Bergschäden in Marl: Zwischen zwei Gebäuden am Bachackerweg ist die  Schieflage deutlich zu erkennen.
+
Bei diesen Gebäuden am Bachackerweg in Marl springt die Schieflage aufgrund von Bergsenkungen sofort ins Auge.

Bergschäden

Schieflagen und kleine Risse - in dieser Siedlung gibt es in fast allen Gebäuden Schäden

  • Heinz-Peter Mohr
    vonHeinz-Peter Mohr
    schließen

Nicht immer sind Bergschäden mit bloßem Auge so gut zu erkennen wie auf dem oberen Foto. Manchmal geht es bei Schieflagen nur um Millimeter. Aber es lohnt sich, die Schäden geltend zu machen.

  • Viele Bergschäden in der Nachbarschaft der ehemaligen Zeche Auguste Victoria 3/7
  • Verjährungsfrist unter Teilen der Zollvereinssiedlung bereits eingetreten
  • Fachleute helfen Anwohnern dabei, Entschädigungen zu bekommen

Wenn Hermann Ader, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Zollverein, in seinem Haus einen Ball auf den Boden legt, dann rollt er zur anderen Seite des Zimmers. Das Haus steht eindeutig schief. Andere Siedler können ihre Fenster und Türen nicht anlehnen, sie gehen immer wieder komplett auf.

Die Zollvereinsiedlung wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Zeche Auguste Victoria 3/7 in Marl errichtet. Nach Einschätzung des Vermessungstechnikers Magnus von Bormann gibt es in allen Häusern Bergschäden. Die Regulierung hängt von der Schadenshöhe ab. Ab zwei Millimetern Schieflage gebe es eine Entschädigung, erklärt von Bormann. Das beginne bei 500 Euro. Zehntausende Euro würden gezahlt, wenn lange Abwasserleitungen demoliert sind. Besonders krasser Fall: In Bottrop musste eine Schule um fast einen Meter hydraulisch angehoben werden. Vor allem unterhalb von Hamm und Sickingmühle wurde Kohle abgebaut. Unter Teilen der Zollvereinsiedlung nur bis 1989. Dort ist die 30-jährige Verjährungsfrist bereits eingetreten.

Ein Geschäft für Anwälte und Vermessungstechniker

Vermessungsbüros wie das von Magnus von Bormann haben aus der Schadensregulierung ein Geschäftsmodell gemacht: Sie stellen sich Eigentümern per Postwurfsendung vor, vermessen Schäden, melden sie gegenüber dem Bergbau an und setzen sie über eine Partnerkanzlei durch. Magnus von Bormann vertritt nach eigenen Angaben 500 Marler, davon allein 320 aus der Zollvereinsiedlung. Der Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) hilft Hauseigentümern ebenfalls, Schadensersatzansprüche zu erstreiten. Er beschäftigt 34 Mitarbeiter – Markscheider, Juristen und Ingenieure.

Bundesweit 22.500 Mitglieder gehören dem Verband an, darunter 400 aus Marl, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Achim Sprajc. Mit dem Beitrag sind Dienstleistungen wie Vermessungen und Rechtsberatung abgegolten. Der Jahresbeitrag richtet sich nach dem Wert des Gebäudes (für Einfamilienhausbesitzer im Durchschnitt 100 Euro). Allein in diesem Jahr habe der VBHG in Marl Entschädigungen von insgesamt 35.000 Euro erstritten, so Achim Sprajc. 2020 waren es 550.000 Euro für 120 Marler. In fast allen Fällen einige man sich außergerichtlich mit dem Bergbaukonzern RAG.

Schieflage von bis zu 15 Zentimeter

Manche Häuser in der Zollvereinsiedlung haben eine Schieflage von bis zu 15 Zentimetern, sagt Hermann Ader. Da gibt es Risse, Feuchtigkeitsschäden, verschobene Abwasserleitungen. Sie werden entdeckt, indem Kameras durch die Kanäle fahren. Nach Einschätzung von Hermann Ader sind 90 Prozent der Siedler mit den ausgehandelten Entschädigungen zufrieden. Manche hatten schon in der Vergangenheit eine Abfindung erhalten, berichtet Magnus von Bormann. Dass sie nun im Vergleich zum Nachbarn weniger bekommen, treffe teilweise auf Unverständnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Ist das die Lösung? Amtsgericht Marl nennt Parkgebühren „sittenwidrig“
Ist das die Lösung? Amtsgericht Marl nennt Parkgebühren „sittenwidrig“
Ist das die Lösung? Amtsgericht Marl nennt Parkgebühren „sittenwidrig“
Brandstifter „brauchte irgendwie eine Ablenkung“
Brandstifter „brauchte irgendwie eine Ablenkung“
Brandstifter „brauchte irgendwie eine Ablenkung“
Coronavirus in Marl:  Ein weiterer Todesfall ist zu beklagen
Coronavirus in Marl: Ein weiterer Todesfall ist zu beklagen
Coronavirus in Marl: Ein weiterer Todesfall ist zu beklagen
Mann in Lebensmittelmarkt am Marler Stern verstorben - Todesursache steht fest
Mann in Lebensmittelmarkt am Marler Stern verstorben - Todesursache steht fest
Mann in Lebensmittelmarkt am Marler Stern verstorben - Todesursache steht fest
Inzidenz-Zahlen richtig deuten: Warum die Altersgruppe der Betroffenen wichtig ist
Inzidenz-Zahlen richtig deuten: Warum die Altersgruppe der Betroffenen wichtig ist
Inzidenz-Zahlen richtig deuten: Warum die Altersgruppe der Betroffenen wichtig ist

Kommentare