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Leroy Kwadwo (r.) von den Würzburger Kickers und Lucas Cueto von Preußen Münster während des Drittliga-Spiels Preußen Münster.

Dritte Liga

Stadionverbot für 29-Jährigen nach rassistischer Beleidigung im Spiel von Preußen Münster

Im Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers ertönt eine rassistische Beleidigung auf der Tribüne. Fans und Verein reagieren sofort. Jetzt gibt es ein erstes Urteil.

  • Leroy Kwadwo, Spieler bei den Würzburger Kickers, wurde beim Spiel gegen Preußen Münster rassistisch beleidigt.
  • Der tatverdächtige Mann auf der Tribüne wurde sofort von anderen Fans deutlich herausgestellt.
  • Es wurde Anzeige wegen Volksverhetzung erhoben. Jetzt erging ein erstes Urteil

Update, 17. Februar, 19 Uhr:

Nach dem Rassismus-Vorfall beim Drittliga-Fußballspiel in Münster ist gegen den Tatverdächtigen ein bundesweites Stadionverbot von drei Jahren ausgesprochen worden. Das gab der Club Preußen Münster am Montag bekannt. "Das Mindeste, das wir nun tun können, ist, dass diese Person nicht mehr in unser Stadion kommt", erklärte Vereinspräsident Christoph Strässer. Zudem hat Preußen Münster umgehend mit einer Aktion gegen Rassismus im Fußball reagiert.

Zuvor hatte die Polizei die Identität des Mannes bestätigt und weitere Ermittlungen eingeleitet. Bei dem Tatverdächtigen, der am Freitag im Drittligaspiel von Preußen Münster gegen die Würzburger Kickers den Gäste-Spieler Leroy Kwadwo mit Affenlauten beleidigt hatte, handelt es sich um einen 29-Jährigen aus dem Kreis Steinfurt. Wie eine Polizeisprecherin am Montag bestätigte, wurde der Mann wegen Volksverhetzung angezeigt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung

"Es werden weitere Zeugen vernommen und der Beschuldigte wird zur Sache befragt", sagte die Sprecherin. Danach werde sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall beschäftigen. Beim Grundtatbestand der Volksverhetzung ist eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren möglich. Auch finanziell wird der Vorfall für den Zuschauer Konsequenzen haben. Neben einer Geldstrafe aus dem Strafverfahren wird auch Preußen Münster die von Seiten des DFB zu erwartende Strafe auf den Täter umlegen. Dies teilte der Club mit.

Die Zuschauer hatten auf die Beleidigungen des Mannes mit "Nazis-raus"-Rufen reagiert und den Tatverdächtigen, der seinen Platz verlassen hatte, ausfindig gemacht und identifiziert.

So berichteten wir bisher:

Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken "Nazis raus"-Rufen haben Fans des Bundesliga-Gründungsmitglieds Preußen Münster auf einen Rassismusvorfall reagiert. In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in Richtung des 23-Jährigen gemacht.

Münster: Sprecher der Polizei bestätigt Beleidigungen

Nach Vereinsgaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans "Nazis raus". Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem "Spiegel" die Beleidigungen. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der "Spiegel" weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: "Geh zurück in dein Loch."

Nach Angaben der "Westfälischen Nachrichten" vom Samstag handelt es sich um einen 29-Jährigen aus Steinfurt. Am Tag nach den Ereignissen meldete sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort und lobte das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram: "Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet." Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: "Danke für Eure Menschlichkeit."

Leroy Kwadwo fordert konsequentes Handeln aller Beteiligten

Die Beleidigung selbst habe ihn aber "einfach nur traurig und wütend" gemacht, teilte Kwadwo mit. "Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren." Im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF forderte Kwadwo ein konsequentes Handeln aller Beteiligten: "Der Fußball hat eine große Macht. Wir sollten dann alle zusammenrücken, sagen, so geht es nicht weiter, dann spielen wir nicht."

Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea twitterte: "Wahnsinn... und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer."

Der Deutsche Fußball-Bund verurteilte die Tat, lobte die Reaktionen und verwies auf das richtige Handeln von FIFA-Schiedsrichterin Katrin Rafalski. "So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo" gewesen sei, "so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf", twitterte der DFB auf seinem Account zur 3. Liga. Rafalski habe gemäß der Drei-Stufen-Regel der Europäischen Fußball-Union UEFA eine Stadiondurchsage veranlasst und versucht, Kwadwo zu beruhigen. Auf Fotos ist zu sehen, dass Kwadwo die Unparteiische aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte.

Preußen Münster entschuldigt sich bei Würzburger Kickers

Die Gastgeber entschuldigten sich sofort bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. "Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht", sagte Preußen-Vereinspräsident Christoph Strässer, der von 2002 bis 2017 für die SPD im Bundestag saß und von 2014 bis 2016 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung war.

Auch die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Club hervor. "Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war", sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.

dpa

Zuletzt hatten rassistische Rufe beim DFB-Pokalspiel FC Schalke 04 gegen Hertha BSC Berlin für großes Aufsehen gesorgt.

In der Regionalliga West hat der TuS Haltern im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen gesetzt. Vor knapp 600 Zuschauern in der Stauseekampfbahn schlug der TuS den VfB Homberg mit 3:0.

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