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Familienbonus: Eltern erhalten die 300 Euro - allerdings nicht alle

  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Familien erhalten wegen des Coronavirus einen Bonus von 300 Euro pro Kind. Nicht alle profitieren von der Zahlung. Wir erklären, wer profitiert - und wer nicht.

  • Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD hat den Kinder-  bzw. Familienbonus beschlossen.
  • Er ist Teil der 130 Milliarden Euro schweren Konjunktur- und Zukunftspakete in Zeiten der Coronakrise.
  • Wer "kindergeldberechtigte Kinder" hat, bekommt zwar Geld - doch die Sache kann einen Haken haben.

Düsseldorf/Berlin - Was können Bund und Länder für die Familien im Land tun? Diese Fragestellung begleitet die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Deutschland von Beginn an - insbesondere vor dem Hintergrund der monatelangen Schließung von Schulen und Kitas*. Die Lösung soll sein: ein Familienbonus.

In Addition zu (Not-) Betreuungsangeboten, dem Erlass von Kitagebühren oder auch Präsenzunterricht an Grund- und weiterführenden Schulen im rollierenden System war seitens der Politik die Frage zu beantworten, wie Familien finanziell unterstützt werden können. Im Zuge dessen soll es nun einen Familienbonus geben. Zunächst wollte das Land NRW diesen aufstocken, doch auch da gibt es neue Entwicklungen.

Die Unterstützung pro Kind in Höhe von 300 Euro hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bereits Mitte Mai gefordert. Und genau die ist jetzt am 3. Juni beschlossen worden.

Eine Unterstützung pro Kind hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bereits Mitte Mai gefordert. Und genau die ist jetzt am 3. Juni beschlossen worden, wie WA.de* berichtet. Die Bundesregierung sieht das Geld vor allem als starken Konjunkturimpuls. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zum Familienbonus, der gerne auch Kinderbonus genannt wird und blicken auf die Entwicklung in NRW.

Familienbonus: Wer bekommt wieviel Geld?

Die Höhe des Familienbonus bleibt gleicht: Für jedes "kindergeldberechtigte Kind" werden 300 Euro ausgezahlt. Für Deutschland heißt das: Rund 4,3 Milliarden Euro dürfte die Umsetzung des Beschlusses kosten, hieß es konkret zum Finanzbedarf im Entwurf des Koalitionspapiers. Ursprünglich wollte NRW diesen Betrag aufstocken, doch dazu wird es nicht kommen.

Familienbonus: Wie wird das Geld ausgezahlt?

Die 300 Euro sollen zusammen mit dem Kindergeld, aber nicht als Einmalsumme ausgezahlt werden. Der Familienbonus soll sich folglich drei Mal um 100 Euro pro Monat erhöhen. Seit Juli 2019 beläuft sich das ja für das erste und zweite Kind jeweils auf 204 Euro monatlich, für das dritte Kind auf 210 Euro monatlich und für jedes weitere Kind auf 235 Euro monatlich.

Familienbonus: Wann wird das Geld ausgezahlt?

Diese Frage ist noch nicht zu beantworten. Gemutmaßt wurde zunächst, dass die erste der drei Teilzahlungen von 100 Euro "kurzfristig" erfolgen könnte, weil ja auch anderen Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket schon ab dem 1. Juli gelten - wie etwa die Absenkung der Mehrwertsteuer befristet bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 bzw. von 7 auf 5 Prozent.  Doch inzwischen verlautet aus dem Bundesfamilienministerium, dass die Auszahlung des Familienbonus erst für den Herbst geplant sei, schreibt bild.de.

Familienbonus: Warum profitieren nicht alle gleichermaßen?

Die 300 Euro extra pro Kind werden bei der Einkommensteuererklärung 2020 mit den Kinderfreibeträgen verrechnet, erklärt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Freuen können sich Eltern mit niedrigerem Einkommen: "Nicht verheiratete Eltern profitieren bis zu einem Einkommen von rund 33.900 Euro in voller Höhe vom Familienbonus. Verheiratete Eltern profitieren bis zu einer Einkommensgrenze von 67.800 Euro."

Bei höheren Einkommen wirken Freibeträge entlastend. Verdienen Eltern mehr, bringen die Kinderfreibeträge über die Einkommensteuerveranlagung normalerweise mehr Entlastung als das im Laufe des Jahres gezahlte Kindergeld. Für 2020 bleibt es jedoch auch für diese Eltern meist beim Kindergeld einschließlich Familienbonus

"Erst ab einem Einkommen von mehr als 85.900 Euro wirken sich die Freibeträge für 2020 über das Kindergeld hinaus steuerentlastend aus", sagt Rauhöft. Bei unverheirateten Eltern liege diese Grenze bei 42.950 Euro. Das bedeutet: "Ab diesem Einkommen wird der zunächst gezahlte Familienbonus bei der Einkommensteuerklärung 2020 wieder komplett verrechnet", erklärt Rauhöft. "Folglich kommt der vorgesehene Bonus nur Eltern mit geringen und mittleren Einkommen zugute." 

