Der Unterricht für Schüler findet derzeit digital statt. Lehrer schicken Aufgaben oft per Mail, die die Schüler dann zu Hause bearbeiten müssen.
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Der Unterricht für Schüler findet wieder digital statt.

Update

Zurück ins Schul-Homeoffice - beim Start hat es geruckelt

  • vonJulia Grunschel
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  • Markus Weßling
    Markus Weßling
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Wieder lernen auf Distanz - damit haben die Marler Schulen inzwischen schon ihre Erfahrungen. Aber eine Herausforderung bleibt es trotzdem. Das war am Montag zu erleben.

Update, Montag, 11. Januar: Schüler, die am Morgen bereits ausgedruckte Arbeitsblätter zu bearbeiten hatten, waren im Distanzunterricht im Vorteil: Lernplattformen und Apps waren vormittags vielfach nur teilweise bis gar nicht erreichbar. Schüler, Eltern und Schulleitungen berichteten das unisono. Das Gymnasium im Loekamp teilte seiner Schulgemeinschaft schon früh im Internet mit, dass der Server überlastet sei und dass der Schulstart mit Einschränkungen beginne. Per Update wurde um 12 Uhr gemeldet, dass alles wieder laufe.

Unklarheiten wegen der Betreuungstage

„Von den Problemen höre ich bei uns wirklich nur am Rande, denn aufgrund unserer schlechten Netzanbindung hier müssen unsere Lehrer alle von zu Hause unterrichten und ihre privaten Netze nutzen, die sie bezahlen“, berichtet Marc Wystup, stellvertretender Schulleiter des Albert-Schweitzer-/Geschwister-Scholl-Gymnasiums. In der Notbetreuung war am ASGSG am Montag nur ein Kind. „Wegen der Betreuung steht das Telefon allerdings nicht mehr still. Viele Eltern haben diesbezüglich Fragen und Probleme. Es gibt noch viele Unklarheiten, was die zusätzlichen Betreuungstage angeht“, erzählt Marc Wystup.

Noch Aufgaben von vor Weihnachten

An der Willy-Brandt-Gesamtschule haben Schulleiter Theo Sylla und sein Team die letzten Tage zur Vorbereitung des Distanzunterrichts genutzt. Die digitale Plattform Logineo soll ab Mittwoch zum Einsatz kommen. Damit dann alles klappt und die Schüler nicht mit Aufgaben überfrachtet werden, werden die ersten beiden Tage dieser Woche für Absprachen, Aufgabenstellungen und den letzten Schliff genutzt. „Die Schüler haben jetzt noch Aufgaben von vor Weihnachten, an denen sie arbeiten“, erzählt Theo Sylla. Konferenzen – auch die für die Zeugnisse – finden an der WBG ab sofort nur noch digital statt.

Zeitversetzt Arbeitspakete abgeholt

An der Sinsener Haard-/Johannesschule fanden sich die 210 Kinder zeitversetzt auf dem Schulhof ein, um sich Arbeitspakete abzuholen. „Wir arbeiten über eine digitale Pinnwand und geben zweimal pro Woche Materialien heraus“, sagt Stephanie Wollbrink vom Schulleitungsteam. Längst nicht allen Schülern stünden digitale Endgeräte zur Verfügung, daher setze das Kollegium auf Stift und Papier. Für die Betreuung seien in dieser Woche 13 Kinder angemeldet.

Das hatten wir am Donnerstag berichtet: Manfred Langenkamp hofft ganz dringend auf eine Schulmail. Das sind die digitalen Schreiben aus dem NRW-Schulministerium, in denen erklärt wird, was die jeweils aktuellen Corona-Beschlüsse konkret für die Schulen bedeuten. Und die sehen bekanntlich vor, dass die Schulen wieder komplett in den Distanzunterricht gehen und nur für die Klassen 1 bis 6 eine Notbetreuung angeboten werden soll.

„Sonstiges Personal“ - wer soll das sein?

