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Nach Europawahl und Nahles-Rücktritt

Marler SPD geht zuversichtlich in das Wahljahr 2020

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MARL - Mit ihrem Rückzug aus der Politik überraschte Andrea Nahles am Sonntag auch ihre Parteigenossinnen und -genossen in Marl. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

Sie sind aber weniger pessimistisch als Einschätzungen, die überregionale Schlagzeilen über das Ende der Großen Koalition und die Krise der Partei nach dem Absturz bei den Europawahlen verlauten lassen. Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Brian Nickholz kritisiert den Umgang mit Andrea Nahles, vor allem in den sozialen Netzwerken, wo auch SPD-Mitglieder hart mit der Spitzenpolitikerin ins Gericht gehen. „Man vergisst den Menschen, der dahinter steckt. Auch wenn man sich darauf vorbereitet, in der Bundespolitik mit harten Bandagen zu kämpfen, darf das für Andere kein Freifahrtschein sein.“ Er betont: „Es ist die Frage, ob es immer gut ist, über Köpfe statt Themen zu diskutieren: Bei der Kommunalwahl machen wir das besser.“

Fraktionschef Peter Wenzel stört die „Empörungsrhetorik“, die den Rückzug von Andrea Nahles begleitet. „Wer sich in der Parteipolitik auskennt, weiß, Andrea Nahles war nie zimperlich. Auch als sie in die Position gekommen ist, haben andere Verletzungen davon getragen“, sagt er. Die Verantwortung für die vergangenen zwei Jahre liege auch nicht nur bei der abgetretenen SPD-Chefin. „Jetzt wird so getan, als sei sie allein Vorstand gewesen.“

Personen und Inhalte hinterfragen

„Es gehört zum Wesen der Demokratie, handelnde Personen und Inhalte in der Politik zu hinterfragen“, so der Marler SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Groß. Dass Andrea Nahles keine hohe Akzeptanz genossen habe, sei als Grundrauschen in der politischen Landschaft während ihrer gesamten Amtszeit vernehmbar gewesen. Für den Sprecher der SPD-Abgeordneten aus dem Ruhrgebiet in Berlin ist aber weder die Große Koalition noch nach der Europawahlschlappe mit Verlusten von 13 bis 20 Prozent die SPD am Ende. „Das destruktive Zurückblicken kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben tolle junge Leute und sind immer noch im Strukturwandel. Jetzt geht es um die Gestaltungsfähigkeit in der Partei.“

AsF-Vorsitzende: Respekt vor der Entscheidung

Sandra Wienströer-Gurski, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in Marl klärt: „Wir haben uns gefreut, dass vor zwei Jahren eine Frau an die Parteispitze rückte, aber jetzt respektiere ich auch die Rücktrittsentscheidung von Andrea Nahles.“ Dass es Frauen in der SPD grundsätzlich schwerer haben als männliche Bewerber, kann sie aus Marler Sicht nicht nachvollziehen.

„Frustriert und gleichzeitig hoffnungsfroh“, so fasst SPD-Fraktionschef Peter Wenzel seine Stimmung zusammen, wenn er sich in der eigenen Partei umschaut. „Ich wünsche mir nicht, dass die GroKo in Berlin endet. Damit wäre keines der Probleme gelöst,“ erklärt er. Grund zu resignieren, gibt es angesichts der jüngsten Entwicklungen für ihn nicht. Auch er richtet den Blick auf das Kommunalwahljahr 2020. „Hier vor Ort können wir uns um die Themen kümmern, die die Menschen berühren.“ Dass dazu auch der amtierende Bürgermeister Werner Arndt als Spitzenkandidat gehört, sagt er nicht. Allerdings gibt es wohl derzeit in der Marler SPD auch keinen Gegenkandidaten. Im Sommer wollen die Sozialdemokraten ihre Entscheidung offiziell bekannt geben.

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