Familienbonus: Gibt es auch Geld für ungeborene Kinder und über 25-Jährige?

Die geplante Sonderzahlung von 300 Euro pro Kind im Rahmen des Konjunkturpakets soll für alle Kinder gezahlt werden, für die im Jahr 2020 mindestens einen Monat lang Anspruch auf Kindergeld besteht oder bestand. Das geht aus dem Gesetzentwurf für das "Zweite Corona-Steuerhilfegesetz" hervor, das vom Bundeskabinett am Freitag auf den Weg gebracht wurde. 

Konkret bedeutet das: Sowohl für Kinder, die in diesem Jahr erst noch geboren werden, als auch für Kinder, deren Kindergeldanspruch in den vergangenen Monaten seit Januar bereits erloschen ist oder demnächst erlischt, gibt es die 300 Euro. Kindergeldanspruch besteht bis zu einem Alter von höchstens 25 Jahren, solange die Kinder in der Ausbildung sind. Der Zeitpunkt der Auszahlung des Bonus für die genannten Fälle ist noch nicht klar. Für alle anderen soll der Kinderbonus in zwei Raten zu je 150 Euro pro Kind mit dem Kindergeld im September und Oktober überwiesen werden

Familienbonus: Wie hat das Land NRW reagiert?

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte im Vorfeld angedeutet, dass er sich eine Aufstockung des Familienbonus' von 300 auf 600 Euro pro Kind aus Landesmitteln vorstellen könne. Davon ist er dann doch mit seinem Kabinett abgerückt*. Durch den von der Bundesregierung beschlossenen Familienbonus von 300 Euro und die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer sei die Forderung, Familien besonders zu unterstützen, hinreichend abgedeckt, sagte der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP) in Düsseldorf. 

Mit einem eigenen Konjunkturprogramm, das in den nächsten Wochen vorgestellt werden soll, will NRW zusätzliche Mittel bereitstellen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern.

Familienbonus: Was machen andere Bundesländer?

Also keine Erhöhung des Familienbonus in NRW. Wie sieht es in anderen Bundesländern aus? In Thüringen wollen die Fraktionen von Linke, SPD, Grüne und CDU in Thüringen einen eigenen Familienbonus von einmalig 100 Euro für jedes Kind bis 18 Jahren auflegen. Außerdem sollen die Kindergartenbeiträge aller Eltern für April, Mai und Juni erstattet werden. Davon sollen auch Eltern profitieren, die ihre Kinder in die Notbetreuung gegeben haben. 

Familienbonus: "Strohfeuer" und "Mogelpackung"

Der Sozialverband VdK hat den Familienbonus von 300 Euro pro Kind kritisiert. "Der Kinderbonus wird verbrennen wie ein Strohfeuer", sagte Präsidentin Verena Bentele der Rheinischen Post. Viel zielgenauer wäre es, nur arme und bedürftige Familien zu unterstützen. "Wenn der Kinderbonus im Sparschwein oder im Aktienfonds landet, verpufft der Konjunkturimpuls. Und wer echte finanzielle Sorgen hat, dem helfen 300 Euro gar nichts", sagt sie über den Familienbonus.

Der Bundestagsabgeordnete und stellvertretende FDP-Fraktions-Vize Christian Dürr sagte über den Familienbonus: "Der Kinderbonus entpuppt sich als Mogelpackung der Groko. Denn der deutsche Durchschnittsverdiener hat kaum etwas davon. Zwar bekommen alle Familien ab Juli 300 Euro überwiesen, aber am Ende des Jahres zieht ihnen Herr Scholz das Geld bei der Steuererklärung wieder aus der Tasche. Das Geld wäre besser in den Kitaausbau investiert, davon hätten alle Familien etwas."

Zum Familienbonus hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erklärt, der Kinderbonus gebe Familien eine wichtige finanzielle Unterstützung. "Er hilft ihnen bei größeren Aufwendungen, aber er ist auch ein Konjunkturimpuls. Denn er soll natürlich mit dazu beitragen, dass die Familien in diesem Land nach vorne blicken. Das ist eine ganz wichtige Sache der Gerechtigkeit, aber, wie gesagt, auch der Konjunkturunterstützung."

Familienbonus: Was ist mit Alleinerziehenden?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärte, dass seine CSU den von der SPD geforderten Familienbonus unterstützt habe, "weil wir glauben, dass er ein gutes Signal ist. 

Wir haben das allerdings noch um eine Verdopplung des Freibetrages für Alleinerziehende ergänzt, weil wir auch ganz bewusst ein Signal setzen wollten, dass neben der Kernfamilie gerade die vielen Alleinerziehenden in den letzten Monaten mit die größte Last zu tragen hatten. Denn bei Alleinerziehenden war es wirklich sehr, sehr schwer, Kita, Schule, alles miteinander in Einklang zu bringen."

*WA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa-tmn

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