Prozess um geschasste Handwerker

Einigung mit einem Mitarbeiter

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MARL - Erster Schlussstrich im Streit um einen mutmaßlichen Arbeitszeit-Skandal im Handwerksbetrieb: Die Firma und einer der drei in Ungnade gefallenen Mitarbeiter haben sich vor dem Herner Arbeitsgericht auf einvernehmliche Trennung mit Abfindung verständigt.

Maßgeblich angestoßen worden war die Einigung per Vergleich durch Datenschutz-Zweifel aufseiten des Gerichts. Arbeitsrichterin Marlies Rohkämper-Malinowski wies die Unternehmens-Chefs und ihren Anwalt Klaus Frankhof darauf hin, dass die Ergebnisse der Detektiv-Überwachung einem Verwertungsverbot unterliegen könnten. „So einfach geht das nicht“, stellte die Richterin klar. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) habe sich in der Frage der Mitarbeiter-Überwachung klar positioniert. Danach sei eine „allgemeine Überwachung von Arbeitnehmern nicht erlaubt.“

Detektivische Methoden müssten „das einzig verbleibende Mittel“ zur Klärung eines begründeten Verdachts gegen einen Mitarbeiter bleiben, so die Richterin weiter. In Zusammenhang mit der Begründung des Einsatzes eines Privatdetektivs gegen drei mutmaßliche „Blaumacher“ sei der Marler Handwerksbetrieb bislang inhaltlich fast alles schuldig geblieben. Die bekannte Marler Firma hatte im Mai drei Mitarbeiter fristlos vor die Tür gesetzt. Nach Kundenbeschwerden über aufpolierte Arbeitszeiten hatte die Chefetage zunächst eigene Stichproben angestellt, dann einen Detektiv beauftragt. Er soll dann eindeutige Beweise dafür dokumentiert haben, dass die Arbeiter ihre Pausen stets eigenmächtig um 30 Minuten pro Tag verlängert und dabei auch das eigens angeschaffte Arbeitszeit-Erfassungs-Handy eiskalt „belogen“ haben.

Mit Blick auf die Datenschutz-Bedenken der Richter bot das Unternehmen gestern einem der Männer (nach 17 Dienstjahren) ein nachträgliches Gehalt, ordentliche Trennung zum 31. Mai plus 5 000 Euro Abfindung an. Der gekündigte Mitarbeiter akzeptierte. Wie es hieß, sollen er und seine zwei Kollegen bereits seit dem Sommer wieder woanders Anstellungen gefunden haben.

Rubriklistenbild: © Foto: Andreas Wegener

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