„Brauchen Lösungsansätze“

Corona: Großer Kreis im Ruhrgebiet plant enorme Öffnungen in zehn Städten

  • Daniele Giustolisi
    vonDaniele Giustolisi
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Die Corona-Zahlen in NRW steigen, doch gleichzeitig planen erste Städte weitreichende Öffnungen in allen Bereichen. So auch ein Kreis mit zehn Städten im Ruhrgebiet.

Recklinghausen/NRW – Seit dem 20. März überschreitet der Kreis Recklinghausen die 7-Tages-Inzidenz von 100. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt. Dennoch will man im Kreis im nördlichen Ruhrgebiet jetzt Öffnungen in allen Bereichen durchsetzen. RUHR24.de* erklärt, wie das funktionieren soll.

KreisRecklinghausen
LandratBodo Klimpel (CDU)
Größte StädteRecklinghausen, Marl, Gladbeck, Dorsten, Castrop-Rauxel, Herten

Recklinghausen (NRW): Kreis plant weitreichende Öffnungen wie in Tübingen

Möglich machen soll die Öffnungen im Kreis Recklinghausen ein Modellprojekt des Landes NRW, das sich an dem sogenannten „Tübinger Modell“* orientiert. Die Kurzform: Die Stadt öffnet mehr oder weniger alle Einrichtungen des öffentlichen Lebens und lässt Bürger rein, die einen offiziellen negativen Corona-Schnelltest vorweisen können.

In NRW soll es mehrere Städte und Kreise geben, die an dem Modellprojekt teilnehmen sollen, kündigte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch (24. März) im Landtag an. Damit könnten bald Theater, Kinos, Bars oder andere Freizeiteinrichtungen in mehreren NRW-Städten wieder öffnen.

Recklinghausen: NRW-Kreis will Einzelhandel durch „Tübinger Modell“ vor Corona-Exodus retten

In Recklinghausen will man mit der Maßnahme gegen den drohenden Exodus des Einzelhandels vorgehen. Denn auch Geschäfte würden dank des Modellprojekts wieder „normal“ öffnen. Also ohne Termin und andere Beschränkungen – außer der Maskenpflicht.

Das Coronavirus habe in Recklinghausen „jahrelange Bemühungen“ im Einzelhandel „zunichtegemacht“, so Landrat Bodo Klimpel (CDU). „Dabei ist der Einzelhandel einer der wichtigsten Arbeitgeber und Nachwuchsförderer.“ Der Landrat habe den Kreis Recklinghausen deshalb in einem Schreiben an Armin Laschet als Modellstadt beworben (hier mehr Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen).

630.000 Menschen würden im Kreis Recklinghausen von Corona-Konzept profitieren

Im Kreis Recklinghausen würden rund 630.000 Menschen von den weitreichenden Öffnungen profitieren können. In Recklinghausen, Marl, Gladbeck, Dorsten oder Castrop-Rauxel – um nur einige Städte des Kreises zu nennen – würde das Leben wieder einigermaßen „normal“ werden.

Recklinghausens Landrat Bodo Klimpel (CDU) will das „Tübinger Modell“ in seinen Kreis holen.

Christoph Tesche (CDU), Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, unterstützt die Bewerbung des Kreises für das Projekt „Öffnen mit Sicherheit“, mahnt aber auch zur Vorsicht: „Wir müssen trotzdem aufpassen, keine Menschenleben zu gefährden, die Gesundheit geht immer vor.“

„Tübinger Modell“ im Kreis Recklinghausen: NRW-Stadt will „Öffnen mit Sicherheit“

Zum Hintergrund: Das Tübinger Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ des Landes Baden-Württemberg ist am 16. März gestartet. Es dauert rund drei Wochen. In Austausch mit der örtlichen Universität wird dort derzeit erprobt, Kultureinrichtungen, Restaurants mit Außenbereich und den Handel für Besucher mit einem negativen Corona-Test zu öffnen. Der Inzidenz-Wert spielt dabei keine Rolle. Wer negativ getestet wird, erhält ein „Tagesticket“, um die Angebote wahrzunehmen.

Nicht nur der Kreis Recklinghausen mit seinen zehn Städten bewirbt sich als eine der laut Armin Laschet angekündigten „fünf bis sechs Modellregionen“ in Nordrhein-Westfalen. Hamm am östlichen Rand des Ruhrgebiets rechnet sich aufgrund seiner hohen Testdichte gute Chancen aus, wie WA.de* berichtet. Und in Dortmund fordert zumindest die FDP als Oppositionspartei eine Bewerbung der Stadt. Auch aus Münster flatterte dem Land NRW bereits eine Bewerbung ein. Die Stadt gilt in Sachen Corona als Musterschülerin*, hielt die Corona-Infektionen bislang relativ gering.

Kritik am „Tübinger Modell“: NRW-Politiker Karl Lauterbach sieht keinen Erfolg

Der Run auf das Modellprojekt hat also begonnen. Man darf gespannt sein, wo in NRW bald wieder öffentliches Leben möglich ist. Ganz ohne Kritik kommt aber auch diese Maßnahme nicht aus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht in dem Modell keinen Erfolg. Er verweist auf steigende Infektionszahlen in Tübingen trotz der Vorsichtsmaßnahmen. *RUHR24.de und WA.de sind Teile des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Dennis Liedschulte/RUHR24.de / Collage: RUHR24.de

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