Marler zum Putsch in der Türkei

Sorge um Land und Menschen

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MARL - Viele Marler haben ihre Wurzeln in der Türkei, sorgen sich um Familie oder Freunde. Wir haben mit einigen über die aktuelle Lage nach dem Putsch und ihre persönlichen Empfindungen gesprochen. Manche wollten aus Angst anonym bleiben.

Zu Wort kommen Cengiz Caliskan, Vorsitzender des Marler Integrationsrates, und Mehmet Ucak, der Vorsitzende der Yunus Emre Moschee, die als Ditib-Gemeinde zu den Befürwortern Erdogans zählt. Kritisch äußert sich Aynur Özcan, Vorsitzende der alevitischen Gemeinde in Marl über den Staatspräsidenten. Ein anderer Erdogan-Kritiker möchte nicht mit Namen erscheinen.

„Noch fällt es mir schwer, die Situation in der Türkei einzuordnen“, sagt Cengiz Caliskan, Vorsitzender des Integrationsrats. „Es sah auf jeden Fall nach einem halbherzigen Putschversuch aus. Mit der Reaktion der Bevölkerung, die für Präsident Erdogan auf die Straße ging, hatten die Putschisten offensichtlich nicht gerechnet.“ Dass schon kurz nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei eine Welle von Verhaftungen begann, zeigt nach Cengiz Caliskans Ansicht, dass Präsident Erdogan nicht unvorbereitet gewesen sei.

Mehmet Ucak, Vorsitzender der Yunus Emre Moscheegemeinde ist am Samstag mit einigen Marlern nach Münster gefahren. „Wir wollten Solidarität mit den Bürgern in der Türkei zeigen“, sagt er. Rund 300 Menschen haben an der friedlichen Demonstration vor dem türkischen Konsulat teilgenommen. Was in der Türkei geschieht, beunruhigt den Familienvater. „Ich hoffe, dass es ruhig bleibt“, betont er. Seine Sicht: „Das Volk hat gezeigt, dass es Demokratie will und die Demokratie hat gewonnen.“

Ein Marler mit türkischen Wurzeln teilt die Zustimmung der Anhänger von Präsident Erdogan nicht. „Jetzt kann er in der Türkei machen, was er will“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er befürchtet, dass Erdogan-Kritiker auch in Deutschland unter Druck gesetzt werden. Erste Hinweise darauf sieht er, nachdem sich Mitglieder aus Facebook- und Whats-App-Gruppen im Internet verabschiedet haben. Der Marler und einige Freunde hatten sich positiv über den Putsch gegen Erdogan geäußert.

Aynur Özcan, Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde in Marl, verbringt derzeit mit ihrer Familie die Ferien an der türkischen Ägäis. „Kann sein, dass dies mein letzter Urlaub in der Türkei sein wird“, sagt sie. Vom Putschversuch hat sie, wie viele Menschen in der ganzen Welt, erst aus dem Fernsehen erfahren. Am Tag und unterwegs bei der Rückkehr von einem Ausflug nach Izmir habe sie kein Anzeichen von Unruhen wahrgenommen. „Wir waren total schockiert, aber mir kam die Sache sofort irgendwie seltsam vor, wie inszeniert. Sie befürchtet: „Für Andersgläubige und Menschen, die nicht Befürworter Erdogans und Anhänger der Partei AKP sind, gibt es hier kein friedliches Leben mehr.“

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