Star-Musiker zu Besuch

Gesamtschüler dürfen ins Horn blasen

MARL - Den Kindern aus der Klasse 5c an der Martin-Luther-King-Gesamtschule bleibt vor Staunen der Mund offen stehen. Was Premysl Vojty angekündigt hat, funktioniert. Mit einem Stück Schlauch im Schalltrichter seines Horns kann der Berliner Musiker Musik machen. Vor dem kleinen Experiment hat Vojta die Fünftklässler schon mehrfach staunen lassen.

Der aus Tschechien stammende Musiker, der in diesem Jahr bei mehr als 100 Teilnehmern Sieger des ARD-Wettbewerbs in der Sparte „Horn“ wurde, ist über „Rhapsody in school“ nach Hüls gekommen. Referandarin Barbara Dierkes hatte von dem Projekt erfahren, die Verantwortlichen angeschrieben. Vojta hält sich gerade in Recklinghausen auf, um eine Woche lang mit der Neuen Philharmonie Westfalen aufzutreten. Zu Gast ist er in der Klasse, die pro Woche fünf Stunden Musikunterricht bekommt, davon zwei im praktischen Umgang mit Instrumenten. Horn spielt niemand.

Deshalb hat der prominente Gast einiges zu erklären: dass vor Jahrhunderten die Menschen wirklich auf Tierhörnern spielten, wie man Töne herausbekommt und und... 28 Jahre alt ist er, verheiratet mit einer Musikerin, Vater eines eineinhalbjährigen Sohnes, in der knappen Freizeit begeisterter Fußballspieler – das alles haben die Kinder in Minuten herausbekommen. 8000 Euro hat sein Horn gekostet. „Und wir wird man berühmter Musiker?“, will ein Mädchen wissen. Bereitwillig erzählt Vojta aus seinem Leben. Mit sechs Jahren hat er angefangen, Blockflöte zu spielen, mit zehn zum Horn gewechselt. Gerade 15 war er, als er ans Prager Konservatorium ging. Wer das gut, gute Professoren hat und gut zuhört, der kann es zu etwas bringen, erfahren die Kinder.

Noch ein Moment zum Staunen: Wenn der Musiker vom Zuhören redet, dann muss nicht die Musik spielen. Vojta lässt die ganze Klasse ein paar Augenblicke inne halten, fragt anschließend, was die Kinder gehört haben: „Nichts“, ist die erste spontane Antwort. Wirklich gar nichts? Doch, ein Auto in der Ferne, das Atmen des Nebenmanns, ein Junge hat sein Herz schlagen hören.

Eben darum geht es dem Virtuosen, der für diesen Besuch nicht einen Cent bekommt: die Fähigkeit zur Ruhe und zum Zuhören bei den Kindern zu fördern. „Das müssen wir einfach machen, wenn wir wollen, dass wir weiterhin Zuhörer für klassische Musik haben.“

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