeitsverbot in Deutschland gilt“. 

Am Lehmbecker Pfad wohnen viele Familien. Betrieben wird die Einrichtung von dem Unternehmen European Homecare. Für die jungen Bewohner gibt es einen eigenen Kindergarten. Kwestan und die anderen Bewohner wollen sich mehr bewegen: „Wir würden uns wünschen, ein Fitnessstudio besuchen zu dürfen und mal wieder richtig Sport zu machen“, sagte Kwestan.

Deutschkurs wird in Marler Unterkunft alle drei Monate angeboten

Trotz Schutzes durch ein Security-Team in der Unterkunft hat sie in manchen Nächten Angst: „Wir können unsere Zimmer nicht abschließen.“ Über eine Lösung mit elektronische Karten wie in Hotels wird nachgedacht.

Die Marler Unterkunft ist aufgeteilt in drei Etagen: Frauen, Männer und Familien. „In einem Zimmer leben drei Bewohner“, sagte Naoui. Ein Deutschkurs für jeweils 16 Leute findet alle drei Monate statt. Leicht fällt der Unterricht Gülistan nicht: „Deutsch ist keine einfache Sprache, ich gebe aber alles und übe fleißig. Damit ich mir eines Tages meinen Traum, als Dolmetscherin zu arbeiten, erfüllen kann“.

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