Corona-Maßnahmen

Sperrstunde und Alkoholverbot in NRW: Neue Corona-Regeln für die Gastronomie

Die angespannte Coronavirus-Lage in NRW führt zu immer strengeren Maßnahmen. Bei uns erfahren Sie mehr über die „Sperrstunde“ in der Gastronomie sowie das Alkoholverbot.

NRW – Nicht nur in Berlin gilt sie bereits: Wegen anhaltend hoher Neuinfektions-Zahlen wurde in der Bundeshauptstadt vergangene Woche eine Sperrstunde eingeführt. Doch auch der NRW-Hotspot Hamm setzte mit Einsetzen am Mittwoch (14. Oktober) diese Maßnahme um. Damit soll Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den Gastronomien Einhalt geboten werden.

In der Regel ist die Maßnahme auch mit einem Alkoholverbot verknüpft. Msl24.de* berichtet, worum es bei der Sperrstunde geht, warum die Maßnahme in der Corona-Pandemie* kritisiert wird und wann mit Sperrstunden auch in NRW zu rechnen ist.

Coronavirus in NRW: So funktioniert die Sperrstunde

Grundsätzlich geht es bei einer Sperrstunde darum, dass sich Gastronomien an vorgegebene Schließungszeiten halten und ihren Betrieb einstellen müssen. Die Regelung ist jedoch kein neues oder seltenes Mittel: Normalerweise dient die Vorgabe zur Sicherung der Nachtruhe und beinhaltet auch ein Alkoholverbot während der Betriebsruhe. Die Sperrstunde gilt bereits seit 2010 zum Beispiel für die Zeit von 5 bis 6 Uhr in mehreren deutschen Bundesländern, unter anderem in NRW, Bayern und Sachsen.

In anderen Bundesländern, wie Berlin oder Hamburg, gibt es keine generelle Sperrstunde. Diese wurde jedoch wegen der rasant ansteigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder eingeführt. In der Hauptstadt müssen seit dem 10. Oktober Kneipen, Bars und Spätis zwischen 23 Uhr und 6 Uhr schließen. Dann darf auch kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden. In Hamm in NRW müssen Bars und Restaurants spätestens um 1 Uhr schließen. „Zwischen 0 und 5 Uhr darf kein Alkohol ausgeschenkt werden – dies gilt auch für Kioske und Tankstellen“, heißt es auf der Homepage der Stadt.

Coronavirus-Lage in NRW: Warum wird die Sperrstunde eingeführt?

Durch eine Sperrstunde sollen in sogenannten Corona-Hotspots, von denen es in NRW mittlerweile einige gibt, Ansteckungen mit dem neuartigen Virus eingedämmt werden. Der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete die Sperrstunde als einen Teil umfassender Schutzmaßnahmen, um Menschenansammlungen zu verhindern, wie der rbb berichtet. „Wir müssen wieder wie zum Anfang der Pandemie, [...] deutlich machen: Wir müssen diese größere Gruppenbildung auf jeden Fall vermeiden“, sagte Müller bei einer Pressekonferenz.

Auch in Israel, England und den Niederlanden wurde bereits eine Corona-Sperrstunde eingeführt, wie nun aktuell in Berlin und NRW. Die enthemmende Wirkung von Alkohol, zu kleine Räume, Menschenansammlungen, eine vielleicht zu feuchte Aussprache durch Trunkenheit – es gibt einige Gründe, die dafür sprechen, dass Sperrstunden sinnvoll sein könnten. Doch es gibt auch deutliche Kritik.

Coronavirus NRW: Kritik an Sperrstunden – Gefahr für Gastronomie?

Denn eine Sperrstunde könnte der Gastronomie weiter schaden, welche noch immer unter dem letzten Lockdown im Frühjahr leidet. Das befürchtet zum Beispiel der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Der Verband kritisierten aber auch das umstrittene Beherbergungsverbot, das es in NRW nicht gibt, scharf:. „Die Maßnahmen sind existenzgefährdend“, erklärt DEHOGA-Präsident Guido Zöllick in einer Pressemeldung. In Berlin wurden den Gastronomen bereits 3000 Euro Soforthilfe zugesichert.

Geschlossene Bar in Neukölln. (Symbolbild)

Coronavirus in NRW: Wie wirksam sind Sperrstunden?

Doch auch Wissenschaftler zweifeln an dem Nutzen einer Sperrstunde. Gérard Krause, leitender Epidemiologe des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, äußert sich in einem Spiegel-Interview zweifelnd gegenüber der Maßnahme: „Wenn man Betriebszeiten grundsätzlich kürzt, dann bedeutet das ja, dass mehr Kunden in einer kürzeren Zeit zusammenkommen könnten“, sagt Krause. „Auf der anderen Seite kann es helfen zu vermeiden, dass die Menschen durch Alkoholkonsum enthemmt auf engsten Räumen die Hygieneregeln vernachlässigen“, gibt der Forscher zu Bedenken.

Manche Kritiker befürchten auch, dass durch eine Sperrstunde Partys nicht verhindert, sondern lediglich nach Hause verlegt würden und so der gewünschte Effekt der Corona-Maßnahme ausbleibe. Zudem wird kritisiert, dass das Coronavirus natürlich rund um die Uhr ansteckend ist – eine Infektion könnte letztlich auch bereits um 17 Uhr in einem Café passieren. Was sollte dann eine Sperrstunde bringen? In NRW zumindest sieht Ministerpräsident Armin Laschet einen klaren Nutzen.

Coronavirus-Maßnahme: Ist die Sperrstunde in NRW vorgeschrieben?

Denn obwohl bei den jüngst verkündeten Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern* eine Sperrstunde nur empfohlen, aber nicht vorgeschrieben wird, ist sie in NRW klar festgeschrieben. Sie ist Teil der Corona-Maßnahmen, die bindend für ganz NRW gelten*. Sie soll bei einer Überschreitung der 7-Tages-Inzidenz von 50 pro 100.000 Einwohner umgesetzt werden.

Der noch amtierende Oberbürgermeister von Hamm (NRW) ist mit der Vorgabe jedenfalls nicht zufrieden: „Die Regelung von Sperrstunden ist eine Weisung des Landes – für Hamm halte ich es nicht unbedingt für sinnvoll, weil wir die ‚Partymeilen‘ wie in Berlin oder Düsseldorf gar nicht haben und weil wir hier nachweislich keine Infektionsherde haben“, erklärte OB Thomas Hunsteger-Petermann. Auch die Stadt Münster kündigte bereits weitreichende Corona-Maßnahmen beim Überschreiten des Inzidenz-Wertes an.*

Ergänzung: Am 16. Oktober (Freitag) verkündete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erneut eine Verschärfung der Corona-Schutzmaßnamen. Diese beinhalten noch immer eine Sperrstunde für gastronomische Betriebe. Sie soll angewendet werden, wenn die Gefahrenstufe 2 erreicht wird - wenn also der 7-Tages-Inzidenzwert 50 erreicht. Neu ist bei der Verkündung nun der festgesetzte Zeitraum von 23 bis 6 Uhr. In dieser Zeit muss der Betrieb in Gastronomien ruhen, es darf auch kein Alkohol ausgeschenkt oder verkauft werden - dies gilt auch für Kiosk oder Tankstelle. (*Msl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.)

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa und Christophe Gateau/dpa (Fotomontage)

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