Sanierung ja, aber

Rathaus soll kein Baudenkmal werden

MARL - FDP-Ratsherr Robert Heinze wird heute im Rat eine Wette verlieren. An dem Tag, an dem Bürgermeister Werner Arndt gegen „seine“ SPD stimmen würde, gebe er ein Fass Bier aus. Jetzt ist es so weit. Werner Arndt wird dafür stimmen, dass das Rathaus unter Denkmalsschutz gestellt wird. Die SPD-Fraktion lehnt dagegen die Unterschutzstellung ab.

Weil sich schon vor Wochen CDU, FDP und bum klar gegen den Denkmalsschutz für das Rathaus und sein Umfeld ausgesprochen hatten, zeichnete sich im Hauptausschuss ab, dass der Rat heute die Entscheidung der Denkmalbehörde nicht mittragen wird. An der Seite von Werner Arndt als Befürworter („Wir haben hier etwas ganz Besonderes“) stehen lediglich die Mitglieder der grünen Wählergemeinschaft. Johannes Westermann: „Haben wir irgendwo noch so ein Gebäude im Land? Das Rathaus ist ein Denkmal und ein Symbol für Marl.“

Die SPD-Fraktion hatte sich nach Angaben ihres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Jens Vogel mit der „Gewissensentscheidung“ schwer getan. Das Rathaus sei ein „Stück Stadtgeschichte und Geschichte der SPD“. Doch die ursprüngliche Konstruktion der Türme und auch das Türmchen seien lange nicht mehr im Urzustand. Was die SPD vor allem kritisiert, ist eine Ausweitung des Denkmalschutzes auf das Türmchen und Teile des Creiler Platzes mit den Wasserbecken, der Uhr und die mit kleinen, bunten Mosaiksteinen versehenen Sitzbänke vor dem Museum. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Wenzel: „Wir wollen keine Waschbetonplatten unter Denkmalschutz stellen. Das ist in der Bevölkerung nicht zu vermitteln.“

Arbeitskreis ermittelt Kosten

Wie wir bereits berichteten, ist es im Prinzip egal, ob sich der Marler Rat für oder gegen den Denkmalschutz für das Rathaus entscheidet. Über die Unterschutzstellung entscheidet allein die Untere Denkmalschutzbehörde des Landes. Die Vorgaben sind gesetzlich geregelt. Im Streitfall – bei einem Nein des Rates – entscheidet das Bauministerium des Landes als oberste Denkmalbehörde – in der Regel zugunsten des Denkmalschutzes.

Alle Fraktionen machten allerdings auch eindeutig klar, dass sie die Sanierung des Rathauses jetzt zügig angehen wollen. Nach Auskunft von Klaus-Peter Lauche, der als Leiter des Hauptamtes die Rathaus-Sanierung mit den Denkmalbehörden koordiniert, bedeutet das politische Nein zum Denkmalschutz keine Verzögerung. Die Gespräche, „was verhandelbar ist“, würden parallel laufen, auch die Kostenfrage würde unter beiden Aspekten untersucht. Wie berichtet, wird unter Beteiligung der Politik ein Arbeitskreis mit Baufachleuten und Vertretern von Landesbehörden gebildet, der die Kosten möglichst exakt ermitteln wird und die Vorgehensweise festlegt.

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