Tim Bartsch, Musiker und Komponist aus Marl.
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Tim Bartsch, Musiker und Komponist aus Marl.

Musik

Eine Entscheidung für Musik- oder Banknote

  • Robert Klose
    vonRobert Klose
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Marl - Die Italiener verblüffte Tim Bartsch aus Marl (22) schon am Flügel. Während eines Auslandssemesters hielt er es ohne musizieren nicht mehr aus und spielte an öffentlichen Flügel. Der Weg zum Berufsmusiker steht ihm aufgrund seines Talents offen. Doch auf der anderen Seite könnte eine Karriere als Manager winken. Zwei Talente, zwei Möglichkeiten, aber eine Entscheidung. Wird er Manager oder doch Berufsmusiker?

Wer Tim Bartsch besucht, fühlt sich ein wenig wie in einem Musikgeschäft. Der Raum, in dem er täglich probt und komponiert, ist vollgestopft mit einem Profi-Keyboard, einem „Stage Piano“ (sehr großes elektrisches Klavier), einem Schlagzeug, diversen kleineren Instrumenten und mit Koffern für den Transport der Instrumente. Die Gitarren und das Didgeridoo haben nicht mehr hineingepasst, sie stehen im Wohnzimmer. Der tragbare Computer mit seinen gespeicherten Eigenkompositionen steht immer da, wo Tim Bartsch ihn gerade braucht. All die Instrumente markieren Stationen im Leben des jungen Musikers (siehe Infokasten). Gerade sechseinhalb Jahre alt war er, als ein Bekannter seiner Eltern ihn auf den musikalischen Geschmack brachte. Alles begann auf den Tasten eines Keyboards. Aus dem Anfänger wurde in Rekordzeit ein Tasten-Routinier, dann Gitarrist, ein Schlagzeuger, ein Mundharmonika-Spieler. Schon in sehr jungen Jahren erkannte Tim Bartsch, was ihm liegt und was eher nicht. Bei allem Respekt vor der Klassik – das ist nicht seine Musik: „Dafür improvisiere ich zu gern“. Die Liebe zu spontanen Harmonien ist es wohl auch, die die beiden sehr unterschiedlichen musikalischen Welten verbindet, in denen Tim Bartsch zu Hause ist: Gospel und Rock. Hier wie dort geht es darum, ein Thema zu variieren, mal ganz leise zu spielen, mal voller Temperament loszubrausen. Bartsch, der mit zwölf Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne stand und mit gerade mal 16 Jahren einen 100-köpfigen Chor begleitete, ist heute – unter anderem - zu erleben als Instrumentalist beim jährlichen Gospel-Großprojekt „viel/feel spirit“ in der Auferstehungskirche, bei anderen Chören, außerdem als Rock-Musiker bei den Bands „Always ultra“, „Rockabeat“ und „Blueroxx“. Was Gospelsänger und Rocker gemeinsam haben: Sie werden eine Weile auf ihren Keyboarder verzichten müssen. Tim Bartsch packt bald seine Koffer, sein BWL-Masterstudium (Schwerpunkt: Internationales Management) will er in den Niederlanden absolvieren. Da wird kaum noch Zeit bleiben für all die Proben und Treffen, die heute seinen Kalender füllen. In einem Praktikum bei einem Essener Großunternehmen sammelt er schon jetzt Erfahrungen in der strategischen Unternehmensplanung. Kann er mit Blick auf die Chancen, die sich ihm eröffnen, seine Musikleidenschaft einfach abschalten? Wohl eher nicht: Bei einem Auslandssemester in Italien hielt Bartsch die Musik-Abstinenz irgendwann nicht mehr aus: Im römischen Bahnhof nahm er ein öffentliches Klavier in Beschlag und überraschte die Passagiere mit eigenen Melodien. Auf dem Flughafen von Palermo konnte er nicht an einem frei zugänglichen Flügel vorbeigehen. Gut möglich, dass Musikfreunde begeistert wären und für Aufnahmen seiner Kompositionen oder Auftritte auch Geld bezahlen würden – ein denkbares Fundament eines ganz anderen Lebens. Wie wird sich das 22-jährige Multitalent entscheiden, wenn am Ende beides möglich ist, ein Lebens als Musiker oder als Manager? Er zögert einen Moment: „Ich glaube, ich würde Musik machen.“

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