Lockdown-Verschärfung

Bundesweite Ausgangssperre? Was die Coronavirus-Maßnahme für die Bürger hieße

  • Lea Sarah Wolfram
    vonLea Sarah Wolfram
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Das Infektionsgeschehen in Deutschland scheint sich nicht deutlich zu verbessern – nun tauchten noch mehrere Coronavirus-Mutationen auf. Es droht ein bundesweiter Lockdown mit Ausgangssperre.

Berlin - Die Diskussion um die Corona-Maßnahmen nahm in den vergangenen Tagen wieder enorm Fahrt auf. Nachdem der aktuell geltende Lockdown vorerst bis zum 31. Januar verlängert worden war, könnte nun eine drastische Verschärfung folgen. Laut Medienberichten fordere Angela Merkel bereits einen „Mega-Lockdown“ zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie.

Das Maßnahmen-Paket, das Merkel bei der CDU-Präsidiumssitzung ins Gespräch gebracht haben soll, umfasse demnach eine Pflicht für Home-Office, eine bundesweite FFP2-Maskenpflicht, wie sie bereits in Bayern eingeführt wurde, sowie eine bundesweite Ausgangssperre. Doch was bedeutet eine Ausgangssperre in der Konsequenz für die Bürger? Was wäre dann verboten – und was erlaubt?

Coronavirus-Maßnahme: Was bedeutet „Ausgangssperre“ konkret?

Wird eine Ausgangssperre erlassen, dürfen die Bürger der davon betroffenen Stadt oder Region nur noch zu festgelegten Zeiten ihre Wohnungen und Häuser verlassen und draußen unterwegs sein. Oftmals gelten die zeitlichen Beschränkungen abends und nachts. So wurden im vergangenen Dezember in Herford (Ostwestfalen) eine Ausgangssperre erlassen*, die den Bürgern den Aufenthalt außerhalb der eigenen vier Wände in der Zeit von 4 Uhr morgens bis 21 Uhr verboten hatte. Die Maßnahme sollte dabei helfen, die Kontakte der Menschen zu reduzieren, um so eine weitere Verbreitung des Coronavirus* möglichst zu verhindern.

Allerdings gibt es auch ganztägige Ausgangssperren. Anfang Dezember 2020 hatte beispielsweise der Landkreis Regen in Niederbayern für einen festgelegten Zeitraum eine Ausgangsbeschränkung für die gesamte Länge des Tages erlassen. Auch in Spanien waren in stark von Corona betroffenen Regionen im Frühjahr 2020 Ausgangssperren erlassen worden, die rund um die Uhr galten. Zuletzt hatte auch Frankreich wegen der angespannten Corona-Lage die Ausgangssperre im Land verschärft. Sie gilt ab Samstag (16. Januar) bereits ab 18 Uhr statt 20 Uhr.

Ausgangssperre zum Schutz vor Corona-Infektionen: Diese Ausnahmen sind möglich

Doch wie immer gibt es Ausnahmen, die auch während der geltenden Ausgangssperre das Verlassen von Wohnung und Haus erlauben. So gilt die Ausgangsbeschränkung nicht in medizinischen Notsituationen sowie zum Beispiel für Arztbesuche (auch Tierarztbesuche), wichtige Einkäufe, das Gassi gehen mit dem Hund, die Sorge pflegebedürftiger Menschen sowie für den Weg zur Arbeit.

Nur aus einem triftigen Grund dürfen die Bürger gegen eine Ausgangssperre verstoßen (Symbolbild).

Coronavirus-Lage in Deutschland ernst: Experten fordern härtere Maßnahmen - kommt die ganztägige Ausgangssperre?

Warum überhaupt eine Ausgangssperre? Laut Experten ist das Infektionsgeschehen in Deutschland aktuell sehr ernst. Da das Coronavirus vor allem von menschlichen Kontakten lebt – denn so verbreitet es sich hauptsächlich weiter –, ist die Kontaktreduzierung das wirksamste Mittel, um die Infektionen zu senken. Um Treffen von Menschen möglichst zu verhindern, wurde als weitere Coronavirus-Maßnahme* kürzlich auch ein Bewegungsradius erlassen, der in NRW bereits in mehreren Landkreisen gilt.

Die Kontaktreduzierung sei jetzt sogar noch wichtiger als noch während der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr, erklärte Epidemiologe Ralf Reintjes im Gespräch mit Focus. Da viele Bürger dies jedoch nicht richtig verstanden hätten und noch viele Menschen weiterhin Treffen miteinander hätten, werde spätestens im Februar der „totale Lockdown“ drohen, vermutet der Experte. Dieser würde dann vermutlich auch eine ganztägige Ausgangssperre beinhalten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass einer meiner Kontakte infiziert ist, war im ersten Lockdown eher gering. Wenn mittlerweile fünf oder zehnmal so viele – je nachdem, wie hoch man die Dunkelziffer annimmt – Infizierte draußen herumlaufen, dann ist das Risiko heute um ein Vielfaches höher und es braucht nur ganz wenige Kontakte, um einer infizierten Person zu begegnen.

Epidemiologe Ralf Reintjes im Interview mit Focus

Auch Lother Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, rät zu härteren Maßnahmen* als sie momentan in Deutschland gelten: „Diese Maßnahmen, die wir jetzt machen – für mich ist das kein vollständiger Lockdown“, sagte Wieler am Donnerstag (14. Dezember). „Es gibt immer noch zu viele Ausnahmen und es wird nicht stringent durchgeführt.“ Der Blick des Wissenschaftlers geht auch in Richtung Coronavirus-Mutation*: „Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmert.“ Eine bundesweite Ausgangssperre könnte eine mögliche Maßnahme sein – zumindest scheint Kanzlerin Angela Merkel dies nun in Erwägung zu ziehen.

SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach fordert ebenso einen „harten Lockdown“, um das „Wettrennen“ gegen die neue Corona-Mutante B117 zu „gewinnen“. Sie wird von Experten für einen der Gründe gehalten, warum die Infektionslage in England und vor allem in Irland so außer Kontrolle geriet – in Irland herrscht mittlerweile ein Inzidenzwert von etwa 1000. Bei Überprüfungen konnte festgestellt werden, dass sich 45 Prozent der getesteten infizierten Menschen mit dieser Mutation angesteckt hatten. Offenbar wegen des Coronavirus und dem anhaltenden Lockdown musste die Steakhouse-Kette Maredo fast alle Mitarbeiter kündigen und andere Gastro-Betriebe haben sich nun zusammen getan, um auf die finanzielle Not der Branche aufmerksam zu machen.  

In Deutschland wurde bereits eine Initiative ins Leben gerufen, die einen vollständigen Lockdown fordert: Nur mit „ZeroCovid“ sei dem Coronavirus beizukommen. Dies könnte unter anderem mit einer konsequenten Ausgangssperre erreicht werden. Derweil steht der Termin für den nächsten Corona-Gipfel fest: Angela Merkel will sich am Dienstag (19. Januar) um 14 Uhr mit den Ministerpräsidenten beraten, wie merkur.de* berichtet. (*Msl24.de, owl24.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Robert Michael / dpa

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