Komet Neowise C/2020 F3 Warstein Kreis Soest Daniel Schröder
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Blick Richtung Norden: Über der Alten Kirche in Warstein zog der Komet Neowise seinen Schweif. 

"Das kommt wirklich nicht oft vor!"

Komet am Himmel: Astrophysiker erklärt, warum "Neowise" so besonders ist

  • Daniel Schröder
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Es ist ein wahres Himmels-Spektakel, das man derzeit bei Dunkelheit mit bloßem Auge auch über dem Kreis Soest beobachten kann. Der Komet Neowise zieht auf seiner Umlaufbahn aktuell "nah" an der Erde vorbei. Experten zufolge passiert das nur nur alle 5000 bis 7000 Jahre.

  • Der Komet Neowise ist bis Ende Juli am Himmel zu sehen - auch mit bloßem Auge.
  • Dass Neowise auf seiner Umlaufbahn so "nah" an der Erde vorbeizieht, passiert nur alle 5000 bis 7000 Jahre.
  • Ein Astrophysiker erklärt das Phänomen.

Warstein - Eine Ewigkeit ist der uralte kosmische Brocken durch die Tiefen des Sonnensystems gezogen und taucht derzeit an unserem Nachthimmel auf.

Der Komet "Neowise" mit der nüchternen Bezeichnung "C/2020 F3" ist bis etwa zum Monatsende am Himmel zu sehen - erst mit bloßem Auge und später per Teleskop oder Fernglas, wie soester-anzeiger.de* berichtet. "Für ungeübte Beobachter liegt der beste Beobachtungszeitraum zwischen dem 15. und dem 25. Juli", sagt Manfred Gaida, Astronom und wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Entdeckt wurde der Komet Neowise mit einem geschätzten Durchmesser von fünf Kilometern erst am 27. März vom Weltraumteleskop "Wise". In den vergangenen Tagen durchlief der neue Schweifstern den sonnennächsten Punkt seiner Bahn.

Lediglich ein klarer Himmel ist nötig, um den Kometen C/2020 F3 zu sehen.

"Kometen sind in der Frühphase der Entstehung des Sonnensystems entstanden", erklärt Prof. Dr. Markus Risse. Der gebürtige Warsteiner arbeitet an der Universität in Siegen, sein Forschungsgebiet: die Astroteilchenphysik.

Komet Neowise: Durch Sonnenwinde entsteht der Schweif

Der Komet Neowise zieht in einer langgestreckten elliptischen Umlaufbahn um die Sonne. "Wenn Kometen sich der Sonne nähern, werden sie aufgeheizt - dadurch entweichen Gase und es bildet sich eine Gaswolke um den festen Gesteinskern herum. Kommen sie der Sonne dann noch näher, entsteht durch sogenannte Sonnenwinde der Schweif, den man auch jetzt bei Neowise erkennen kann", erklärt Prof. Dr. Markus Risse.

Am Himmel über den Bäumen Warsteins: Komet Neowise, der erst im März entdeckt worden war.

"Eigentlich kann man Kometen ständig beobachten, die meisten von ihnen aber nur mit größeren Teleskopen. Dass ein Komet wie Neowise so gut mit bloßem Auge beobachtbar ist, ist in diesem Sinne durchaus eine Seltenheit. Das kommt wirklich nicht oft vor!"

Dass Neowise weite Teile der Bevölkerung in seinen Bann zieht, ist für Risse gut nachvollziehbar: "Der Komet bildet einen deutlichen Kontrast zu dem Fix-Sternenhimmel, der im Auge des Betrachters relativ unveränderlich ist. Hier tut sich jetzt mal was."

Komet Neowise der Erde bloß alle 5000 bis 7000 Jahre so nah, dass er mit bloßem Auge erkennbar ist

Experten zufolge kommt der Komet Neowise der Erde alle 5000 bis 7000 Jahre so nah, dass er mit bloßem Auge zu sehen ist. "Das sind durchaus beeindruckende Zahlen. Wer weiß, wie es auf der Erde aussieht, wenn der Komet ihr das nächste Mal so nahe ist", so der Warsteiner Astrophysiker.

"Am 23. Juli steht er der Erde am nächsten", sagt die Wissenschaftlerin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg. Dann beträgt seine Entfernung nur noch 103 Millionen Kilometer. Das entspricht ungefähr zwei Dritteln des mittleren Abstands der Erde zur Sonne.

Komet Neowise: Spannend für die Wissenschaft

Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Entdeckung des Kometen höchst interessant: Der Kern des Kometen soll von einer dunklen Rußpartikel-Schicht bedeckt sein, die seit der Frühphase des Sonnensystems unberührt und konserviert wäre. 

Per Teleskop können Wissenschaftler die Infrarotsignatur von Neowise analysieren und dadurch Rückschlüsse auf die damalige Zusammensetzung der Elemente ziehen.

23 Jahre ist es schon her, dass ein Komet mit bloßem Auge über Soest zu sehen war. Jetzt war es wieder so weit: Der Himmelskörper "C 2020 F3"/Neowise raste über den Nordhimmel. - *soester-anzeiger.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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