Aber es kommt eben auf Details an: Der Leiter der Bartholomäus-Grundschule in Polsum möchte zum Beispiel gerne wissen, wer denn wohl genau das „sonstige schulische Personal“ sein soll, das laut Schulministerium die Betreuung der Kinder übernehmen soll, um die sich zu Hause niemand kümmern kann. Der Hausmeister? Die Reinigungskraft? „Wahrscheinlich ist da an Schul-Sozialarbeiter gedacht, aber die haben wir hier nicht“, sagt Langenkamp.

Wie passt es mit den Abständen?

Auch Birgit Lange, Leiterin der Ernst-Immel-Realschule, hat immer wieder in ihr Mail-Postfach geschaut – und hatte am Donnerstag noch kein Schreiben aus Düsseldorf vorgefunden. „Ich gehe aber davon aus, dass wir für die fünften und sechsten Klassen Notbetreuung anbieten sollen“, sagt Birgit Lange. Der Bedarf wird bereits abgefragt, und die Schulleitung will auch hinsichtlich des Abstandes der Schüler während der Betreuungszeit kein Risiko eingehen und zwei Meter einhalten, auch ohne dass sie bisher dazu Vorgaben aus dem Ministerium kennt. Das heißt aber auch: Schon wenn eine relativ kleine Zahl zu betreuender Kinder überschritten ist, braucht es eine zusätzliche Person für die Betreuung in einem weiteren Raum.

Sorge um den seelischen Zustand

Birgit Lange macht sich weniger Sorgen, dass nun während des Distanzunterrichts Lehrinhalte auf der Strecke bleiben. „Ich hatte selbst mal ein Vierteljahr kein Mathe und kein Erdkunde – und aus mir ist auch was geworden. Das kann man alles irgendwie aufholen. Was mir mehr Sorgen macht, ist der seelische Zustand der Kinder“, sagt die Schulleiterin. Nicht zufällig steht auf der Homepage der Realschule in einem Info-Schreiben auch die Telefonnummer der Schulseelsorgerin.

Digitale Endgeräte sind noch nicht da

Was die technische Seite des Distanzunterrichts angeht, so ergibt sich ein differenziertes Bild. Die von der Stadt bestellten digitalen Endgeräte seien an ihrer Schule jedenfalls noch nicht eingetroffen, und W-LAN gebe es auch noch nicht, sagt Birgit Lange. Auch Manfred Langenkamp sagt, Kinder in Haushalten, die nicht selbst die Technik hätten, seien eben aktuell noch von Online-Formaten ausgeschlossen. Sie bekommen dann ein analoges Lernpaket. „Dabei geht es ja um Unterricht auf Distanz, nicht ums Lernen zu Hause“, bringt es Langenkamp auf dem Punkt.

WhatsApp-Alternative „läuft gut“

Die digitale Anbindung seiner Schule selbst sei nicht gut, sagt der stellvertretende Schulleiter des ASGSG, Marc Wystup. Was aber gut laufe, sei der Austausch über die Plattform sdui, eine datenschutzkonforme Alternative zu WhatsApp, bei der die beteiligten Schüler und Lehrer nicht die Handynummern der jeweils anderen sehen können. Freilich nutze dafür jeder sein privates Gerät. Ein bisschen ungewohnt sei es im Übrigen, wenn bei digitalen Lerngruppen die Schüler ihre Web-Kamera und ihr Mikro abschalteten, um die Verbindung nicht zu strapazieren. „Da spricht man dann quasi ins Leere.“

Mail-Adressen der Lehrer sind Schülern bekannt

Die Leiterin der Martin-Luther-King-Schule, Brigitte Parras, sagt, die Schüler hätten auch die dienstlichen Mail-Adressen ihrer Lehrer und könnten so Rückfragen zu ihren Aufgaben stellen. Und wenn sie keine Antwort bekämen, könnten sie sich an die Schulleitung wenden. Grundsätzlich, sagt die Gesamtschul-Leiterin, habe man nun ja bereits „Routine“ mit dem Unterricht aus der Ferne.

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