Kritik an Schweinemast

Gütersloh: Tierquälerei bei Tönnies-Zulieferer – Konzern beendet die Zusammenarbeit

Die Kritik am Schlachtbetrieb Tönnies reißt nicht ab: Bei einem Zulieferer der Firma sollen Schweine gequält worden sein. Nun reagierte der Konzern auf die Kritik.

Update: 23. Juli, 8.20 Uhr – Nachdem die Tierschützer im Kreis Gütersloh vor dem Tönnies-Konzern das Schock-Video aus der Schweinemast eines Zulieferers gezeigt hatten, wurden nun bekannt, um welchen Betrieb es sich handelt. Wie der WDR berichtet, räumte dieser gesundheitliche Probleme der Schweine ein. Diese wären jedoch mittlerweile im Griff.

Die Konzernspitze um Clemens Tönnies bezeichnete die Bilder als „grauenvoll“. Noch am selben Tag beendete Tönnies die Zusammenarbeit mit dem Landwirt aus Rheda-Wiedenbrück. Zur bisherigen Zusammenarbeit sagte ein Sprecher des Schlachtbetriebes aus dem Kreis Gütersloh, dass man den Zulieferer bislang als seriös gekannt und die Tiere noch nie einem solchen Zustand geliefert bekommen hätte. Gegen den Zulieferer wird nun ermittelt.

Firma:Tönnies Holding
Zentrale:Rheda-Wiedenbrück
Mitarbeiterzahl:9007 (2018)
Rechtsform:ApS & Co. KG
Gründung:1971
TochterunternehmenZur-Mühlen-Gruppe (unter anderem)

Erstmeldung: Rheda-Wiedenbrück – Grausame Zustände wollen Tierschützer in einer Schweinemast im Kreis Gütersloh aufgedeckt haben. Das Deutsche Tierschutzbüro e.V. veröffentlichte am Dienstag (21. Juli) eine Pressemeldung, in der von einem Enthüllungsvideo die Rede ist, das den Tierschützern zugespielt worden sei, wie owl24.de* berichtet.

Tierquälerei bei Tönnies-Zulieferer? Schweinemast im Kreis Gütersloh im Visier

Es geht um einen Schweinemastbetrieb in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh). In diesem sollen die Tiere gequält worden sein, so der Vorwurf des Tierschutzbüros. Dies sei auf dem Bildmaterial aus der Anlage, das vom 13. auf den 14. Juli 2020 entstanden sein soll, ersichtlich. Bei der Recherche habe sich herausgestellt, dass der Betreiber ein Zulieferer von Tönnies (Kreis Gütersloh*) sei. Dies habe der Betreiber auch selbst am Telefon bestätigt, schreibt das Tierschutzbüro.

In der Schweinemast im Kreis Gütersloh würden etwa 1000 Tiere gehalten – auf "grausame" Weise, wie die Tierschützer berichten. Viele der Schweine seien offenkundig verletzt: „Unzählige Schwänze und Ohren sind blutig gebissen, hier müsste der Mäster einschreiten, das tut er aber scheinbar nicht“, kritisiert Denise Weber, Pressesprecherin vom Deutschen Tierschutzbüro.

Dieses Foto soll in der Mastanlage eines Tönnies-Zulieferers entstanden sein. Es zeigt ein Schwein mit blutigen Verletzungen.

Heftige Kritik an mutmaßlichem Tönnies-Zulieferer im Kreis Gütersloh: Video zeige „gravierende Verletzungen“

Auf dem Bildmaterial seien schwere Verletzungen zu sehen, zum Beispiel „ein hervorstehendes, blutiges und stark geschwollenes Auge“ oder „einen unbehandelten, Tennisball großen Abszess an einem Ohr". Auch die hygienischen Zustände kritisieren die Tierschützer: So würde die Gülle bei dem mutmaßlichen Tönnies-Zulieferer so hoch stehen, dass sie durch die Spaltböden nach oben dränge.

 „Solche gravierenden Verletzungen und Entzündungen passieren nicht über Nacht, hier scheint der Mäster seiner Fürsorge und Verantwortung nicht nachgekommen zu sein“ kritisiert die Pressesprecherin Weber die Zustände in der Schweinemast des mutmaßlichen Tönnies-Zulieferers im Kreis Gütersloh. In dem Videoclip am Anfang des Artikels sind Szenen des Videomaterials zu sehen. Achtung: Das Video enthält zum Teil drastische Bilder, die auf manche Zuschauer verstörend wirken könnten.

Kreis Gütersloh: Strafanzeige gegen Tönnies-Zulieferer gestellt

Zu einem ähnlichen Urteil sei auch  Dr. Siegfried Ueberschär gekommen, berichtet das Tierschutzbüro: Ueberschär, pensionierter Universitäts-Professor für Tierpathologie, hat für die Tierschützer ein Kurzgutachten erstellt, wie es in der Pressemeldung heißt. Darin bescheinige Ueberschär, dass er den „Tatvorwurf der Tierquälerei“ erfüllt und „dringenden Handlungsbedarf“ bei der Schweinemast in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) sehe.

Das Tierschutzbüro habe nun bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Strafanzeige gegen den mutmaßlichen Tönnies-Zulieferer aus dem Kreis Gütersloh gestellt. Auch das zuständige Veterinäramt und das Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf werde informiert, kündigten die Tierschützer an.

Der Schlachtbetrieb war im Juni wegen vermehrten Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern in die Kritik geraten. Wegen des Coronavirus-Ausbruchs bei Tönnies folgte für den gesamten Kreis Gütersloh die Rückkehr zu Schließungen und Kontaktverboten*. Zudem kamen kürzlich weitere Ansteckungen dazu: Beim Küchenbauer Nobilia in Verl bei Gütersloh sind neun Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden*. Die Angestellten hatten sich vermutlich im Urlaub mit Sars-CoV-2 infiziert.

Kreis Gütersloh: Pressetermin am Tönnies-Werk wegen mutmaßlicher Tierquälerei in Schweinemast

Das Tierschutzbüro kündigte außerdem für Mittwoch (22. Juli) einen Pressetermin am Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh an. Dann werde auch auf einer Leinwand das Videomaterial gezeigt, das in der betreffenden Schweinemast gedreht worden sein soll.

Zudem werden die Tierschützer mit Bannern und Plakaten vor dem Schlachtbetrieb Tönnies (Kreis Gütersloh) unter dem Motto „Tönnies tötet! Menschen leiden, Tiere sterben“ demonstrieren.  „Wichtig ist mir zu sagen, dass kein Tier freiwillig in den Schlachthof geht, denn Tiere wollen leben und nicht bei Tönnies oder einem anderen Schlachthof getötet werden“, sagt Weber abschließend.

Derweil kommt es bei Tönnies im Kreis Gütersloh wieder zu vermehrten Coronavirus-Ausbrüchen*. Außerdem haben Experten im Betrieb einen Superspreader entdeckt. (*Owl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner / dpa / picture alliance (Fotomontage)

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