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Die Marler Band „The Fashion“ mit (v.l.) Ingo Vinzelberg, Rudolf Ulc (Drums), Peter Kallwitz (Gesang) und Werner Grumptmann (Gitarre). Beim Internationalen Beatfestival in Südlohn landete das Quartett auf Platz drei

Musik

Die Gitarre als Wandschmuck

Marl - Peter Kallwitz berichtet vom Versuch, eine der besten Bands der Welt zu werden: The Fusion und The Fashion.

Theos Oma legte den Grundstein – für die letztendlich gescheiterten „deutschen Rolling Stones“ aus Marl. Sie hatte die dickste Pension, wie es hieß. Bergbaurente plus Unfallversicherung.

Denn Theos Opa blieb nach einem Grubenunglück „unten“. Somit war Oma die wohlhabendste Witwe der Straße, sagte man. Und der erste und einzige erfolglose Sponsor der aufstrebenden Beatband-Jungtalente Theo, Wolfgang, Sebastian und Peter, kurz genannt: The Fusion. Doch eigentlich stand alles von Beginn an unter einem schlechten Stern.

Wir wollten die Stones sein. Die aber waren zu fünft, wir nur zu viert, wobei uns alle eher mit den Beatles verwechseln würden, glaubten wir. Also sollte ein fünfter Mann her. Aber wer? Und was sollte er spielen? Wir wussten nicht einmal, wie wir uns selbst besetzen sollten. Dabei war die Voraussetzung einfach. Keiner beherrschte ein Instrument wirklich gut.

Oma zahlte für den Verstärker

Dennoch: Theo war der erste in unserer Straße, der mit einer Ausrüstung für künftige Weltberühmtheiten ausgestattet war. Er leierte Oma eine E-Gitarre plus Verstärker aus dem Portemonnaie. Wir standen da wie die Ölgötzen und bestaunten das, was wir, besser gesagt unsere Eltern, uns nicht leisten konnten. Des Rätsels Lösung hatte Sebastian: „Können wir nicht zunächst die Elektrogitarren ohne Verstärker spielen, einfach den Anschluss in die Steckdose stecken?“ Wir waren verblüfft über so viel Naivität.

Und so standen wir da: Theo, hochgerüstet mit Gitarre und Verstärker. Wobei Oma in erster Linie darauf geachtet hatte, dass das Instrument gut aussah und auch schön als Wandschmuck dienen konnte. Sebastian, der nicht einmal den Unterschied zwischen Beatles und Stones kapierte und einfach nur berühmt werden wollte, egal wie und womit. Später riet ich ihm im Scherz, einfach jemanden zu ermorden, das sei seine einzige Chance. Danach wurde unser Kontakt etwas lockerer.

Wolfgang besorgte sich zwei bunte Nyltesthemden als Bühnengarderobe. Mit dem Ergebnis: Man roch ihn schon, bevor man ihn sah. Blieb die Frage nach dem Schlagzeug. Wolfgang erklärte sich bereit. Zunächst bestanden seine Trommeln aus umgedrehten Seifenpulverbehältern. Seine OMO-Drums klangen gar nicht so schlecht. Nur sein Rhythmusgefühl war etwas unangepasst, genauer gesagt – er hatte keins. Sebastian besorgte sich noch irgendwo her eine alte Akustikgitarre – und dann ging’s los. Ach ja, blieb noch ich selbst, der auf Vorstadt-Mick-Jagger machte.

Sie wollten die Mädels zum Kreischen bringen

Getreu den Bildern von Beatles-Auftritten mit hysterischen Fans, die wir aus dem Fernseher kannten, startete das Projekt „berühmt werden“. Wie die Vorbilder aus England wollten auch wir die Mädchen zum Kreischen bringen. Erst in Jugendheimen um die Ecke, dann weltweit, oder zumindest in Marl.

Doch zunächst kreischte lediglich Wolfgangs Mutter, wenn sie uns aus der Küche beim Proben zuhörte – und zwar aus Verzweiflung. Dennoch: Wochen später, nach intensivsten mehr oder weniger erfolglosen Proben, nahmen wir einen Song auf Tonband auf. Das Mikro in die Mitte gestellt und alle legten los. Beim Abspielen des Bandes dann der Schock, der letztendlich die Welt vor dieser Band rettete.

Wir klangen, als würde man fünf Kilo Schrauben in einen Wäschetrockner füllen und diesen dann auf Hochgeschwindigkeit laufen lassen. Eingespielt hatten wir „The last time“. Wie treffend für den weiteren Verlauf der Karriere. Besser gesagt: das Ende.

Später gab es dann die Folgeband von „The Fusion“. Ich schloss mich den Fashion an, die anderen gaben auf. Nach mehreren personellen Wechseln wurden wir sogar bei einem internationalen Beatfestival 1968 in Südlohn mal Dritter. Also, geht doch.

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